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Samstag, 18. Januar 2014

Dresden Card 2014 - ein Update

Es gab wieder Reformen bei der Dresden Card, anscheinend scheint das Programm nicht so gut zu laufen, sonst würde man nicht so viel daran herumdoktern.

Mit den Preisen und Vorteilen hatte ich mich schon 2013 ausführlich auseinandergesetzt. Hier nun ein kleines Update für 2014. An den grundlegenden Aussagen hat sich nichts geändert.

Die Nachfrage nach mehrtägigen Fahrkarten ist unbestreitbar vorhanden, die Touristen wollen es bequem und sich nicht täglich neu den Kopf zerbrechen, was für eine Fahrkarte sie denn wofür brauchen. Leider bietet der Verkehrsverbund VVO so eine Fahrkarte nicht an. Es gibt nur Tageskarten und Wochenkarten und die Wochenkarten sind für Kunden kalkuliert, die sie auch täglich ausnutzen.

Bei der Dresden-Card ist zwar 2014 alles anders, aber leider nicht viel besser. Die 3 und 5 Tageskarten wurden gestrichen, dafür gibt es jetzt eine 4 Tages-Karte.

Ein Tourist erwartet, daß er mit einer 4-Tageskarte günstiger fährt, als mit 4 Eintageskarten; bei Abnahme größerer Mengen gibt es schließlich überall einen kleinen Rabatt. Leider lässt sich das mit der Dresden-Card nicht realisieren.

Der typische Tourist kommt als Paar, fährt also mit Familientageskarten am besten.
Die Familientageskarte Verbundraum, für alle Verkehrsmittel der größeren Region von der tschechischen Grenze über Pirna, Dresden, Meißen bis Riesa,  kostet 18,50€.

Für 4 Tage in der gesamten Region würde man also für die Fahrkarte als Paar 74,00€ bezahlen.
Ein realer 4-Tages-Dresden-Besuch sieht aber so aus, daß man 2 Tage eine Tageskarte für Dresden braucht für 2*8,50€ und  weitere 2 Tage für die Region für 2*18,50€ so dass man die Fahrleistung für 54,90€ bekommt,

Was bietet die Dresden-Card nun dagegen:
Eine 4-Tages-Familien-Karte ohne Museen für 74,90 € (geplant, Informationen liegen mir vor).
Eine 4-Tages-Familien-Karte mit Museen für unglaubliche 119,00 €.

Das ist ein Aufpreis von sagenhaften 64,10 € auf die reine Fahrkarte.
Es erfordert schon ziemliche Museumsenthusiasten, wenn man wirklich an 3 aufeinanderfolgenden Tagen die ca. 20€ je 2 Personen Eintrittsgeld sparen will. Der freie Eintritt gilt weiterhin ausschließlich für die verschiedenen Kunstsammlungen, nicht für das Historische Grüne Gewölbe, das Hygienemuseum , das Militärhistorische Museum oder die Technischen Sammlungen. Alles touristisch attratkive Angebote.

Anscheinend wurden die Preise so kalkuliert, das man am gleichen Tag sowohl ins Museum geht, als auch noch nach Meißen oder Bad Schandau fährt. Das ist sicherlich nicht realistisch.

Wegen der sonstigen Rabattpartnern, mit denen man hier und da mal einen Euro sparen kann, lohnt sich der Erwerb der Dreden-Card leider auch nicht. Da wird es schwer mehr als 10 Euro einzusparen, wenn man nicht wirklich zielgerichtet Rabattpartner für Rabattpartner abklappert.

Sich 4 Tageskarten beim Verkehrsverbund zu kaufen ist zwar scheinbar mühsamer, als nur eine Einzelkarte, dafür gibt es sie jedoch an jedem Deutsche-Bahn und Haltestellenautomaten, wahrscheinlich sogar bei jedem Busfahrer. Was auch nicht jeder Tourist weiß: Man kann die Fahrkarten im Voraus kaufen, sie gelten nicht nur am Verkaufstag sondern werden erst durch Abstempeln entwertet. Im Notfall kann man sie also bei vorzeitiger Abreise noch weiterverkaufen.



Die Dresden-Card ist mit der vierdimensionalen Einteilung in
  • Single / Familie
  • Dresden / Region
  • mit Kunstsammlung / ohne Kunstsammlung
  • 1 Tag / 2 Tage / 4 Tage
deutlich zu kompliziert, zumal nicht jede Eigenschaft mit jeder anderen frei kombiniert werden kann, sondern aus der Entscheidung für ein Merkmal sofort auch der Kauf anderer Merkmale folgt.
Zwei Tageskarten kosten deutlich weniger als eine 2-Tageskarte.
Zwei 2 Tageskarten sind wieder günstiger als eine 4 Tageskarte.
Dem Touristen wird eine Vielzahl an  Möglichkeiten geboten, falsche Entscheidungen zu treffen.
Die Dresden-Card will anscheinend dazu verleiten, Geld für Leistungen auszugeben, die Besucher gar nicht in Anspruch nehmen wollen.









Mittwoch, 30. Oktober 2013

Dresdner Stollen

An einen Stollen trauen sich wenige ran. Es gibt auch keine Backmischung dafür. Allzu viel schief gehen kann aber nicht. Wer das probieren möchte, sollte vielleicht schon mal einen Hefeteig gemacht haben. Am schwierigsten könnte das Einkaufen werden, denn es gibt eher wenige Läden die alle Zutaten anbieten. Man muss schon etwas herumlaufen dafür. Fangen wir mal mit der Einkaufsliste an:

300g Rosinen 1,50 €
100g Korinthen 1,00 €
100g Orangeat 1,00 €
100g Zitronat 1,00 €
100g gehackte Mandeln 1,00 €
15g gehackte bittere Mandeln 0,40 €
1/2 Flasche brauner Rum 4,00 €
4cl Amaretto 0,50 €
200g Zucker 0,20 €
1/2 TL geriebener Kardamom 0,50 €
1/2 TL geriebene Macisblüte 0,50 €
1 Vanilleschote 2,50 €
1kg Mehl (Typ 550) 1,00 €
2 Würfel  Hefe 0,30 €
1/4 Liter Milch 0,30 €
2 EL Zucker 0,10 €
400g Butter (2 Stück, siehe unten) 2,60 €
1 Zitronenschale 0,50 €
100g Butter 0,00 €
100g Puderzucker 0,30 €
19,20 €
Wie man sieht, Geld spart man durch's selbst machen nicht. In kleinen Mengen sind die Zutaten relativ teuer.
Am schwierigsten zu beschaffen sind Kardamom und Macisblüte, die gibt es nicht in jedem Supermarkt, und Orangeat und Zitronat sind zumindest in Dresden im November schon mal ausverkauft. Gewürzläden oder Wochenmärkte haben meist mehr Angebote als Supermärkte.

