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Freitag, 29. November 2013

Die Beitragsentwicklung der privaten Krankenversicherung - Ein Risiko für Altersarmut

Es ist wieder soweit. Alljährlich im November ein Brief von der Krankenkasse. Die "Beitragsanpassung". Wieviel wird es denn diesmal sein. "Nur 10% mehr", na das geht noch - es gab schon Schlimmeres. Man braucht eine robuste Gesundheit, damit man die Mitteilungen der privaten Krankenversicherung ohne Panikattacken übersteht.

Privatversicherte werden sehr schnell mit Stichworten wie Besserverdiener, Chefarztbehandlung und Einzelzimmer assoziiert. Doch vieles trifft auf neuere Verträge aus den letzten 10-15 Jahren gar nicht mehr zu.

Das Angestellte mit mehr als ca. 4300€ Monatsgehalt in die private Krankenkasse wechseln können ist sicherlich bekannt. Beamte dürfen sich unabhängig vom Einkommen privat versichern und erhalten, genau wie die Angestellten, 50% Ihrer Beiträge vom Arbeitgeber erstattet, als Zusatzleistung zum Bruttolohn.

Die dritte Gruppe sind die Selbständigen, die sich ebenfalls unabhängig von Ihrem Einkommen privat versichern dürfen. Darunter sind auch Geringverdiener. Viele kleine Markthändler, Trödler, auch ein paar Gewerke im Handwerk, wie z.Bsp. Bäcker gehören zu den Einkommensgruppen mit weniger als 2000€ im Monat. Um Neiddebatten gleich vorzubeugen, ein Selbständiger mit 2000€ im Monat (falls er arbeitet), enstprechen einem Angestellten mit 1500€ im Monat, für den der Arbeitgeber auch noch 300€ Versicherungsbeiträge übernimmt und 200€ für den Urlaub zurücklegt. Es ist nicht so einfach Einkommensangaben zwischen Selbständigen und Angestellten zu vergleichen. Ein Selbständiger ist mit gleichem zu versteuerndem Einkommen ärmer als ein Angestellter.

Für Selbständige bietet die gesetztliche Krankenkasse nur die "freiwillige Versicherung". Diese unterstellt einfach - ganz unabhängig vom wirklichen Einkommen - der Versicherte würde in Höhe der jeweiligen Beitragsmessungsgrenze verdienen, also aktuell ca. 4000€ monatlich. Der Versicherungsbeitrag beträgt 14,5%, das sind 580 €. Soviel muss ein Selbständiger zahlen um sich freiwillig gesetzlich zu versichern, auch dann, wenn er vielleicht nur 1500€ Einkommen hat.
Der einzige Grund, warum jemand auf dieses "Angebot" eingeht, ist die Familienversicherung. Als gesetzlich Versicherter sorgt man mit diesem Beitrag auch gleich für Frau und Kinder vor, in der privaten Versicherung müßte jede Person einzeln versichert werden.

Doch als junger Single lockt die private Krankenversicherung mit Beiträgen ab 180€, manchmal sogar noch weniger. Bei Werbung sollte man immer darauf achten, das einige nur mit halben Beiträgen werben, weil Angestellte und Beamte nur halbe Beiträge bezahlen. Außerdem werden 20 jährige sehr viel günstiger versichert als 40jährige. Deswegen muss man Aussagen wie in dieser Werbung äußerst differenziert hinterfragen:


Die private Krankenversicherung ist für Singles bis zu einem Alter von 50 Jahren fast immer preiswerter, als die freiwillige gesetzliche Versicherung mit den festen 580€. Man vergleicht Preise. Man vergleicht Leistungen und kommt zu dem Schluss, die private Krankenversicherung ist eine gute Sache. Mehr Leistungen bei geringeren Beiträgen.
Das Schwierige bei dieser Entscheidung ist jedoch, das man einerseits eine Verbindung auf Lebenszeit eingeht, man kommt leichter aus einer Ehe heraus, als aus dem Status des Privatversicherten; und man kann die Entwicklung der Beiträge in den nächsten 50 Jahren nur schwer prognostizieren.
Ob die PKV eine gute Entscheidung war, können vielleicht die 90-jährigen rückblickend bewerten, aber nicht die 30-jährigen vorausschauend. Es wird immer ein ungutes Gefühl bei dieser Entscheidung bleiben, sofern sich der 30-jährige über die Tragweite seiner Entscheidung überhaupt bewußt ist.

Ich war mir dessen so halbwegs bewußt und habe mit 31 eine PKV abgeschlossen. Dreizehn Jahres später habe ich einige "Beitragsanpassungen" mitgemacht.

Persönliche Beitragsentwicklung

Als "Neukunde" habe ich im Jahr 2001 einen Vertrag für ca. 180 Euro mit 1022€ Selbstbehalt abgeschlossen. 10 Jahre später, 2012, wurde ein Beitrag von 550 Euro mit 1500€ Selbstbehalt angekündigt.
Daraufhin habe ich den Tarif innerhalb der Krankenkasse gewechselt, auf ein paar Leistungen wie den Chefarzt und das Einzelzimmer verzichtet, und meinen Beitrag um 200 Euro reduziert.

Wie man sieht, es ging ziemlich steil bergauf, nicht als Einzelfall sondern jährlich.


Im Mittel ca. 10% pro Jahr. Es gibt keine andere Versicherung die solche Entwicklungen hat. Darauf ist man als Versicherter nicht gefasst, aber 10% Steigerung pro Jahr, bedeuten eine Verdopplung alle 7 Jahre.

Wenn man diese Entwicklung auf die nächsten 20 Jahre extrapoliert, wird der Beitrag bald so aussehen:

Extrapolierte Beitragsentwicklung, auf Grundlage der Steigerungen der letzten 13 Jahre

Mit 65 werde ich wahrscheinlich einen Beitrag von 2300€ haben. Die Politik hat zwar das Problem erkannt und die Krankenkassen gezwungen Altersrückstellungen zu bilden, doch diese Rückstellungen sollen erst die Beiträge ab dem 65. Lebensjahr dämpfen und die jährliche Steigerung auf maximal 5% begrenzen. Wenn der Beitrag erstmal auf 2300€ angewachsen ist, hilft es aber wenig, zu wissen das es ab jetzt langsamer steigen wird. Bezahlen wird solche Beiträge kaum jemand können. Inflation und Einkommen werden sicherlich langsamer wachsen, als mit 10% jährlich.

