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Samstag, 10. August 2013

Kapitalismus ist Super – aber nichts ist perfekt - und Kommunismus ist schlimmer


Ich habe mal behauptet „Arbeiten lohnt sich – es schafft Einkommen“, und daraufhin die Frage erhalten wie ich Kapitaleinkommen einordne, Zitat:  „Kapitaleinkommen (Einkommen ohne Arbeit) und die Tatsache, dass letztere höher sind als die Einkommen aus Arbeit“. Eine Antwort in 3 Zeilen erscheint mir unmöglich.
Es sind immer Menschen die das Einkommen bekommen, für verschiedene Dinge die sie tun. Ob jemand ein Auto vermietet, oder ob er Geld vermietet, es ist das Gleiche. Er muss jemanden finden an den er es vermieten kann, Verträge schließen, die Rückgabe des Mietgegenstandes vereinbaren, ihn entgegennehmen, usw. Es ist unbestreitbar Zeitaufwand, Know-How-Einsatz usw. Mietzins, Kreditzins, es ist egal wie man es nennt.


Wenn jemand eine Kiste Äpfel für  5€ im Großhandel einkauft und Sie dann im Einzelhandel für 10€ wieder verkauft, dann ist das die gleiche Arbeit wie eine Aktie für 5€ zu kaufen, und für 10€ wieder zu verkaufen - das Kistenschleppen fällt vielleicht weg. Aber Man muss ein Produkt auswählen, 2 Märkte zwischen denen man es hin- und her transferiert, usw. Es ist beides Handel und es ist beides Spekulation. Handel ist immer Spekulation. Der Obsthändler spekuliert darauf, dass das was er für 5€ gekauft hat  für 10€ wieder verkaufen kann. Er hat dabei ziemlich wenig Risiko, das Preisgefüge ist stabil, er kann es am nächsten Tag wieder mit dem An- und Verkauf von Äpfeln versuchen. Wer mit Aktien handelt muss sich jeden Tag etwas Neues Aussuchen, was an einem Tag gut lief, läuft nicht unbedingt am nächsten Tag nochmal gut. Er muss obendrein noch Angst haben das die Aktien fallen. Er geht ein viel höheres Risiko ein. Risiko muss entlohnt werden. „Geld verdienen ohne Arbeit“ ist definitiv falsch.

Ich will das aber nicht so einseitig stehen lassen, ich verstehe schon womit man ein Problem haben könnte. Es sind die Größenordnungen.
Man hat mit der Verwaltung von 1000 € Vermögen genauso viel Arbeit, wie mit der Verwaltung von 1 Million €. Man kann für die gleiche Arbeit mit 10 € entlohnt werden, oder mit 10.000 €. Eine Wohnung zu besitzen und zu verwalten ist nicht viel weniger aufwändig, als 10 Wohnungen zu besitzen und zu verwalten. Der Hebel ist das Entscheidende dabei.

Karl Marx (ich kann auch ganz Links) hat in seinem Buch „Das Kapital“ (er hat sich ökonomisch mit dem Kapitalismus beschäftigt und nie etwas anderes im Sinn gehabt), ganz richtig erkannt, das der Besitz an den Produktionsmitteln der entscheidende Faktor ist.
Dazu gehört fast jede Art Besitz, aus dem man irgendwie Geld machen kann, ohne ihn zu verbrauchen. Die eigene Arbeitskraft, ist auch ein Besitz, man nennt es Humankapital, für „Kapitalisten“ ist es was Positives, etwas ein Kapital zu nennen, Moralisten verbitten sich Menschen mit Kapital zu vergleichen, schon dort fangen die Missverständnisse an.
Das große Problem mit dem Humankapital: Es ist nicht vermehrbar und nicht akkumulierbar, Jeder besitzt genau „1 Einheit“. Arme Bauernfamilien haben es mit vielen Kindern versucht zu vermehren, heute ist Kinderarbeit verboten, das geht nicht mehr. Die oben genannte Hebelwirkung kann man mit der Arbeitskraft nicht erreichen. Weitere Produktionsmittel:  Grundbesitz, Ackerland, Maschinen, Gebäude, Bodenschätze, und natürlich Geld. Es zählt nur das Geld zum Anlegen, nicht das Geld zum Ausgeben. Investition und Konsum sind verschiedene Dinge, auch wenn beide mit „Einkaufen“ zu tun haben.