Zur Übersicht, erstmal die Arbeitsschritte die auf einen zukommen.
90min Arbeitszeit reichen aus, allerdings sollte man 6 Stunden lang das Haus nicht verlassen müssen, wenn man einen Stollen backen will. Dazu kommen noch ein paar Handgriffe am Tag zuvor, und ein paar am Tag danach.

Arbeitsschritte Wartezeit Arbeitszeit
Rosinen einweichen, Zucker mischen 15min
Ziehen lassen 24h
Vorteig aus Mehl, Milch, Hefe, Zucker 15min
Gehen lassen 30min
Mit Fett und Restzucker verkneten 15min
Gehen lassen 60min
Rosinenmischung einarbeiten 15min
Gehen lassen 60min
Stollen formen 15min
Backen 90min
Mit Butter bestreichen 10min
Abkühlen 24h
Verpacken 10min

Fangen wir an:
Rosinen mit Orangeat, Zitronat und Mandeln in Rum und Amaretto einweichen

Mindestens einen Tag vor dem Backen müssen die Rosinen und Korinthen in Rum eingeweicht werden. Der Amaretto ist optional, aber ergänzt das Bittermandelaroma gut. Apropos Aroma, man kann natürlich mit Vanille- und Bittermandelaroma arbeiten, das ist etwas preiswerter, man dosiert aber leicht zu viel und dann ist es zu intensiv. Wenn man sich schon die Mühe macht und selbst bäckt, sollte man solche chemischen Zutaten eher weglassen.
Zitronat und Orangeat werden sich nur wenig mit Rum vollsaugen, es ist aber oft verklebt oder vertrocknet und das Bad im Rum hilft auf einfachem Weg, die Klumpen aufzulösen. Mandeln sind hier eher nur Füllstoff.
Die Mischung sollte man in einer 2 Liter Vorratsdose ansetzen. Einerseits braucht man unbedingt einen Deckel, sonst riecht bald die ganze Küche nach Rum. Andererseits spart man sich das Umrühren, man schüttelt einfach die Dose ab und an, damit alle Rosinen gut benetzt sind.
Rosinen und Sultaninen sind zwar angeblich nicht ganz das gleiche. Allerdings gibt es keine Rosinen mehr zu kaufen, ich verwende die Begriffe einfach mal synonym.

Vanillemark ausschaben, mit Gewürzen im Zucker vermengen, Butter bei Zimmertemperatur lagern
Auch Vanille und Gewürze lassen sich am besten in 200g Zucker vermischen. Das kann man auch schon mehrere Tage vor dem Backen machen, die Aromen haben dann Zeit in den Zucker überzugehen. Wer fertigen Vanillezucker nehmen möchte, ca-3-4 Päckchen, nimmt ca. 20g Zucker weniger.

Hefe in handwarmer Milch verrühren
Jetzt geht's los, sobald man etwas mit Hefe macht, kann man die Vorgänge nicht mehr wie man will verschieben, sondern man muss sich nach der Hefe richten.
Die Milch sollte handwarm sein, alles über 37 Grad empfindet der Mensch als warm, also 45 Grad reichen. Entweder man hält das Gefäß mit der Milch von außen mit warmen Leitungswasser umspülen, oder man stellt es 20sek. in die Mikrowelle. Wichtig ist : Mehr als 60 Grad sind für die Hefe tödlich. Dann gerinnt das Eiweiß. Die Hefe in die Milch bröckeln, 2 EL Zucker als Nährstoff hinzu und verquirlen. Wer möchte kann es auch noch sieben, aber meistens löst sich die Hefe gut auf.
Vorteig gehen lassen
Diese Mischung gießt man unter Rühren in eine Schüssel mit 1 kg Mehl. Man rührt nur so viel Mehl in die Milchmischung bis sich ein zäher Teig ergibt. Es bleibt auf jeden Fall die Hälfte des Mehl am Rand und am Boden übrig. Das ist so vorgesehen, das nennt man einen Vorteig, in dem sich die Hefe gut vermehren kann.
Nach 30min an einem sonnigen Ort hat sich das Teigstück mindestens verdoppelt.
Weiche Butter, Zucker mit Gewürzen und Zitronenabrieb
Danach kommen die 400g Butter, die Zucker-Gewürzmischung, und der Zitronenabrieb in den Teig.

Teig kneten
Rührgerät oder Handkneten ?
Die Menge und Schwere des Teiges spricht eindeutig für das Kneten per Hand. Wer keine Profi-Maschinen hat die mit 2,5kg Teig klarkommen wird keine Freude mit Maschinen haben. Handwärme tut Hefeteig immer gut und man merkt die Geschmeidigkeit des Teiges an den Fingerspitzen. Solange man noch Zuckerkörnchen spürt, ist der Teig nicht fertig. Solange das Mehl noch nicht untergearbeitet ist, kann man den Teig in der Schüssel kneten, danach macht sich die saubere Küchenarbeitsplatte deutlich besser. Ein Backbrett ist wohl heute nicht mehr allgemein üblich. Der Teig klebt nicht - wenn doch ist zu viel Feuchtigkeit oder Fett im Teig die man mit etwas mehr Mehl binden kann.
Zweites Gehen
Ein sonniger Herbsttag ist Ideal für Hefeteig. Der Teig sollte nochmal ca. 40-60min zugedeckt an einem warmen Ort gehen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Wenn es kühler ist, dauert es länger, das ist nicht so schlimm, man darf den Teig aber nicht länger als nötig stehen lassen, sonst hat die Hefe danach keine Kraft mehr für die 3. Gährungsphase.
Rosinenmasse und Teig untereinanderkneten
Das schwerste Stück Arbeit ist das Einarbeiten der Rosinen/Orangeat/Zitronat/Mandel-Mischung.
Die Mischung gut abtropfen lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will die Masse noch auf einem Küchentruch abtrocknen, oder mit etwas Mehl bestäuben. Die Rosinen dürfen nicht triefend nass vom Rum sein, sonst verbinden Sie sich nur schlecht mit dem Teig.
Drittes Gehen
Nocheinmal 40-60 min gehen lassen. Dabei ist optisch nicht mehr viel Änderung zu beobachten. Der Teig ist jetzt zu schwer, als das ihn die Hefe noch anheben könnte. Es bilden sich aber weiterhin innerlich Luftbläschen und man kann spüren das der Teig fluffiger wird, wenn man hineingreift.
Teig rechteckig ausrollen und von 2 Seiten einschlagen
Man kann aus der Menge Teig auch 2 kleine Stollen machen, allerdings hat man dann sehr viel Kruste und wenig inneren Teig. Auch beim Kaufen bevorzuge ich immer 2 Kilo-Stollen, gegenüber 1-Kilo-Stollen, man will ja möglichst viel durchgezogene Füllung und nicht nur gebutterte und gezuckerte Aussenflächen.