Als 30jähriger läßt man sich von seinem Versicherungsvertreter alle möglichen optionalen Zusatzleistungen aufschwatzen und fühlt sich damit "rundum gut versorgt". Wegen der Beitragssteigerungen muss man diese Luxus-Komponenten wieder kündigen um den Tarif bezahlbar zu halten und hat 10-20 Jahre quasi nutzlos einen Zuschlag für ein Einzelzimmer bezahlt, obwohl ich bis heute noch nie eine Nacht im Krankenhaus verbracht habe.

Das Argument für den frühen Abschluss möglichst vieler Leistungen ist die Gesundheitsprüfung.
Man kann jederzeit seinen Tarif reduzieren, wenn man ihn jedoch verbessern möchte, kann die Krankenkasse eine Gesundheitsprüfung verlangen, das Aufstocken ablehnen oder mit einem individuellen Risikozuschlag versehen. Niemand versichert ein Haus das schon brennt.
Also versichert man, solange man noch gesund ist, soviel wie möglich, später könnte es einmal nicht mehr gehen. Bei geringen Einstiegstarifen kann man sich zwar die Zusatzversorgung leisten, braucht sie aber nicht, und wenn die Beiträge steigen, ist es das erste  was man wieder kündigt. Es wäre besser gewesen, sie gar nicht erst abzuschliessen.
Auf Optionen wie ein Einzelzimmer kann man getrost verzichten, wer es sich leisten kann, kann bei einer Krankenhauseinweisung immernoch entscheiden, ob er bereit ist, den Aufschlag privat - ohne Versicherung - zu bezahlen. Der Chefarzt ist auch nur der, der am meisten im Büro sitzt, Mitarbeiter einteilt und Urlaubsanträge unterschreibt, und nicht der, der zwangsläufig die beste tägliche medizinische Routine hat.

Selbstbehalt

Jeder weiß, es gibt in der privaten Krankenkasse noch bezahlte Brillen und mehr Leistungen für Zahnersatz. Vergessen werden bei dieser Aussage immer die heute üblichen Selbstbehalte.
Wie das funktioniert kennt jeder von der KFZ-Versicherung, man schliesst eine Vollkasko mit 300€ Selbstbeteiligung ab und weiß damit von vornherein, das man Schäden für 250€ nicht beglichen bekommt, und das es sich wegen der Rückstufung und der Prämienerhöhung vielleicht erst ab 400€ lohnt, einen Schaden zur Regulierung einzureichen.

In der privaten Krankenversicherung sind solche Tarife mit Selbstbehalt heute die Regel und reduzieren die Beiträge deutlich. Hier mal der gleiche Tarif mit verschiedenen Selbstbeteiligungen:


Da greift man doch gerne zu, oder nicht ?

Doch das bedeutet: wenn man sonst gesund ist, bekommt man für seine Brille nichts, für den Augenarzt nichts, für die jährliche Kontrolle beim Zahnarzt nichts, und auch sonstige kleine Wundversorgungen, für die man mal schnell in die Notaufnahme muss, zahlt man aus eigener Tasche.

Die 10€ Praxisbeitrag, die gesetzlich Versicherte ehemals zahlen mussten, oder auch hier und da ein paar Euro Zuzahlung bei Medikamenten erscheinen lächerlich, wenn in der PKV Selbstbeteilungen zwischen 300 und 2000€ jährlich normal sind.

Wenn man in der KFZ-Versicherung einen Kasko-Schutz mit 300€ Selbstbehalt abschließt, kann man sich darauf verlassen, dass es bei diesem Selbstbehalt bleibt. In der PKV ist das anders. Der Selbstbehalt kann jählich angepasst werden, er wird mit den Beiträgen erhöht. Ich habe zum 01.01.2012 einen Vertrag mit 750€ Selbstbehalt abgeschlossen, schon ein Jahr später wurde er auf 900 Euro erhöht. Einfach mal so 20% mehr Eigenleistung, oder 150 Euro weniger Auszahlung von der Krankenkasse.

Für die chronisch Kranken, wie Patienten mit Diabetes, schweren Allergien, Epilepsie oder Depressionen, die eine regelmäßige Betreuungen und langfristige Therapie benötigen, den Selbstbehalt jährlich übersteigen (das heißt zahlen) und keine Wahl haben irgendetwas zu sparen, ist der jährliche Versicherungsbeitrag inclusive Selbstbehalt die relevante Größe. Das stellt den jährlich zu zahlenden Betrag dar. 

Mein Jahresbeitrag inclusive Selbstbehalt
Der eigentliche Anreiz weniger zum Arzt zu gehen oder weniger Leistungen zu beanspruchen läuft damit ins Leere - sobald der Selbstbehalt überschritten wird, nimmt man alles mit was es gibt.

Man könnte natürlich sagen "Dann nimm doch einen Tarif ohne Selbstbehalt". Doch um einen Selbstbehalt von 1000€ jährlich abzuwählen, erhöht sich der Tarif um ca. 1200-1500€ jährlich. Man zahlt also noch mehr als zuvor. Doch der Tarif wird steuerlich gefördert, eventuell spart man also ein paar Euro Steuern und stellt sich tatsächlich besser. Am besten man nimmt seinen Steuerberater mit zu seinem Versicherungsberater um das zu beurteilen.

Der Selbstbehalt führt zu so merkwürdigen Verhalten das man sich zum Beispiel in dem Jahr mit einer kleinen Zahn- Operation auch noch eine neue Brille "gönnt" oder sich mal beim Orthopäden durchchecken läßt. In einem Jahr "verkneift" man es sich zum Arzt zu gehen, im anderen Jahr geht man dann "zu allen Ärzten die es gibt". Das ist nicht gut für die Gesundheit aber die Krankenkassen setzen finanzielle Anreize, sich so zu verhalten. Was nutzt eine Vorsorgeuntersuchung im Leistungskatalog, wenn die so preiswert ist, das man sie selbst zahlen müßte, weil sie noch innerhalb des Selbstbehaltes liegt ?
Wer bei einem Restaurantbesuch mal eine Sekunde überlegt "kann ich mir das diesen Monat leisten", der wird auch beim Arztbesuch überlegen, "muss das sein", "läßt sich das verschieben", "frag ich erstmal jemand anderen, der so was ähnliches hatte", denn bei jedem Arztbesuch zahlt man 50€ privat - ohne Aussicht auf Erstattung, wenn diese kleinen Beträge den Selbstbehalt nicht überschreiten.