Die Verteilung der Produktionsmittel, der Eigentumsverhältnisse, ist der Grund für die Not der Arbeiterklasse, wie Marx richtig feststellte. Das ist die Stelle die Ungerechtigkeiten erzeugt und an der man ansetzen muss, wenn man etwas verändern will. Große Vermögen sorgen dafür, das „leichtes Geld“ verdient wird, das wiederum in Vermögen verwandelt wird, und es exponentiell wachsen läßt. Wenn jemand exponentielles Wachstum nicht versteht: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen – und je größer der Haufen ist, desto schneller wächst er“. Oder auch „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ Matthäus 25,29. Ich bin Atheist, aber die Bibel enthält nicht nur Theologie, sondern war auch das erste Buch mit ganz viel Soziologie, Philosophie und sämtlichen Grundverhaltensweisen der Ökonomie. Es gab nur ein Buch und da hat man alles reingeschrieben, was man für wichtig hielt - auch wenn man später den Autor vergaß, und "glaubte" es war ein anderer.

Marx und Matthäus im gleichen Absatz mit der gleichen Aussage. Von einem atheistischen Kapitalisten – Was mache ich hier nur. Kapitalismuskritiker und Moralisten ansprechen hoffe ich.

Natürlich läßt sich Einkommen in Vermögen umwandeln, aber wenn man auf jemanden herabsieht der 10.000 € aus Zinseinnahmen hat, dann muss man zu den Ursachen der Einnahmen gehen, und das sind die 1 Million € Vermögen, die er wahrscheinlich besitzt. Statt mit Steuern Einkommen umverteilen zu wollen, muss man das Eigentum umverteilen, doch das läuft auf Enteignung hinaus, das ist ganz schwierig zu Lösen. Man versucht es ein wenig beim Eigentumsübergang, es gibt Grunderwerbsteuer, Grundsteuer, Vermögenssteuer „ruht" gerade, die Erbschaftssteuer hat die größte Masse, ist aber kritisch für Mittelständler. Wenn jemandem eine Aktiengesellschaft gehört, dann kann man leicht 30% des Wertes der Firma, 30% der Aktien veräußern, an irgendwen, tausende Leute. Aber wenn man einem eine Bäckerei gehört, wie soll man 30% als Steuer abführen ? Wer kauft einem 30% von einer Bäckerei ab. Da wird der Betrieb zu 100% verkauft, 30% Steuern abgeführt, mit den 70% irgendwas neues angefangen. Der neue Besitzer ist nicht eingearbeitet, kennt die Gewohnheiten der Kunden nicht, oder verkauft die Maschinen nach China und macht den Laden zu. Oder der Betrieb muss einen riesigen Kredit aufnehmen, der 30% seines eigenen Wertes entspricht, das bekommt man auch nur wenn man noch keinen Kredit hat. Es ist eine schwierige Sache diese Vermögensumverteilung zu regeln ohne negative Konsequenzen auszulösen.

Einkommensumverteilung per Einkommenssteuer wird in großem Stil praktiziert, dient aber nur als letztes Mittel für diejenigen die weder Vermögen haben (Arme), die keine Arbeitskraft haben (Behinderte, Kranke, Rentner, Kinder) oder die Ihre Arbeitskraft nicht in Einkommen umwandeln können (Arbeitslose, junge Mütter). Die Gelder haben verschiedene Namen, Harz-IV, Kindergeld, Erwerbsunfähigkeitsrente, Rente für Kindererziehungszeiten (Transferzahlungen, heißt es Allgemein), kommen aber alle mehr oder weniger direkt aus dem Steuertopf.

Gleiche Einkommen für Alle wären eine Katastrophe, da würde alles kollabieren. Niemand würde mehr eine Putzfrau einstellen, wenn er für 1 Stunde Staubsaugen das gleiche Geld bekommt, wie für 1 Stunde Herzoperation. Staubsaugen ist doch viel gefahrloser, warum soll man da das Risiko eingehen und jemanden am Herzen operieren – wenn man sowieso das gleiche verdient – such ich mir doch das bequemere aus. Warum soll ich denn 7 Jahre studieren ? Staubsaugen lerne ich in 10min. Ohne zu übertreiben – das wäre die Apokalypse.