Gerade für Anfänger empfiehlt sich eine Form. Der Teig läuft sonst leicht auf die Gesamtfläche des Bläches auseinander. Ein halbgroßes Backblech - oder eine ähnlich große emaillierte Auflaufform sind ideal. Die Grundfläche sollte etwas A3 oder 2 * A4 sein, für 2 kleinere Stollen.
ca. 70-90 min bei 200 Grad backen
Wenn der Stollen bereits nach 30min beginnt goldbraun zu werden, kann man die Oberfläche mit einem Bogen Alu-Folie abdecken. Der Stollen bäckt dann nur noch, aber wird weniger von oben gegrillt.
Die Folie jedoch spätestens nach weiteren 30min wieder entfernen.
Jeder Backofen hat leicht andere Eigenschaften, die mittlere Schiene ist nicht immer in der Mitte, und gerade bei Gebäck das nach oben aufgeht, schiebt man das Blech oder Rost eher zu tief als zu hoch ein.
Dick mit Butter bestreichen und mit Puderzucker bestäuben
Nach dem Backen sofort die restlichen 100g Butter einfach in Stücken auf den Stollen legen, die Hitze reicht aus, die Butter sofort zu schmelzen. Anfangs kann man die Stücke mit den Fingern verreiben, wenn sie geschmolzen sind nimmt man für die Feinarbeit noch einen Pinsel. Vor dem Bestäuben mit Puderzucker kann man ruhig 10min warten. Die Butter soll vorrangig in den Teig einziehen und die Poren schliessen und nicht nur den Puderzucker auflösen. Man braucht doppelt soviel Puderzucker, wenn die Butter noch zu heiß ist.

Danach den Stollen gründlich durchkühlen lassen (ca. 1 Tag). Er läßt sich dann leicht aus der Form nehmen, und auf ein Holz- oder Schneidbrett heben, nur zur Sicherheit, dass er nicht durchbricht. Der Stollen wird in Folie eingepackt und 4 Wochen in einen ungeheizten Keller gelegt. Ein anderer nicht zu warmer Ort, möglichst mit etwas Luftfeuchtigkeit, tut es jedoch auch.
In den ersten 4 Wochen ist der Stollen steinhart, manchmal dauert es auch 6 Wochen. Wenn man am 1. Advent einen Stollen anschneiden will sollte man ihn spätestens an Allerheiligen/Reformationstag backen.

Man schneidet einen Stollen immer in der Mitte an. Hebt eine Scheibe heraus und schiebt die beiden Hälften zusammen und schützt somit die Schnittflächen vor dem Austrocknen.

Viel Spass

Dienstag, 2. Juli 2013

Rabattkarten ohne Rabatt: Jahreskarten bei der Sächsischen Dampfschifffahrt

Ich fahre gerne mit der Sächsischen Dampfschifffahrt (SDS), wohne nicht allzu weit von der Elbe entfernt und habe darum den Kauf einer Jahreskarte in Erwägung gezogen. Leider musste ich dabei feststellen das dort Tarife angeboten werden, die angeblich Vielfahrern einen Rabatt versprechen, aber  nicht gewähren.

Ob man bei der SDS von attraktiver Tarifgestaltung nichts versteht und sich dessen gar nicht bewusst ist, oder einfach nur die Fahrgäste zum Narren halten will, bleibt offen.

Für 100€ wird eine Flat-Rate angeboten, 1 Jahr fahren so viel man möchte. Jetzt hat man sich anscheinend bei der Bahn abgeguckt, das es dort eine Bahncard 25 und Bahncard 50 gibt, und verspricht ebenfalls 25% Rabatt für 25€ und 50% Rabatt für 50€.



Die jeweils unterste Linie zeigt den jeweils niedrigsten Preis für alle möglichen Summen bis 150€, die eine Person eventuell für Fahrkarten in 12 Monaten ausgeben könnte.
Für alle Beträge unter 100€ ist der Normalpreis am günstigsten. Für alle Preise über 100€ ist eine Jahreskarte 100 günstiger. Mit 25% Rabatt für 25€ oder 50% Rabatt für 50€ zahlt man immer drauf – egal wie viel man fährt.

Ab wann zahlt man 100€ Fahrpreis? 
6mal Königstein-Dresden (4 Stunden) oder 4mal Dresden-Königstein Dresden ( 9 Stunden !)
Die Jahreskarte lohnt sich erst sehr spät.
Zum Vergleich: Eine Jahreskarte für den Zoo Dresden lohnt sich schon ab 3 Besuchen (ca. 1 Stunde)

Jeder, der eine Jahreskarte kaufen möchte, müsste diese Analyse machen, um sich für die "richtige" Karte zu entscheiden. Mehr Karten anzubieten, heißt die Wahl zu erschweren. Manchmal wäre weniger mehr. Die Flatrate-Jahreskarte für 100 Euro würde vollkommen genügen.

Vielleicht wäre zusätzlich 25% oder 50% Rabatt auf Speisen und Getränke sinnvoll, um diesen beiden Jahreskarten noch einen sinnvollen Zweck zu verleihen. Bei der Flat-Rate-Jahreskarte 100 erwartet man eher nicht, dass es auch noch ein Flat-Rate All-You-Can-Eat für 1 Jahr dazu gibt. Ohne geänderte Konditionen sollten die Jahreskarte 25 und Jahreskarte 50 ersatzlos gestrichen werden, und zwar nicht erst im nächsten Jahr, sondern, aus Gründen des Verbraucherschutzes, sofort.