Die Beitragsrückerstattung, die manche Versicherungen bei Nichtinanspruchnahme von Leistungen anbieten, wirkt genauso wie der Selbstbehalt. Man verzichtet auf eine Auszahlung, sobald man Leistungen in Anspruch nimmt. Sie hat jedoch den Vorteil der steuerlichen Abzugsfähigkeit.
Ein vereinbarter Selbstbehalt ist "Privatvergnügen" und wird steuerlich nicht weiter gefördert, es sei denn es wird zu einer außergewöhnlichen Belastung. Bei Singles sind das 6% vom Einkommen. 300 Euro Selbstbehalt kann nur jemand mit weniger als 5000€ Jahreseinkommen als Belastung geltend machen, praktisch also niemand. Dagegen wird eine nicht in Anspruch genommene Rückerstattung in vollem Umfang als Versicherungsbeitrag anerkannt.

Leistungen

Die Einheitlichkeit von Leistungen bei der PKV war anscheinend in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich und bestimmen heute vielfach noch das Denken und Argumentieren in der öffentlichen Meinung. Diese Zeiten sind jedoch lange vorbei.

Man kann sich nicht einfach darauf verlassen, dass eine Leistung bezahlt wird.
Bei der Einweisung in ein Krankenhaus stellt sich die Frage ob 1-, 2- oder Mehrbettzimmer, was zahlt die Kasse, was ist man bereit selbst zuzuzahlen. Soll der Chefarzt vorbeikommen oder nicht. Besonders komplexe Zahnbehandlungen, Brücken, Implantate, darf das der Zahnarzt einfach so anfertigen, wenn er einen Privatversicherten vor sich hat ? Zahlt die Kasse jede Leistung ? Wieviel Selbstbehalt gibt es bei zahnärztlichen Leistungen, wieviel bei ambulanten, wieviel bei stationären Leistungen. Ein Versicherungsvertrag besteht aus einer Unmenge von Zahlen und detaillierten Regelungen, die der Arzt überhaupt nicht, und der Versicherte zumindest nicht aus dem Kopf wissen kann.

Jeder Telefonanbieter holt sich bei Abschluss eines Vertrages eine Schufa-Auskunft ein. Bei Ärzten gilt das PKV-Kärtchen bislang noch als genug Beweis für ein hohes Einkommen. Gerechtfertigt ist dieses Vertrauen jedoch nicht immer. Schliesslich kommt es immer häufiger vor, dass der Arzt dem Patienten eine 10.000€ Rechnung präsentiert, von der die Kasse vielleicht nur 6.000€ bezahlt, vielleicht auch gar nichts, und schon hat der Patient einen großen Berg an Schulden, auf die er gar nicht gefasst war.

Die Krankenkasse handelt sicherlich vertragsgemäß. Nur der Versicherte hat seine 30 Seiten Versicherungsbedingungen nicht im Kopf und kann beim Arzt nicht entscheiden, welche Art der Behandlung denn versichert ist und welche nicht. Für gesetzliche Krankenkassen können die Ärzte Auskunft geben, was bezahlt wird und was nicht, bei privaten Krankenkassen unterscheidet sich das von Tarif zu Tarif und die Arbeit der Erkundigung nach den individuellen Leistungen bleibt beim Patienten hängen.

Der zusätzliche Verwaltungsaufwand, dem Arzt die Rechnung zu bezahlen, bei der Krankenkasse die Rechnung einzureichen, auf Rückerstattung zu warten, und eventuelle Abzüge der Erstattung mit der Krankenkasse zu diskutieren, sollte nicht vernachlässigt werden. Dagegen haben gesetzlich Versicherte ein "leichtes Leben", die sich nach Verlassen der Praxis praktisch um nichts weiter kümmern müssen.

Auch die privaten Krankenkassen schreiben Ihren Versicherten Briefe, in denen um Sparsamkeit gebeten wird, das man in der Apotheke doch bitte nach Derivaten fragen sollte um die Beiträge stabil zu halten. Ich habe mich daran gehalten, aber wahrscheinlich als Einziger, denn die Beiträge sind trotzdem gestiegen.

Bei der Verwaltung sparen die Krankenkassen jedoch nicht. Internet und E-Mail sind weitgehend unbekannt. Sämtliche Vorgänge werden auf Papier und per Brief abgewickelt.

Arzthonorare

Da in diversen TV-Serien die Zahnärzte immer im Ferrari am Golfplatz vorfahren, möchte ich mal zeigen, was so ein Arzt verdient, wer noch nie eine Rechnung gesehen hat, hat davon keine Vorstellung: Eine "Durchsicht" beim Zahnarzt, 15min, in denen 1 Arzt, 1 Assistentin und 1 Empfangskraft bezahlt werden müssen, dazu Praxismiete und Abschreibungen für die Behandlungseinrichtung finanzieren muss, kostet so etwa 40-60€.  Wenn dem Arzt selbst als Honorar davon 15€ bleiben, ist das viel, das ergibt ca. 60€/Stunde und liegt ein wenig über dem Preis eines Handwerkers, was mir für einen Akademiker angemessen erscheint.

Das Röntgen eines Zahnes kostet 6,50€, ein Ultraschall beim Radiologen 32€, ein EKG beim Hausarzt 26,50€. Das sind alles durchaus überschaubare Summen.

Man sollte diese Zahlen kennen bevor man eine PKV abschließt. Leider ist das selten der Fall.
Normalerweise wechseln gesetzlich Versicherter in die PKV, die nie zuvor eine Arztrechnung gesehen haben, und die Kosten, die auf sie zukommen, gar nicht einschätzen können. Damit können sie nicht beurteilen, wie wahrscheinlich es denn ist, einen Selbstbehalt von 750€ überhaupt jemals zu überschreiten.