Der große Vorteil des Kapitalismus, ich gehe auch so weit es den Grund für das Scheitern der DDR zu nennen, ist die Motivation. Warum sollte jemand besser arbeiten, wenn er dafür nicht besser bezahlt wird? Warum sollte jemand motiviert sein, etwas Tolles zu erfinden, wenn er nicht sicher sein kann dafür entlohnt zu werden?1000 Stunden für „umsonst“ arbeiten, zu Hause alleine im Kämmerchen, wie z.Bsp. Charles Goodyear – der mit den Reifen, oder Thomas Alva Edison – der mit Glühbirne und Telefon. Rein aus Selbstlosigkeit, aus Spaß am Erfinden ? Das gibt es, das nennt man dann Hobby, aber man muss doch von irgendwas Leben und die Erfindung in Geld umwandeln.
Man geht ein Risiko ein, Man investiert 1000Stunden Arbeitszeit, man hat die Chance damit 1Million  zu machen, das wäre ein guter Stundenlohn, aber gleichzeitig auch die „Chance“ gar nichts zu verdienen. Es ist ein Risiko, dieses Risiko muss entlohnt werden. Auf 9 Erfindungen die sich nicht vermarkten lassen, muss ein Knaller kommen, der alles wieder rausreißt.
Wenn man bevor man mit der Arbeit anfängt genau gesagt bekommt „arbeite mal 1000 Stunden, ich gebe Dir dafür 20.000€“, ganz ohne Risiko, hat man einen fairen Preis 20€/h, das ist OK.
Sobald jemand das Risiko eingeht, statt für 20€ evtl. nur für 10€/h zu arbeiten, muss man ihm auch die Chance geben 30€/h verdienen zu können. Und falls das Risiko beträgt 0€/h zu verdienen, muss die Chance bei € liegen. Es muss. Und da darf keiner kommen und sagen dass das ungerecht sei.
Zu Risiken, und wie man mit ihnen umgeht, hatte ich schon mal etwas Allgemeines geschrieben:Wie Versicherungen funktionieren

Es ist ein wenig wie in der Lotterie, es ist nur die Chance auf die Million die einen wöchentlich 10€ in Lose investieren läßt, sonst würde man es nicht tun. Viel Einkommen ist eine starke Motivation, es ist zwar vernunftsgesteuert aber beruht auf dem Selbsterhaltungstrieb, auf Biologie, auf unserer Evolution.  Vorräte anlegen, Jagen, Sammeln, Dinge horten. Neandertaler waren Kapitalisten.
In Notfällen ist der Mensch ein Egoist, er kann zum Kannibalen werden wenn es darauf ankommt, das ist deutlich stärker und liegt deutlich tiefer in uns drin als Sozialverhalten, Ethik, Moral, Solidarität und all diese hehren Ziele, und es ist vernünftig und effizient, diese innere starke Triebkraft, sei es auch mit Worten wie Gier, Habsucht, Selbstsucht belegt, auszunutzen und für etwas Gutes zu verwenden.


Es ist eine Utopie zu versuchen, man könne alle Menschen zur Selbstlosigkeit erziehen oder von Ihr überzeugen, und gleichzeitig zu Höchstleistungen motivieren, weil es doch "Zum Wohle der Menschheit" ist. Das ist Kommunismus. Eine wunderbare Idee, aber es wurde leider in einem 70jährigen Experiment festgestellt, das Medaillen zur Motivation nicht ausreichen, und man Ideologie weder mit Erziehung noch mit Gewalt in 100% aller Köpfe bekommt; denn die einzige gerechte Form der Selbstlosigkeit entsteht, wenn alle mitmachen, wenn jeder gibt und nimmt, sobald einer ausschert wird er zum Trittbrettfahrer, zum alleinigen Nutznießer. Darum war in der DDR Linientreue angesagt, und das Abweichen davon ein Verbrechen. Weil die Ursache von Ungleichheiten der Besitz an Produktionsmitteln war, wurden diese kurzerhand kollektiviert, heute sagt man „enteignet“.

Samstag, 29. Juni 2013

Erfundene Verluste: Was Flutschäden mit Schwarzfahrern gemeinsam haben

Häufig wird "entgangener Gewinn" als Schaden bezeichnet. Wenn man also einen Grund erfindet, warum man hätte mehr Gewinn machen können, dann kann man auch sagen man macht Verlust bei Wegfallen des Grundes. Über Verluste zu klagen ist viel beliebter als mit Gewinnen zu prahlen.