Nur die Jahreskarte 100 ermöglicht, das man nicht bei Fahrtantritt entscheiden muss wo man aussteigen will, sondern ganz spontan entscheiden kann; vielleicht auch mal aus einem Schiff aussteigen und 2 Stunden später mit dem nächsten weiterfahren. Tageskarten hat die SDS sonst nur für Familien mit mindestens 1 Kind vorgesehen. Bei Jahreskarten sind dagegen gar keine Kinder eingeplant.

Die "Stadt Wehlen" am Anleger in Kurort Rathen
Ich zahle gerne den Fahrpreis und trage damit zum Erhalt der Dampfschiffe bei. Aber wenn man die Einnahmen steigern will, dann sollte man vielleicht um Spenden bitten, und eine Spendenquittung ausstellen, und die Fahrgästen nicht hinters Licht führen und den Eindruck erwecken, man könne durch eine kleine Einmalzahlung dauerhaft etwas sparen.

Alternativen für Gern-, Viel- oder Langstreckenfahrer

Falls Sie immer zu zweit Fahren ist eine Jahreskarte Plus für 175€ für 2 Personen sogar noch günstiger. Das Schöne daran ist, das nur eine Person auf der Karte eingetragen wird und jedes Mal ein anderer Gast mitgenommen werden kann.

Es gibt auch ein paar Möglichkeiten ganz kostenlos 10% Rabatt zu bekommen. In vielen Coupon-Heften, Werbeaktionen, für Schüler und Studenten oder auf Rückseiten der  Karten für die Landesbühnen Sachsen/Felsenbühne Rathen gibt es kostenlos 10% Rabatt.

Wer an seinem Geburtstag fährt, fährt auch umsonst. In den Tarifbestimmungen steht etwas vieldeutig "Geburtstagskinder"; die Regelung gilt aber auch für Erwachsene, ich hab‘s getestet. Fast ein Fall von "geheimen Marketing", wir geben Rabatte, aber sagen es nicht deutlich.

Wer gerne Langstrecken fährt: Rückfahrten gibt es fast umsonst: Dresden-Bad Schandau: 22,20€; Die Rückfahrt gibt es für 2,80€. Man könnte auch sagen, es gibt Tageskarten für 25€, aber das bewirbt die SDS nicht unter diesem Titel denn Fahrtunterbrechungen sind nicht erlaubt.
2 Erwachsene Dresden-Bad Schandau: 44,40€. Nehmen Sie irgendein Kind mit und Sie zahlen nur 39,90€. Sozialtarife sind gut und schön, aber es lassen sich auch immer negative Interpretationen finden. Warum darf ein Doppelverdiener-Haushalt seine Kinder umsonst mitnehmen, aber eine allein erziehende Mutter muss für Ihr Kind ein Ticket kaufen?

Wenn die Rabattangebote zu vielfältig und zu undurchsichtig werden, dann stellt sich bei den Gästen leicht Frust ein, "Wer soll denn das verstehen", "das ist ja kompliziert", "Wie kann ich sicher sein nicht zu viel zu bezahlen". Diese Effekte kennen wir alle von der Deutschen Bahn. Tarifdschungel nennt man das dort.

Das Kombiticket Dampfschiffahrt + Verkehrsverbund lohnt sich auch eher selten.
Kombiticket 34,50€; Dampfschiff Dresden- Königstein + Tageskarte VVO-Verbundraum: 33€.
Für 2 Personen wird es noch deutlicher: Selbst mit dem teuersten Dampfschiffticket für 25€*2 Personen + 17,50 Verbundraumtageskarte zahlt man mit 67,50 weniger, als mit Kombitickets für 69€ für 2 Personen. Noch so ein vorgetäuschtes Rabattversprechen. Aber nehmen Sie ein Kind mit und Sie bekommen den ganzen Spass für 50€. 

Sobald man Hin-&Rückfahrt mit dem Dampfschiff bucht wird es wieder weniger Wert, weil man dort aussteigt wo man einsteigt und meist nur eine einfache Fahrkarte für eine VVO-Zone braucht. Für Gäste aus Kamenz oder Hoyerswerda (auch noch im VVO) wäre das Ticket sicher interessant, aber es wird leider nur an Dampferanlegestellen verkauft. Für die Anreise zur Anlegestelle ist es damit nicht zu gebrauchen.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Für wen lohnt sich die Dresden-Card ?

(Zu dem Artikel gibt es ein Update für 2014, die Aussagen hier gelten jedoch weiterhin.)

Städtetouristen kaufen sich gerne Mehrtagestickets für Bus & Bahn um sich nicht mehrfach an fremden Automaten herumzuquälen, um komplizierte Tarifzonen zu kümmern, und nicht durch fremde Städte mit dem Auto navigieren zu müssen.

Leider bietet der VVO, der Verkehrsverbund Oberelbe rund um Dresden, eine solche Karte nicht an. Es gibt nichts zwischen einer Tageskarte und einer Wochenkarte.

In Dresden hat man den Trend anderer Städte übernommen und eine Dresden-Card erfunden bei der die Fahrkarte mit gewissen Rabatten bei touristischen Angeboten kombiniert werden.
Leider fallen die Rabatte sehr dürftig aus. Die staatlichen Museen sind kostenlos, sofern man mindestens eine 2 Tages Dresden-City-Card kauft. Für einen Mehrnutzen zahlt man natürlich auch gerne einen Mehrpreis, denkt man sich als Tourist.
2 Tages-Fahrkarten für Dresden kosten 11€, 1 Eintritt in ein Museum 10€, das sind 21€. Eine 2-Tages Dresden-Card für 1 Person kostet 26€. Ein Museumsbesuch reicht noch nicht aus, um den Mehrpreis zu rechtfertigen. Man muss  noch weitere Angebote nutzen. Das ist jedoch gar nicht so einfach.




Die meisten Touristen gehen in das Historische GrüneGewölbe, doch das ist von sämtlichen Rabatten ausgenommen. Das Hygienemuseum oder das Militärhistorische Museum oder das Verkehrsmuseum kommen gut bei den Besuchern an, insbesondere auch bei unter 16-jährigen  dort erhält man jedoch immer nur 10% Rabatt, also spart ca. 1€.
Außerdem muss man wissen, dass die meisten Kunstsammlungen mit nur 2 Tickets zu erreichen sind:
  • 10€ für Neues Grünen Gewölbe, Rüstkammer, Türkischer Kammer, Kupferstich-Kabinett, Hausmannsturm
  • 10€ für Gemäldegalerie Alte Meister, Mathematisch-Physikalischen Salon und Porzellansammlung
Im Flyer zur Dresden-Card wird das dargestellt als hätte man freien Eintritt zu 8 Einrichtungen.
Doch man spart nicht 8 mal Eintritt, sondern nur zweimal. Mehr als 20 € ist je Person nicht einsparbar, egal ob man 2 Tage oder 5-Tages-Karten kauft. Bei 5 Tagen kann man sich mehr Zeit lassen, aber wer sparsam ist und eine Tageskarte für je 4 Museen hat,  der würde sicher auch 4 Museen an einem Tag besuchen. Aber kennen Sie jemanden der im Urlaub ohne Schlechtwetterperiode in mehr als 3 Museen in einer Woche geht?