Altersvorsorge

Es gibt Modelle heute mehr zu zahlen, um im Alter weniger zu zahlen. Das wird sogar steuerlich gefördert, doch einerseits muss man es sich ersteinmal leisten könnnen, mehr zu zahlen, und andererseits binden einen solche Rücklagen noch stärker an die Krankenkasse, da es keine andere Auszahlungsmöglichkeit gibt, als Beitragsreduktionen.
Selbst für sich Altersrückstellungen zu bilden, z.Bsp. einen Aktienfond zu kaufen, scheint sinnvoller, transparenter und wahrscheinlicher auch ertragreicher. Doch da damit die Zweckgebundenheit der Gesundheitsvorsorge verlorengeht, entfällt auch die steuerliche Förderung.
Es bleibt noch die Möglichkeit eine Basis-Rente abzuschliessen, eine sogenannte Rürup-Rente, bei der man in einen Aktien-Fond einzahlen kann. Damit verlagert man wenigstens die Besteuerung von heute in die Zukunft und kann so die hohen Beiträge zur PKV im Seniorenalter von den Auszahlungen aus dieser Rente wieder absetzen, so dass man wahrscheinlich genauso steuerfrei bleibt, aber höhere Flexibilität hat.

Wie man sieht, die Überlegungen eine private Krankenversicherung abzuschliessen sind äußerst komplex, man braucht nicht nur einen Versicherungsvertreter oder Berater für die Krankenversicherung, der hilft die vielen verschiedenen Vertragsoptionen zu verstehen, sondern auch noch einen Steuer- und Finanzberater der einen bezüglich der bestmögliche Ausnutzung der steuerlichen Förderungen berät.

Seine finanzielle Situation zu planen ist mit einer privaten Krankenversicherung unmöglich.


Fazit

Eine Versicherung soll den Versicherten von Risiken entlasten.
Aus heutiger Sicht ersetzt die Krankenkasse jedoch nur das Risiko die Ärzte nicht bezahlen zu können, durch das Risiko die Krankenkasse nicht bezahlen zu können.

Durch die Reform von 2010 wurde zwar dafür gesorgt, das durch die Einführung des Basistarifs, jeder einen Vertrag bekommen kann, die Krankenkasse darf niemanden mehr aus gesundheitlichen Gründen ablehnen. Doch sie hat nicht dafür gesorgt, das man sich den Tarif auch leisten kann. Die Einkommensabhängigkeit, man zahlt nie mehr als man auch wirklich Einkommen hat, ist ein deutlicher Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung. Für Selbständige sind jedoch einkommensabhängige Tarife weder in der PKV noch in der GKV vorhanden.

Wer noch nicht genug vom Lesen hat, findet hier vielleicht noch ein paar mehr Argumente.

Montag, 2. September 2013

Risikomanagement statt Gewinnmaximierung

Die kleine Revolution, die Risikomanagement in den letzten 20 Jahren ausgelöst hat, geht an der Öffentlichkeit und sogar an vielen Fachleuten, weitgehend vorbei. Der alte Grundsatz der Profitmaximierung in Unternehmen gilt nicht mehr.

Es ist heute nur noch eine Maximierung unter Nebenbedingungen, bzw. ein Optimierungsproblem. Bei der Gewinnmaximierung geht es immer um Gewinnplanung und Gewinnprognose und Prognosen sind immer unsicher, unsicherer als der Wetterbericht, denn die Datenbasis ist dünner und die Einflussfaktoren und Wechselwirkungen weniger genau bekannt.
Man kann zwar leicht die „höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung“ angeben, doch die "höchste Temperatur in den kommenden 10 Jahren" zu bestimmen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wirtschaftsforschung und Risikomanagement übernehmen die Rolle, die die Klimaforscher für das Wetter übernehmen. Es läuft auf Antworten der Art „Mit 10% Wahrscheinlichkeit wird es mindestens 28 Grad warm“ oder „Mit 50% Wahrscheinlichkeit wird es mindestens 27 Grad warm“ hinaus.
Mit dem Unternehmensgewinn verhält es sich ähnlich. So eine Zahl mit Wahrscheinlichkeiten lässt sich nicht maximieren. Die neue Herausforderungen lautet: „Wie finde ich den höchsten Gewinn bei kleinstmöglichem Risiko“, oder auch mit höchstmöglicher Genauigkeit und Treffsicherheit.



Die Ziele sind konfliktär, je kleiner das eine, desto größer das andere. Gibt es für dieses Problem ein Optimum oder ist das eine freie Entscheidung des Unternehmers? Wie viel Geld möchte ich investieren, wenn das Risiko des Totalverlustes bei 3% liegt? Gibt es Möglichkeiten sich gegen Risiken abzusichern, sich zu versichern, ist es überhaupt sinnvoll sich zu versichern?

Versicherungen sind ein Wesentliches Mittel geworden um Risiken zu vermeiden oder die Folgen erträglicher zu machen. Sie dienen jedoch auch manchmal dazu Risiken zu verschleiern und zu verstecken.
Wenn sich jemand in der Einschätzung des Risikos irrt, kann eine Versicherung oder jede andere Form der Absicherung nicht mehr funktionieren und wir landen unter Umständen in so etwas, wie der, auf dem falsch beurteilten Sub-Prime-Immobilien-Markt basierenden, Finanzkrise von 2008.
Ohne das Know-How Risiken einzuschätzen, sie zu bewerten, kann man keine geeigneten Gegenmaßnahmen vornehmen, die Prognosemodelle werden ungenauer und Gewinnprognosen, in die man kein Vertrauen haben kann, sind nicht maximierbar.

Ich habe für diesen Themenbereich eine öffentliche Community gegründet, falls jemand eigene Fragen, Themen und Meinungen in diesem Bereich hat, explizit auch Nicht-Wirtschaftswissenschaftler, wie Ingenieure, Mathematiker, Informatiker, Philosophen, Ethiker hoffe ich auf interdisziplinären Austausch.