"Wenn in Dresden keine Flut gewesen wäre, hätte das Hotel 10% mehr Gäste". Die Zahl ist frei erfunden, vielleicht beruht sie auf Erfahrungen aus dem Vorjahr. Nun war Hochwasser. Es ist also ein Schaden durch Flut entstanden? Allerdings rein hypothetisch, es ist eine reine Vermutung das Gäste wegen der Flut nicht kommen. Vielleicht gab es auch ein Super-Sonderangebot für Berlin oder Hamburg das die Gäste weglockt, oder die jüngste Veröffentlichung der Kriminalitätsstatistik schreckt ab, oder die Wirtschaftskrise erlaubt den Gästen keinen Urlaub. Es kann sehr viele Gründe für ausbleibende Urlauber geben, es ist pure Ignoranz den erstbesten oder offensichtlichsten Grund als Alleinverursacher zu betrachten. Es ist aber bequem, einfach und klingt plausibel.

So kommt es das man einmal hört "Die Flut 2013 hat 2 Mrd. € verursacht", ein andermal sind es 10 Mrd €. Mal sind beschädigter Hausrat und Gebäude gemeint, mal sind entgangene Gewinne durch wegfallende Touristen, der sogenannte „volkswirtschaftliche Schaden“, indirekte Folgewirkungen, enthalten. Man kann nicht sagen die Zahlen seien falsch, aber sie haben keine Aussage wenn man nicht weiß, was sich dahinter verbirgt.

Mit dem betriebswirtschaftlichen Begriff des Verlusts haben beide "Schäden" jedoch nichts zu tun. In der Betriebswirtschaft gilt als Verlust, wenn man mehr Ausgaben als Einnahmen hat. Dafür braucht man keinen Schaden, dafür reicht auch Dummheit.  Ein Restaurant stellt mehr Personal ein als es braucht oder kauft sein Gemüse statt im Großhandel auf dem Wochenmarkt, und schon decken die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr und es entsteht Verlust. Behauptet wird aber dann leichtfertig: Es kommen zu wenig Gäste.
Statt 1000€ Gewinn nur 900€ Gewinn zu machen ist kein Verlust - Es ist weniger Gewinn; denn die Zahl 1000 ist nichts weiter als eine Erwartungshaltung und die Erwartung hängt davon ab ob der, der sie hat, ein Optimist oder ein Pessimist ist. Wer nur 800€  erwartet, freut sich über 900€, wer 1000€ erwartet behauptet er macht Verluste.  Die typische Frage ob ein Glas halbleer oder halbvoll ist.

Entgangene Gewinne werden von keiner Versicherung als Schaden anerkannt, sie sind nicht versicherbar.

Wieviel Schaden richten Schwarzfahrer an? Wie viele Schwarzfahrer gibt es? Ein paar werden erwischt, die Mehrheit sicherlich nicht.  Die Wirtschaftswoche behauptet zum Beispiel, es wären 2011 120 Millionen€ Schaden entstanden, und auch die Kosten der Kontrolleure sollte man doch besser noch Bedenken, vielleicht auch noch die Kosten des Fahrkartendrucks, denn wenn alle ehrlich wären könnte man sich doch Kontrollen, und damit Fahrkarten überhaupt, ersparen. Ein Amerikaner hat mich mal verwundert gefragt warum denn der Busfahrer kein Ticket sehen wolle und warum man einfach so in eine U-Bahn einsteigen kann ohne durch irgendein Drehkreuz gehen zu müssen.
Mit dem Verzicht auf solche Kontrolltechnik hat man ein gewisses Maß an Schwarzfahrern akzeptiert. 0% Schwarzfahrer empfinden wir als gerecht, aber 100% Kontrolle ist so aufwändig, das es billiger ist, 1% Schwarzfahrer zu akzeptieren. Die einfache Rechnung "weniger Schwarzfahrer = mehr Gewinne" ist naiv.

Doch warum es eigentlich geht, ist die Behauptung es sei ein Schaden von 120 Millionen € entstanden. Die Zahl wird einfach so in den Raum gestellt, ohne ein „ca.“, ein „ungefähr“ oder jegliche Relativierung.