Was kann man sonst noch so sparen mit der Dresden-Card ?
2€ bei der Stadtrundfahrt,  10% von einem Mittagessen , 1 Euro hier, 1 Euro da,
Es ist ziemlich schwierig an 2 Tagen 6€ einzusparen, wenn sie nicht ständig mit der 100-seitigen Dresden-Card-Broschüre in der Hand, sich darauf beschränken in den 2 Tagen ausschließlich in "teilnehmenden Restaurants" zu speisen.

Das bedeutet aber unter Umständen, sie Essen evtl. Ihr Schnitzel in einem Restaurant für 12€ mit 10% Rabatt, (=10,80€) Obwohl es vielleicht im Restaurant nebenan von vornherein nur 9,90€ kostet, ganz ohne Rabatt und ohne Dresden-Card. Die Ersparnis kann man sich einbilden. 

Theaterkarten gibt es mit 10% Rabatt. Doch wie soll man die kaufen ? Sie müssen beim Kauf der Theaterkarte die Dresden-Card vorlegen, das heißt Kauftag=Besuchstag, der Rabatt gilt also nur an der Abendkasse für ein paar Restplätze, für ausverkaufte attraktive Veranstaltungen nutzt die Karte Niemandem. Eine Theaterkarte kauft man schon mal 3 Monate im Voraus, die Dresden-Card eher nicht. Falls doch müßte man erst eine Dresden-Card für Tag X kaufen, dann persönlich an der Theaterkasse ein Ticket für Tag X kaufen, mit dem Risiko das gar kein Platz mehr verfügbar ist. Es gibt kein Online-Buchungssystem das die "Vorlage" der Dresden-Card akzeptiert.

Viele Vorteile der Dresden-Card sind sehr saisonal und können gar nicht ganzjährig in Anspruch genommen werden, trotzdem ist die Karte das ganze Jahr lang gleich teuer. 

Im Vergleich mit anderen Regionen ist die Dresden-Card sehr teuer und bietet finanziell sehr geringe Vorteile. 

Stand 2013
3 Tage
3 Tage
3 Tage


1 Person
2 Erwachsene

4 Kinder
5 Erwachsene

Dresden + Region
49,90 €
71,90 €
193,70 €
Dresden-Regio-Card
München + Region
32,90 €
53,90 €
53,90 €
Hamburg + Region
49,90 €
79,90 €
79,90 €
Berlin+
Potsdam
24,90 €
49,80 €
124,50 €
Wien
19,90 €
39,90 €
99,50 €
  Notiz am Rande: in Wien kauft man eine Karte, in allen deutschen Städten eine Card.

Die Tourenvorschläge
Der Flyer bietet verschiedene Touren an, die aber sehr lieblos zusammengestellt sind.2012 waren dort Touren enthalten die überhaupt nicht realisierbar sind. In etwa so. "Morgens in Dresden etwas besuchen, mit dem Schiff nach Meißen, Porzellanmanufaktur besichtigen". Allerdings fahren die Schiffe nur ca. 9:30 und 16:30, in Dresden macht vor 9:00 nichts auf, was man besuchen könnte, und die Porzellanmanufaktur macht 17:00 zu. Wahrscheinlich hat die Tour irgendeine Werbeagentur weit außerhalb Dresdens zusammengestellt. Man hat sich jetzt schon verbessert.
Jetzt gibt es andere „verrückte“ Angebote: Nach dem Frühstück fahren wir nach Königstein und mieten uns  ein Schlauchboot. Wir sind im Urlaub, vor 10 Uhr sind wir nicht in Königstein. Wenn man nicht hetzt und mal eine Mittagspause macht ist man frühestens 15 Uhr in Pirna. Nicht unbedingt trocken, vielleicht in Badesachen. Dann sagt der Tourguide „Wir schauen uns die Festung Königstein an“. Der Rückholservice des Kanuverleihs aus Königstein spart etwas Zeit, aber vor 16 Uhr ist man nicht oben, will sich was anschauen, muss sich beeilen damit man bis 17:30 fertig ist, um 18 Uhr die S-Bahn nach Rathen erwischt, mit der Fähre übersetzt, sich um 19 Uhr noch schnell eine Bratwurst reinziehen kann um um 20 Uhr auf der Felsenbühne zu sein, um dort zu hoffen noch eine Restkarte zu bekommen, weil es den Rabatt ja nur dann gibt, wenn man die Dresden-Card vorlegt. Nein, das Problem ist ehrlicherweise ein anderes: Außer Freitags und Samstags und auch nur von Juli bis August gibt es fast gar keine  Abendvorstellung weil  über 50% aller Vorstellungen für Kinder sind, und eher am Nachmittag stattfinden.
Also wer möchte nach 5 Stunden Paddeln ohne zu Duschen noch auf eine Festung und ins Theater ?  „Faszination Sächsische Schweiz“ nennt sich diese Tour. Das Problem ist nur das die Sächsische Schweiz keinen Eintritt kostet. Vor dem Besuch der Felsenbühne steigt ein normaler Besucher eventuell vollkommen kostenlos auf die Bastei.Die Tourenplaner müssen aber möglichst viele teure Attraktionen in den Plan einbauen um möglichst viel Rabatt suggerieren zu können. Wandern kostet nichts.
Wer Spass hat an wilden Schnitzeljagden im Zickzack durch Dresden und Vororte sollte sich mal die Tourenvorschläge der Dresden-Card anschauen. Nach dem Karl-May-Museum Radebeul empfehle ich zum Abendessen einen Radebeuler Winzer oder Sushi&Wein direkt neben dem Museum. Die Dresden-Card empfiehlt ein Essen am Dresdner Hauptbahnhof im Shopping District. Reizend.
Nach dem Schloss Pillnitz soll man wahlweise im Großen Garten Essen gehen (13 km), oder im Lingnerschloss, "nur" 10km entfernt, aber mit 2mal Umsteigen über Bühlau Fahrzeit 1 Stunde 5min; Als wenn es in Pillnitz oder Loschwitz nichts zu essen gäbe -  es gibt nur keine Dresden-Card Teilnehmer. Ich empfehle die Elbterrasse Wachwitz, die standen gerade (Juni 2013) im Wasser und jeder Umsatz hilft bei der Schadensbeseitigung (sobald sie wieder geöffnet ist).