Mittwoch, 28. August 2013

Private Krankenversicherung für alle

Wäre das nicht schön? Könnte man sich das leisten? Welche Vorteile, welche Nachteile gibt es?

Mit der Gesundheit verhält es sich etwas anders als mit einem Haus oder einem Auto. Man kann seinen Körper nicht einfach verkaufen oder gegen ein neues Modell austauschen, wenn etwas kaputt geht. Man ist auf fortwährende Reparaturen angewiesen. Man kann auch nicht auf den Körper verzichten, er begleitet einen bis zum Tod.  Wie gut funktionieren die marktwirtschaftlichen Regeln und Anreize bei der privaten Gesundheitsabsicherung?

Wer darf sich heute privat versichern?
  •          Angestellte mit mehr als ca. 4000€ Brutto zum halben Tarif
  •          Beamte zum halben Tarif
  •          Selbständige zum vollen Tarif

Neben des  scheinbare Vorteils Einkommensunabhängigkeit für die ersten beiden Gruppen -das Einkommen kann steigen, der Versicherungsbeitrag tut es nicht - wird der Nachteil für die Dritte Gruppe oft vernachlässigt. Auch selbständige Würstchenverkäufer,  Putzfrauen, Altenpfleger und andere Nicht-Akademische „kleine Selbständige“ ohne, oder mit wenigen Angestellten, mit einem Monatseinkommen von vielleicht 2000€, versichern sich bevorzugt privat, weil die private Krankenkasse gerade für Menschen unter 40, als die gesetzliche freiwillige Versicherung. Es ist nicht der Wunsch nach Luxusversorgung, der die Selbständigen in die privaten Krankenkassen treibt, es ist schlicht billiger, bis hin zur Möglichkeit eines großen Selbstbehaltes, wie man das von der Teilkasko-Versicherung kennt. Man versichert den Herzinfarkt, aber nicht den Schnupfen.

In der gesetzlichen Krankenkasse würde dieser Personenkreis immer so behandelt, als hätte er ein Einkommen in Höhe der Privatversicherungsgrenze von ca. 4000€. Der Beitragssatz beträgt 15,5%, das ergibt einen Versicherungsbeitrag von 620 Euro monatlich. Wer kann da widerstehen und eine private Krankenversicherung mit 200-300€ Monatsbeitrag ausschlagen?

Die Unterschiede zwischen privater und gesetzlicher Krankenkasse liegen in Einkommensabhängigkeit und Risikoneutralität. Alle Differenzen in  Leistungsangebot und Effizienz möchte ich einmal außen vor lassen. Dass ein Privatpatient leichter an Termine kommt, mag stimmen, das er zu seinem Zahnersatz oder Brillen nichts zuzahlen muss, ist heute schon mehr und mehr die Ausnahme, aber ein häufig  kolportiertes Gerücht. Zusatzleistungen für Zusatzprämien gibt es schon heute für jedermann.

Einkommensabhängigkeit scheint in jungen Jahren ein Nachteil zu sein, man könnte etwas einsparen, die Privaten können günstigere Tarife anbieten. Man läuft jedoch in die Gefahr sinkender Einkommen oder stark steigender Versicherungsprämien. Wenn der Krankenkassenbeitrag 120% des Einkommens beträgt, ist Einkommensabhängigkeit ein eindeutiger Vorteil, und die 15% für die gesetzliche Krankenkasse fast „Peanuts“. Rentner mit 1000€ Krankenkassenbeitrag und 800 € Einkommen sind gar nicht so selten. Meist geringverdienende Selbständige, die schlecht fürs Alter vorgesorgt haben. Die müssen dann Lösungen finden, meist auf Leistungen verzichten, Tarife wechseln, manche auch komplett kündigen. Das Recht auf Versicherung wurde vor ein paar Jahren eingeführt, niemand darf wegen Vorerkrankungen abgelehnt werden, aber eine Pflicht zur Bezahlbarkeit von Versicherungen gibt es nicht.  Diese Verpflichtung gehen nur die gesetzlichen Krankenkassen ein, indem Sie bereit sind nie mehr als ca. 15% des Einkommens des Versicherten zu verlangen.

Risikoneutralität bedeutet: Der Tarif steigt nicht mit dem Risiko. Man kann älter werden, ohne dass der Tarif steigt, man kann kränker werden und trotzdem noch die Krankenkasse wechseln ohne hohe Risikoaufschläge erwarten zu müssen. Die private Versicherungswirtschaft versucht immer Personen gleicher Risikoklassen zusammenzufassen, wer höhere Risiken hat muss mehr bezahlen. Teurere Häuser sind teurer zu versichern als preiswerte Häuser und wer näher am Wasser baut, muss mehr Prämie zahlen, als jemand auf dem trockenen flachen Land. Im Gesundheitswesen gibt es keine „teuren Häuser“, alle Menschen sind gleich viel Wert, der Versicherungsgegenstand ist immer der Gleiche. Unterschiede ergeben sich jedoch im Laufe der Jahre in den Risiken, da zwickt es hier und dann ist etwas mit dem Blutdruck oder den Zähnen, von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl der „Schäden“. In der KFZ-Versicherung würde man sagen „Man verliert Schadenfreiheitsklassen“ – es wird teurer und teurer. Die Folgen zeigen sich gerade bei Flutkatastrophen immer wieder. Es gibt nicht versicherbare Häuser oder extrem hohe Prämien für Häuser am Wasser. Mit einer risikoneutralen Prämie würden alle Hausbesitzer pflichtweise gegen Flut versichert, und schon ist es auf Grund der großen Masse an Versicherten, für alle wieder bezahlbar. Wir können auf Spendenmarathons und Benefiz-Konzerte verzichten. Beim Risiko Flut geht die Diskussion gerade in die entgegengesetzte Richtung, hin zur Vergemeinschaftung von Risiken. Wollen wir das bei der Gesundheit umkehren, und ältere und kränkere Leute mehr zahlen lassen, genauso wie wir heute Flussanrheiner mehr zahlen lassen?