Wie kommt man auf so eine Zahl ?
Manchmal zählt man nur die gestellten Schwarzfahrer, ,manchmal nimmt man die Zahl einfach Mal 4. Das nennt man dann "Schätzung der Dunkelziffer". Man könnte es auch "Freie Erfindung" nennen, aber das klingt weniger wissenschaftlich. Schätzen ist durchaus eine wissenschaftliche Methode, wenn es kein Messverfahren gibt, aber die Ergebnisse müssen dann deutlich als „geschätzt“ gekennzeichnet werden. Am deutlichsten würde das, wenn man die Zahlen als „im Bereich von .. bis .. „angeben würde.

Wie könnte man den Schaden durch Schwarzfahren berechnen ?
(Anzahl gestellte Schwarzfahrer + „geschätzte erfolgreiche Schwarzfahrer“) * Preis einer Einzelfahrt = Schaden
Das klingt plausibel ? Nur wenn man nicht über Alternativen nachdenkt. Es setzt voraus, das jeder Schwarzfahrer, statt ohne Fahrkarte zu fahren, eine Einzelfahrkarte kauft. Aber so etwas ist nicht realistisch.
  • ·      Vielfahrer kaufen sich vielleicht Wochen- oder Monatskarten, die sind günstiger als Einzelfahrten
  • ·      Kurze Wege geht man zu Fuß, oder man nimmt das Fahrrad
  • ·      Für lange Wege nimmt man das Auto
  • ·      Man kann auch einfach zu Hause bleiben, wenn einem die Fahrkarte zu teuer ist,

Hat man das bei der Schätzung des „Schadens durch Schwarzfahrer“ alles berücksichtigt? Das weiß man nicht, vielleicht ja, vielleicht nein. Da man solche Zahlen gerne aufbauscht damit sie ganz fürchterlich aussehen, verzichtet man wahrscheinlich darauf. "Verluste" sind doch eine gute Begründung für Fahrpreiserhöhungen, Entlassungen oder Forderungen nach Subventionen.

Es liegt nicht immer entgangener Gewinn, vor, denn die Alternative zu „Mann ohne Fahrkarte“ ist nicht zwangsläufig „Mann mit Fahrkarte“.

Gerade im Nahverkehr gibt es extrem wenig variable Kosten, das heißt die anfallenden Kosten hängen nicht von der Anzahl der Passagiere ab. Nicht die Anzahl der Busse, der Busfahrer, kaum die des Treibstoffs oder der Anzahl der Verkaufsstellen.
Worin besteht der "echte" Schaden? Ein Bus mit 200 Kilo mehr Frachtgewicht (2 Personen) verbraucht evtl. 0,5Liter mehr Diesel je 100 km. Vielleicht steigen auch die Reinigungskosten um 0,5% weil der Schwarzfahrer den Bus verschmutzt. Das ist der reale Schaden, der Mehraufwand ohne Gegenleistung.

Ich möchte Schwarzfahrer nicht entschuldigen. Erschleichung von Dienstleistungen ist eindeutig Betrug und es ist unfair gegenüber den zahlenden Fahrgästen. Das eine Friseurin mit 1000€ Nettoeinkommen mehr für Ihre Fahrkarte bezahlen soll, als eine Rentnerin mit 1000€ Rente, finde ich auch unfair, aber gehört jetzt nicht hierher.

Mit Statistiken und Zahlen wird zu salopp umgegangen "Sage mir eine Zahl, und ich finde eine Berechnungsmethode oder Annahmen, die die Zahl begründet". Man hört oft: „Traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast“, wobei „.. die Du nicht selbst erstellt hast“, zutreffender wäre. „Fälschung“ unterstellt böse Absichten, aber auch pessimistische Annahmen drängen eine Zahl in die eine oder andere Richtung.

Etwas verkürzt sagt man auch: "10 Experten - 10 Meinungen". Meistens fragt man nur einen Experten, und dessen Ergebnisse werden dann durch mehrfaches Abschreiben von Journalisten so oft verkürzt, verallgemeinert, oder umformuliert, dass sich fast zwangsläufig die Bedeutung einer Zahl ändert, oder nicht mehr erkennbar ist.


Zahlen über "Verluste" sollte man nicht allzu viel Vertrauen schenken, wenn man nicht weiß wie sie entstanden sind. Am besten nicht so genau hinhören, und auf keinen Fall solche Zahlen für eigene weiterführende Überlegungen verwenden. „Jammern gehört zum Geschäft“ und „Only bad news are good news“.