Wo bleibt das Geld ?



Einen Anteil bekommt der Verkäufer, die Aufteilung in Fahrtkostenanteil und Anteil für die Kunstsammlungen muss er selbst machen, denn dem Fahrkostenanteil unterliegt keine Mehrwertsteuer, dem Museumsanteil 19%. Eine sehr aufwendige Bürokratie.
Jede Dresden-Card hat eine eigene Seriennummer, die Nummer muss der Verkäufer der Dresden-Marketing GmbH melden, und zwar nicht nur die verkauften, sondern auch die unverkauften. Dafür gibt es keine Software, oder eine Web-Site, man muss Zettel per Hand ausfüllen und per Brief verschicken. Mittelalterliche Methoden und ein unheimlicher personeller Aufwand auf beiden Seiten, wie ihn sich nur eine öffentlich-rechtliche Bürokratie ausdenken kann.


Die Stadtmarketing GmbH hat anscheinend bei der Aufteilung der Gelder schlecht verhandelt. Der Verkehrsverbund bekommt annähernd den vollen Preis Ihrer gewöhnlichen Einzelfahrkarten zugesprochen. 3 Tage Regio-Card = 3 Tageskarten für den Verbundraum zum Einzelpreis + Zusatzleistungen. Man könnte durchaus argumentieren: Die Gäste bekommen zwar eine 3-Tageskarte für den Verbundraum, aber Sie werden Sie nicht jeden Tag ausnutzen. Eine Mischkalkulation von etwa 2 Tageskarten für Dresden und 1 Tag für den Verbundraum wäre sicherlich gerechtfertigt.

Den "Zusatzbetrag" der nicht für Marketing, Provisionen und Verwaltung draufgeht, bekommen  formell die Staatlichen Kunstsammlungen, die freuen sich das 10 Gäste so eine Dresden-Card kaufen, aber dann davon nur 2 Gäste ein Museum besuchen. Eine Statistik wie viele Besucher mit einer Dresden-Card ins Museum gehen gibt es nicht. Der Besucher geht nicht zur Kasse sondern zeigt seine Karte direkt am Einlass vor und dafür gibt es keinerlei elektronische Erfassung.

Die teilnehmenden Restaurants und Freizeiteinrichtungen, die nur 10% Rabatt anbieten bekommen wahrscheinlich nichts von den Einnahmen sondern müssen sich mit der Freude über die Werbung in den Broschüren begnügen. 10% Rabatt für kostenloses Marketing ist ein  üblicher Betrag.

Wo kann man die Dresden-Card kaufen ?
Die Innenstadt wird zugepflastert mit Plakaten "Es gibt die Dresden-Card", "Kauf die Dresden-Card", Tonnen von Flyern und Broschüren werden gedruckt, das Marketing ist so enorm, aber es ist relativ schwierig an die Karte heranzukommen.
Wenn man schon in Dresden ist dann bleibt einem nur ein Weg zur Tourist-Info. 
Eine normale Fahrkarte für die Verkehrsbetriebe kauft man entweder am Automaten oder seit ein paar Jahren auch als Handyticket per Smartphone-App oder per SMS.
Beide Wege existieren für die Dresden-Card nicht.
Es gibt sie nicht einfach am Fahrkartenautomaten. Man muss erst mit dem Auto oder mit einer normalen Strassenbahn-Einzelfahrt zur Tourist-Info , um an die Karte zu kommen. Oder man bestellt sie Tage vorher im Internet und läßt es sich zuschicken. Nicht etwa per QR-Code wie bei Handyticket mit Smartphone-App. Nein, wirklich im Briefumschlag, mit Post und Porto. Selbst Semperopernkarten gibt es schon mit Print@Home.

Im Idealfall kann der Tourist seine Karten in seiner Unterkunft kaufen.
Das Hotel bekommt eine Verkaufsprovision, und ist deshalb jedoch kein unabhängiger Berater mehr, sondern hat ein Eigeninteresse möglichst viele Dresden-Cards zu verkaufen.
Der ehrliche Rat für wen es sich lohnt - und für wen nicht - bleibt sicherlich oft aus.

Falls jemand eine Unterkunft in Meißen oder Bad-Schandau hat und von dort aus täglich nach Dresden pendelt, also jeden Tag wirklich alle Vorzüge der Regio-Card ausnutzen kann,  für den lohnt sich die Dresden-Card wahrscheinlich eher. Aber wird Sie in Meißen oder Band Schandau am Bahnhof verkauft ? Und warum sollte jemand dort übernachten, wenn er täglich nach Dresden fahren will ? Dresden hat eine riesige Kapazität an Hotelbetten und ein relativ niedriges Preisniveau, so daß niemand ins Umland gedrängt wird.

Was bekommt man mit der Dresden-Card nicht ?

Dresden hat viele interessante Angebote, die gar nichts kosten.
  • Besichtigung der Frauenkirche
  • Radeln auf dem Elbradweg, 
  • Spaziergang im Großen Garten oder an den Elbwiesen
  • Stadtrundgang ohne Führer. 
  • Shopping auf mehr als 200.000m² in der Innenstadt.
  • Striezelmarkt, Frühlingsmarkt, Herbstmarkt, Stadtfest
Was nichts kostet, kann nicht rabattiert werden.

Die Top-Attraktionen
  • Historisches Grünes Gewölbe für 12€ + 2€ Vorverkaufsgebühr
  • Aufstieg auf den Turm der Frauenkirche für 8€
  • Semperoper-Eintrittskarten
alles was sich quasi "von selbst" verkauft, wird gar nicht erst rabattiert.

Sich für eine rabattierte Dresden-Card Attraktion zu entscheiden, bedeutet immer 
  • eine kostenlose Attraktion nicht zu besichtigen, 
  • oder vielleicht eine viel bessere, aber nicht rabattierte Attraktion, auszulassen.
Man kann seine Urlaubszeit nur einmal verwenden.