Ich bin durchaus ein Freund von freier liberaler (privater) Marktwirtschaft, doch Marktwirtschaft beruht auf Anreizsystemen, Egoismus und Selbsterhaltungstrieb. Mit wachsendem Verstand sind die Menschen aber in der Lage auch die Vorteile von Altruismus, Solidarität und Humanität zu erkennen, für die die Marktwirtschaft keine direkten Umsetzungsmöglichkeiten hat. An diesen Stellen muss der Staat ein Regelwerk schaffen, das Solidarität belohnt. In Deutschland ist dieses System der sozialen, nicht der freien Marktwirtschaft, ein Ziel mit Verfassungsrang. (Art. 20 GG)

Von so einer Idee wie „freier Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung“ muss ich dringend abraten. Diese Entscheidung betrifft das ganze Leben und damit einen Horizont von 50-60 Jahren.  Der mündige denkende Bürger in allen Ehren, aber die Anzahl der Menschen die diesen Horizont und die Konsequenzen Ihrer Entscheidungen nicht überblicken ist zu hoch, da muss der Mensch vor sich selbst geschützt werden, vor der Gier nach Ersparnis im Alter von 25, mit der Gefahr der Unbezahlbarkeit im Alter von 70.


(Ein Beitrag zum Vorschlag von Gesundheitsminister Daniel Bahr vom 27.08.2013, die Privatversicherung für alle zu öffnen.)

Donnerstag, 8. August 2013

Wie Versicherungen funktionieren

Die Meinung zu Versicherungen ist häufig sehr negativ.  Die Prämien sind zu hoch, wenn ein Schaden eintritt wird nicht gezahlt, wer eine Versicherung braucht bekommt kein Geld, und falls er es doch bekommt, wird er danach gekündigt. Es gibt viele falsche Interpretationen des Verhaltens von Versicherungen. Wie sind Versicherungen ursprünglich entstanden?

Die Rechtsform
Mehrere Hauseigentümer verabreden sich, gemeinsam in einen Topf einzuzahlen, aus dem sich Brandopfer bei Bedarf bedienen dürfen.  Den Topf nennen wir Versicherung, die Hauseigentümer sind die Versicherungsgemeinschaft. Anfangs gab es nur Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, nicht viel mehr als eine Lottotipgemeinschaft oder ein Kegelklub. Wenn der Topf und die Teilnehmerzahl wächst, wird die Betreuung ein Vollzeit-Job, ein Wirtschaftsbetrieb, und aus dem Verein wir ein eigenständiges Unternehmen und die Vereinsmitglieder zu Kunden.  Ein Verein der in ein Unternehmen umgewandelt wird hat viele Mitglieder, dafür eignet sich eine Aktiengesellschaft am besten. Jedes Vereinsmitglied bekommt ein paar Aktien. Aktien sind frei handelbar, Die Versicherungsmitglieder/Aktionäre können die Aktien verkaufen, und schon „besitzt“ jemand die Versicherung, der nicht gleichzeitig versichert ist. So kam es im Laufe der Zeit dazu, das Besitz an der Versicherung und Besitz eines Versicherungsvertrages voneinander getrennt wurden. Wer heute bei der Allianz einen  Versicherungsvertrag abschließt könnte sich auch Allianz Aktien kaufen, muss es aber nicht. Doch je besser es den Kunden geht, desto schlechter geht es der Versicherung.  Wer als Kunde einen Milliardenschaden versichert, bekommt im Schadensfall zwar vielleicht Geld, sorgt aber dadurch dafür, daß der Aktienkurs oder die Dividende fällt. Wenn man  gleichzeitig auf beiden Seiten steht gehört man immer zu den Gewinnern, egal ob der Schaden eintritt, oder nicht.

Das Grundprinzip
100 Leute zahlen in eine Versicherung pro Jahr 1% Ihres Hauswertes ein. Einem brennt das Haus ab. Er kann  die gesamten 100*1% bekommen und sein Haus wieder aufbauen.  Versicherung ist zunächst einmal ein Zusammenschluss von Menschen mit Risiken.
Voraussetzung dafür ist: Alle Häuser sind gleich teuer und die Brandgefahr ist in allen Häusern gleich hoch! Außerdem nimmt man an, es gibt nur einen Brand pro Jahr, oder allgemeiner: nicht mehr als 100 Brände in 100 Jahren.
100 Standardhäuser, eins in Brand

  • Jedes Haus kostet 100.000 €.
  •  Jeder Hausbesitzer zahlt 1% seines Hauswertes pro Jahr als Versicherung = 100 Häuser * 1.000€ = 100.000 €.
  •  Einmal im Jahr brennt ein Haus ab, der Geschädigte kann 100.000€ erhalten.
  • Wem ein Tornado das  Haus zerstört, der bekommt nichts, man hat nur Brandschäden kalkuliert.

Teurere Häuser kosten mehr Prämie.
Wer sein Haus 4mal so groß oder 4mal so teuer baut, zahlt 4 mal mehr Prämie.
Doch im Falle eines Brandes steht trotzdem nur 1 mal der gesamte Topf zur Verfügung, nur 100%, das mehr als ein „kleines“ Haus pro Jahr abbrennt ist nicht geplant. Mehr als 100.000€ pro Jahr sind nicht da. Die Lösung ist eine mehrjährige Betrachtung.  Wenn jedes Haus einmal in 100 Jahren abbrent, und ein Haus an die Stelle von 4 „kleinen“ Häusern tritt, dann gibt es nur noch 97 Häuser.
97 Häuser, 1 Brand pro Haus in 100 Jahren, heißt 3 Jahre ohne Brand! Wer das 4fache einzahlt, kann also auch das 4 Fache herausbekommen.  Er bekommt die Einzahlungen von den Jahren ohne Brand, und des Jahres in dem sein Haus brennt, also 4 * 100.000€.
96 Standardhäuser, Ein 4mal so teures Haus

  •         96 Häuser kosten je 100.000 €. 1 Haus kostet 400.000 €
  •         Jeder Hausbesitzer zahlt 1% seines Hauswertes pro Jahr als Versicherung  96*1.000€+1*4.000€ = 100.000 €
  •         In 100 Jahren kann jedes Haus 1mal brennen. Die „Kleinen“ bekommen 100.000 € ausgezahlt, der „Große“ 400.000€. Es sollte 3 Jahre ganz ohne Brand geben.

Damit das funktioniert muss die Versicherung aber Ansparen, Geld anlegen, vielleicht sich auch Geld leihen. Sie ist sich sicher, sie geht davon aus, daß die 3 Jahre ohne Brand kommen werden. Aber das erst die 3 Jahre ohne Brand, und dann das Jahr mit Brand kommen, wäre „zu schön um wahr zu sein“.
Auf 100-Jahressicht kalkuliert geht die Rechnung für die Versicherung auf. Aber ein Geschädigter will nach einem Brand nicht 4 Jahre warten bis er eine Auszahlung bekommt. Im Ernstfall muss die Versicherung in Vorleistung gehen. Bei Vertragsabschluss muss Sie deshalb glaubhaft machen, dass sie das kann, dass sie genug Geld hat.
Daher kommt das „protzige“ in der Versicherungsbranche. zeigen was man hat, zeigen das man liquide ist, zeigen das man groß, stark und erfolgreich ist, ist Geschäftszweck und Aushängeschild.
Das Protzige stößt den Kunden manchmal ab, aber gleichzeitig erwartet er es unterschwellig.
Eine Bank braucht auch Vertrauen, doch die haben es einfacher, die müssen nur Versprechen das sie das eingezahlte Geld wieder herausrücken. Es ist für eine Bank nicht sonderlich wichtig viele Kunden zu haben. Sie kämen auch mit einem Kunden aus. Bei einer Versicherung ist das unmöglich. Banken können deswegen etwas dezenter arbeiten.
(Das war der große Konflikt beim Versuch der Verschmelzung von Allianz und Dresdner Bank.)

Höhere Gefahren kosten mehr Prämie.
Wer leicht brennbare Materialen verwendet, läuft eher Gefahr, dass sein Haus abbrennt.
Mit doppelt so hoher Brandgefahr, muss man auch doppelt so viel einzahlen, wenn man das gleiche herausbekommen will.
Ein Haus das doppelt so leicht brennt, kostet die gleiche Versicherungsprämie wie ein Haus das doppelt so teuer ist.  Die Versicherungssumme ( der Wert das Hauses) steigt mit der Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos. Der Besitzer eines Holzhauses muss also in etwa „2 Anteile“  kaufen, wenn er 2% Eintrittswahrscheinlichkeit hat.
        
96 Standard-Häuser, 2 Holzhäuser mit doppelter Brandgefahr

  • Alle Häuser kosten 100.000€
  • Die 96 Standard-Häuser zahlen je 1% pro Jahr ein, 96*1.000€ = 96.000€
  • Die 2 Holzhäuser zahlen 2% pro Jahr ein, 2*2.000€ = 4.000 €.
  • Ergibt wieder einen Versicherungstopf von 100.000€.
  • Im Falle eines Brandes bekommen alle nur 100.000€ heraus, aber es ist berücksichtigt, das ein Holzhaus öfter/leichter brennt, als ein Steinhaus, es darf 2mal in 100 Jahren brennen.

(Wir haben hier die Annahme alle Häuser seien gleich teuer, in der Praxis sind leicht brennbare Häuser meist billiger, so dass die Versicherungssumme sich verringert).

Die Kalkulation
Als Grundformel für die Berechnung einer Versicherungsprämie gilt:

Versicherungsprämie = Versicherungssumme * Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadens.

Aber dann kommen noch Kosten für die Verwaltung hinzu, für  denjenigen der diese Formel durchrechnet, das Büro, die Putzfrau, als größter Punkt natürlich die Fremdkapitalzinsen, falls sich die Versicherung Geld leihen muss, und der gesamte Vertrieb. Eine Versicherung lebt davon viele Kunden zu haben, und es im Interesse der Kunden das sich eine Versicherung stets um neue Kunden bemüht. Wenn von den oben genannten 100 Hausbesitzern 5 kündigen, geht die Rechnung nicht mehr auf. Besser man hat immer wieder neue Kunden, je mehr je besser. Stellen wir uns einen zweites „Panel“ von 100 Hauseigentümern vor. Dann ist es für die Versicherung eher zu verkraften, wenn es im ersten Panel vielleicht doch 110 Brände gibt, 10% mehr als kalkuliert. Vielleicht gibt es im zweiten Panel nur 80 Brände in 100 Jahren und alles ist wieder gut.

Wohin verschwindet das Risiko?
Als Risiko bezeichnet man die Angst vor dem Unbekannten.  „Es könnte sein das mein Haus abbrennt“. Über eine größere Gruppe von Häusern kann man sagen „es ist ziemlich sicher, das mal ein Haus abbrennt“ – wir wissen nur nicht welches.
Das Risiko des Brandes wird durch die Versicherung nicht minimiert, aus dem Risiko des Brandes wird die sichere Erkenntnis, dass es Brennen wird und mit Sicherheit gehen Menschen viel lieber um, als mit Unsicherheit.
Das Risiko wird „vergemeinschaftet“  oder „gestreut“. Das Risiko ist nicht weg, aber man zahlt ein klein wenig, auch wenn gar nichts passiert ist. Ein kleiner kalkulierbarer Schaden (das Zahlen der Prämie) ist leichter zu verkraften als ein großer Schaden.
Versicherung ist wie ein Sparvertrag, Man zahlt 100 Jahre ein, und bekommt das was man eingezahlt wurde zurück. Mehr macht Versicherung nicht. Der Unterschied besteht darin, dass man auch schon vor Ablauf der 100 Jahre eine Auszahlung bekommen kann, wenn es nötig wird, und im Gegenzug keinen Anspruch auf eine Auszahlung hat, wenn man es nicht nötig hat – wenn der Schaden nicht eintritt.

Wenn es ernst wird, gibt’s sowieso nichts.
Zu viel, zu leichtfertig auszahlen darf eine Versicherung nicht, denn dann würde die Prämie für alle Versicherten steigen. Mehr Auszahlung heißt immer auch mehr Einzahlung.  Deswegen argumentieren Versicherungen, die eine Schadensregulierung ablehnen immer „Im Interesse Ihrer Kunden“, und sie meinen damit nicht den konkreten einzelnen Kunden der vor Ihnen steht, sondern die Kunden in Ihrer Gesamtheit. Sie haben lieber 99,9% Kunden die sich über niedrige Prämien freuen, oder tun sich leichter neue Kunden mit niedrigen Prämien zu werben, und akzeptieren dafür das 0,1% der Kunden unzufrieden sind.
Das ist wie beim Türsteher einer Diskothek, damit die die drin sind sich wohl fühlen, muss an der Tür einer stehen der störende Elemente vom Eintritt abhält, oder falls Sie schon drin sind, wieder entfernt.