Was für einen Aufpreis zu normalen Fahrkarten zahlt man ?
Was unternimmt ein 3 Tage Dresden-Tourist typischerweise ?
2 Tage Dresden anschauen, und 1 Tag ins Umland, Meißen, Moritzburg oder die Sächsische Schweiz.
Die 3 Tages Dresden-Card gilt automatisch für die gesamte Region, auch wenn man Dresden überhaupt nicht verlassen möchte, sie animiert also dazu das Umland zu erkunden. Geben wir der Dresden-Card mal einen Vorteil  und sagen, der Tourist, eher ein Ehepaar, möchte wirklich nur 1,5 Tag Dresden anschauen, geht einen Nachmittag ins nahe Umland, und noch einen Tag ins Fernere Umland. 
Was kostet das im Verkehrsverbund Oberelbe  ?
·         1 Tag nur Dresden Familientageskarte: 8€
·         1 Tag 2-Zonen (Radebeul oder Pirna) Familientageskarte: 13 €
·         1 Tag Verbundraum Tageskarte: 17,50 €.
Summe für Transport: 38,50€ (für 2 Personen für 3 Tage)
Die 3 Tage Dresden Regio Family Card71,90 €
Ein Aufpreis von 33,40€; nahezu der doppelte Preis.
Nehmen wir mal an, in den 3 Tagen wird 3 mal Essen gegangen, je 40 € = 120 €, 10% Rabatt werde fast überall ausgelobt, wenn man sich wirklich Mühe gibt und ausschliesslich bei "teilnehmenden" Restaurants speist. Also 12€ Rabatt.
Noch irgendeine weiter Attraktion, Stadtrundfahrt oder ähnlices 2 € je Person, = 4 € gespart.
Wir sind jetzt bei 16 € "Rabatt" bei 33,40 € "Mehrpreis".
Es ist fast unmöglich diesen Mehrpreis irgendwie wieder "herauszuholen", ohne ein Museum der Kunstsammlungen (außer dem historischen Grünen Gewölbe) zu besuchen. Da sparen Sie einmalig 20€ für 2 Personen.
Wir wären dann bei 36 € Rabatt zu 33,40€ Mehrpreis.
Wir haben 2,60€ "gespart" bei einem Ticketpreis von 71,90. Das sind 3,6% Ersparnis !!
Zusammengefasst:  Mit 3*Restaurant, 1 Weitere Attraktion + 1 Kunstsammlung und 1,5 Tage Aufenthalt außerhalb von Dresden mit öffentlichem Nahverkehr Sparen Sie 3,6%. Lassen Sie nur eines davon weg und sie machen „Verlust“. Einen echten Vorteil haben Sie erst wenn Sie noch mehr als das oben genannte bei den Dresden-Card-Partnern unternehmen. 

Fazit: Wer außer ins historische Grüne Gewölbe nicht noch in weitere Kunstsammlungen in Dresden geht für den ist die Dresden-Card zwangsläufig ein Minus-Geschäft und keine gute Investition.

Man sollte die Dresden-Card in Dresden-Museums-Card umbenennen, aber da man dann enttäuscht wird im Hygienemuseum, im Verkehrsmuseum oder im Militärhistorischem Museum, keinen freien Eintritt sondern nur 1-2€ Rabatt zu bekommen, ist selbst das noch geschönt: Dresdner-Kunstschätze-Card wäre mein Vorschlag für eine zutreffende Bezeichnung. Kunstschätze Liebhaber sollen Sie kaufen, andere Dresden-Besucher nicht.

Die Dresden-Card erfüllt Ihren Zweck. Sie dient dazu, dass die Touristen mehr Geld in Dresden lassen, als sie es ohne Dresden-Card tun würden. Man darf zweifeln, ob es zum Vorteil der Touristen ist oder gar die Attraktivität Dresdens erhöht.



Montag, 17. Juni 2013

Der Fliegende Holländer in der Semperoper

Nach 1988 gab es in Dresden am 15.06.2013, zum 200. Geburtstag Richard Wagners, erstmals wieder eine Neuinszenierung des 1843 ebenfalls in Dresden uraufgeführten "Fliegenden Holländers".

Beim Aperitif auf der Semperopern-Terasse gab es nur ein Thema: "Die Flut" und "Man sieht gar nichts mehr", "Bis wo war das Hochwasser ?" "Ach es ist gar nicht über die Ufer getreten". Nur 8 Tage nach dem Scheitel der Flut wirkt Dresden sehr normal und unaufgeregt, selbst die Sächsische Dampfschifffahrt hatte am Samstag morgen wieder ein kleines Rundfahrt-Programm aufgenommen.

Das Premierenpublikum war deutlich festlicher gekleidet als bei anderen Veranstaltungen in der Semperoper.
Man sah mehr Smokings, Fräcke und Abendroben, sogar Kimonos und das Sprachengewirr im Foyer machte den Eindruck der Anwesenheit vieler ausländischer Gäste.
Der Altersdurchschnitt erschien gut 10 Jahre geringer als man das beispielsweise von Verdi- oder Puccini-Opern gewohnt ist. Eine Wagner-Oper gehört anscheinend in Kreisen, unter denen ich eher wenige Dresdner vermute, zu einer Art gesellschaftlichem Ereignis.
Die Zeiten der großen Abendgarderobe bei einem Theaterbesuch hätte ich eigentlich als überwunden betrachtet. Wer schon knapp 100 Euro für eine Theaterkarte investieren muss, soll sich nicht noch verpflichtet fühlen auch noch in Armani oder Dior erscheinen zu müssen. 
Die Programmhefte waren 20min vor der Vorstellung ausverkauft, die Nachfrage nach Premieren-Programmmen scheint deutlich höher als bei anderen Vorstellungen.

Die Qualität des Gesangs möchte ich mangels Vergleich nicht beurteilen, nur der Holländer selbst gehörte zum Ensemble der Semperoper, alle anderen wurden aus den USA und dem deutschsprachigen Raum eingeflogen.
Die Stimmen klangen genauso weich und kraftvoll wie von Wagner beabsichtigt.
Man muss der Intendanz der Semperoper vertrauen, dass erfahrene Sänger ausgewählt wurden, die Ihrer Aufgabe auch gewachsen sind. Falsche Töne waren nicht zu vernehmen und es war auch nicht zu bemerken das nicht alle deutsche Muttersprachler waren.