Katastrophen
Was ist wenn wirklich ein ganzer Straßenzug abbrennt und alle den gleichen Versicherer hätten? Dafür gibt es Rückversicherer, Versicherungen für Versicherungen, das Risiko wird gemischt mit Versicherern in China und den USA, und solange es nicht überall gleichzeitig brennt, funktioniert das. So hat die Allianz, durch Übernahme der Staatlichen Versicherung der DDR Marktführer in den neuen Bundesländern, von den Flutschäden 2013 keinen allzu großen Schaden davon getragen. Sie war dagegen (rück-)versichert.

Spekulation und Gewinn
Die Schätzung der Wahrscheinlichkeit, wie leicht ein Haus abbrennt und wie hoch dann der Schaden sein wird ist essentiell für die korrekte Berechnung der Prämie. Wenn der Versicherer merkt, dass er sich geirrt hat, müssen die Prämien steigen, sie können auch mal sinken, und wenn die Versicherung ein Risiko für unkalkulierbar hält, sich nicht traut zu schätzen wie oft es schlimmstenfalls eintritt, dann wird auch mal ein Versicherungsvertrag abgelehnt oder gekündigt.
Es hängt viel von Annahmen ab, von Schätzungen, Prognosen, Spekulationen. Wie leicht brennt etwas, wie oft, wie ist das Klima, der Leichtsinn des Nutzers. Tausende solcher Annahmen müssen getroffen werden um eine Prämie zu berechnen. Mit vielen historischen Zahlen kann man das inzwischen ganz gut.
Wie hoch Schäden an einem VW Golf im Mittel sind, weiß die Versicherungswirtschaft, das ein Beamter angeblich weniger Unfälle hat, als ein Angestellter glaubt sie auch zu wissen. Aus diesen Einschätzungen von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe werden die Versicherungsprämien berechnet.

Die Hauptrolle spielt nicht wirklich das Risiko, das ist und bleibt unberechenbar, sondern die Einschätzung des Risikos. Die Versicherungsprämie ändert sich an dem Tag, an dem man Kenntnis von der Gefahr erlangt. Bei Brand ist es leicht, man weiß von vornherein wie brennbar ein Haus ist.
Wenn erst einmal Krebs diagnostiziert wurde, ist eine neue Risikolebensversicherung sehr viel teurer, als vor der Diagnose. Das Krebsrisiko steigt sprunghaft von 0,5% auf 100%. Es wird als unfair betrachtet, so jemanden zu gleichen Konditionen in die Versichertengemeinschaft aufzunehmen, wie jemanden ohne Krebsdiagnose. Bei Krankheiten betrachten wir das als unmenschlich oder unethisch, aber aus Sicht der Versicherung ist das Verhalten richtig. Man kann auch kein brennendes Haus versichern, deswegen gibt es oft „Wartezeiten“, man könnte es auch „Mindestvertragslaufzeit“ nennen.  Man muss mindestens einen Jahresbeitrag eingezahlt haben, bevor man etwas herausbekommen kann.  Schäden die bei Aufnahme der Versicherung schon eingetreten waren werden durch die Versicherung nicht reguliert. Klingt logisch, heißt aber das eine private Krankenversicherung für einen neu aufgenommenen Krebskranken in den Vertrag schreibt, "wir regulieren alle Behandlungen, außer der Therapie der Krebserkrankung und darauf zurückzuführender Folgeerkrankungen".

Es liegt nahe das man sich bei diesen vielen Schätzungen einen „Sicherheitspuffer“ einbaut. Man verwendet nicht die durchschnittliche Brandgefahr, sondern eine leicht höhere, damit man „auf der sicheren Seite“ ist, damit man nicht gleich bankrottgeht, falls man sich irrt.
Je pessimistischer die Schätzung, desto höher ist natürlich die Versicherungsprämie für den Versicherten.  Eine Grenze nach oben bildet sich auf dem Markt, einerseits durch die Zahlungsbereitschaft des Kunden, ab welchem Betrag sagt er „mir ist die Prämie zu hoch, ich verzichte auf eine Versicherung“, und andererseits durch den Wettbewerb, wenn die Konkurrenz die Versicherung günstiger anbietet, kauft niemand mehr die Versicherung mit der hohen Prämie.
Es ist im Interesse der Versicherten, das eine Versicherung sich bemüht nicht bankrott zu gehen, auch wenn es natürlich gleichzeitig darauf hinausläuft, hohe Gewinne zu machen. Gewinne entstehen, wenn man zu pessimistisch geschätzt hat, wenn der Topf den man angehäuft hat nicht für Schäden hat aufwenden müssen. Andere Gewinne können aber auch einfach entstehen, indem das Geld in dem Topf angelegt und verzinst wird, solange bis der Schaden eintritt und das Geld gebraucht wird. Dabei werden vorrangig sichere Anlagen verwendet, Anlagen die jederzeit auszahlbar sind, man weiß nie wann man das Geld braucht, es kann morgen sein, es kann in 3 Jahren sein. Man darf nicht das Risiko eingehen kein Geld zu haben, deswegen sind Versicherungen die Hauptinvestoren in Staatsanleihen, Fest- und Termingelder.

Lotterie ? Wetten dass !

Versicherungen haben viel mit Lotterien gemeinsam, es gibt genau genommen keinen Unterschied. Man zahlt ein wenig Geld ein, und bekommt viel Geld heraus. Versichern Sie doch einfach das Haus Ihres Nachbarn, wenn es abbrennt bekommen Sie viel Geld, Ihr einziger Schaden ist der Preis des Lotterieloses, Ihre „Versicherungsprämie“ . Es ist eine Lotterie. Viele zahlen etwas ein, einer bekommt alles, oder relativ viel davon, heraus.