Übertitel während der Vorstellung waren trotzdem hilfreich, denn die 160 Jahre alte Sprache klingt in unseren Ohren doch manchmal recht ungewohnt, und wer hat schon noch Wörter wie Tand und Eidam in seinem aktiven Repertoire. An einigen wenigen Stellen sind die  Sänger auch einfach der Lautstärke des Orchesters unterlegen. Mangelnde Kraft, Enthusiasmus und Spielfreude kann man weder dem Orchester noch den Darstellern vorwerfen.

Auch der mit ca. 80 Personen sehr gut besetzte Opernchor läßt ebenfalls keine Sparmaßnahmen erkennen und ist sicherlich nicht an vielen Häusern zu erleben.

Das Bühnenbild war eher schlicht gehalten und keine Revolution. Eine Felsenklippe in Norwegen.
Es hätte auch durchaus eine Kopie der Felsenbühne Rathen sein können, nur das man sich statt der senkrechten Felswand eher eine für Video-Projektion geeignete Rückwand vorstellen muss, die die Weite des Meeres erahnen lassen soll.
Handwerklich läßt die Nachbildung von leicht bewachsenen kargen Felsen, ausgetretenen Pfaden und ein paar vom Wind sehr mitgenommenen Bäumen keine Wünsche offen.
Die Gesamtstimmung erinnerte an einige düsterere Hitchcock-Klassiker, wie "Rebecca", "Vertigo" ein wenig auch "Die Vögel" und "Nebel des Grauens". Die Ausleuchtung von Nacht und Morgengrauen war perfekt.

Werksbeschreibung für Neueinsteiger: "Piraten der Karibik" ist sehr ähnlich, ein Geisterschiff trifft auf einen realen Kapitän. Nur ist die ganze Sache weniger auf Humor angelegt sondern toternst und ohne Seeschlachten. 
Es gibt sogar einen Toten, man weiß nicht so genau wer es ist,
die Rolle eines Priesters für eine Beerdigung und eine Hochzeit sollte anscheinend ausgebaut werden, einige wortlose, fast pantomimisch wirkende Szenen wurden ergänzt.
Senta bekommt ein 9-jähriges Alter-Ego, das ohne Text über die Bühne wandelt.

Abweichend von der klassischen Inszenierung wurde das Spinnstübchen zu einer Entbindungsklinik. Der Sinn dieser Metapher hat sich mir nicht ganz erschlossen, aber irgendjemand wird sich wohl etwas dabei gedacht haben. Mitten beim "Dreh dich Rädchen, summ, summ, summ" werden Kinder geboren, und zwar dutzendweise. Für das gebildete Publikum bleiben sicherlich noch viele weitere Anspielungen zu entdecken.

Das Gemälde, das Senta laut Gesangstext angeblich andauernd anschmachtet, war nicht vorhanden. Auf das obligatorische Schiff als Bühnenbild wurde verzichtet, weil man sich  doch irgendwie vom "Gewöhnlichen" abgrenzen will, allerdings ist diese Idee nicht allzu neu, sondern auch in den Inszenierungen, beispielsweise der Oper Zürich schon fast wieder "normal".

Wer die Staatskapelle von Konzerten auf der Bühne kennt, wird es als etwas dumpf empfunden haben, das Vorspiel aus dem Graben heraus zu hören. Wenn man nur die Reflektion eines Tones hört, ist es doch etwas anders, also wenn er Hindernisfrei vom Instrument zu Gehörgang gelangt. 

Wagner selbst hat das Orchester immer in den Graben verbannen wollen um voll und ganz dem Instrument der Stimme huldigen zu können. Er verstand sich immer auch als Dramaturg,  nicht nur als Komponist, der viel Wert auf die Kombination von dargestelltem Inhalt, Instrumentation und stimmlicher Umsetzung legte.

Für das Technik-Affine Publikum: Die Vorstellung war in 3D und in 50+ Kanal Sound. Live und Unplugged, in einzeln belüfteten gepolsterten Klappsesseln. Zumindest machen Kinos auf diese Art Werbung, die Theater versäumen es meistens mit Ihren Pfunden zu wuchern.

Die Staatskapelle veranstaltete gleichzeitig ihr "Klassik picknickt", die Anzahl der Musiker muss anscheinend groß genug sein, um zwei Veranstaltungen am gleichen Abend bespielen zu können; Beachtlich.

Der "Fliegende Holländer" wurde von 19 Uhr bis 21.15 Uhr ohne Pause durchgespielt.
Tosender Beifall über 10min, eine 2 malige Präsentation aller beteiligten einzeln und im Ensemble bewegten sich eher im normalen Bereich. Standing-Ovations im größeren Rahmen blieben aus.
Inwieweit der Applaus Richard Wagner galt, oder der Aufführung im Besonderen war nicht unterscheidbar. In leichter Abenddämmerung aus einer Oper zu kommen, noch dazu von Wagner, ist eher selten und dem nahen Mitsommer geschuldet.

Die Dresdner Altstadt war wegen der Bunten Republik Neustadt (30.000 Besucher) und der ungerechtfertigten Stornierungswelle nach dem Elbhochwasser  deutlich ruhiger als sonst.

Fazit: Ein oppulentes Werk wird bild-, musik- und stimmgewaltig in Szene gesetzt. 
Wagner wäre sicherlich damit zufrieden gewesen. Eine allzu exzentrische oder hyperverkopfte Modernisierung des Werkes hat man sich zum Glück erspart, ein paar Andeutungen in dieser Richtung wirken sicher für den einen nicht zu störend, für den anderen nicht zu klassisch.
An Wagner traut sich kein Provinztheater heran und die Semperoper bleibt Ihrem bekannt hohen Niveau treu, verzichtet jedoch auf frühere, allzu schockierende  Stilmittel, wie tanzenden Geköpften oder maschinengewehrtragenden Soldaten.

Wer nicht das erste Mal Kontakt mit klassicher Musik hat, für den ist der Holländer ein guter Einstieg in die Welt Wagners. Klassik-Anfänger sollten vielleicht eher das Sommergastspiel der West-Side-Story in der Semperoper besuchen,  um die Ehrfurcht vor dem Haus und der Atmosphäre etwas abzubauen und den Abstand zur gängigen Pop-Kultur in kleinen Schritten überwinden zu lernen und sich im September vielleicht mit "Carmen" weiter an ältere, aber ganz und gar nicht angestaubte, Musik heranzutasten.

Ich bin sicherlich kein Wagner-Experte, nur ein regelmäßiger Theaterbesucher, 
aber da keine anderen frei verfügbaren Opern-Kritiken im Netz auffindbar waren, musste ich ebend selbst eine verfassen.