Ich finde Apfelschorle ganz OK,
aber braucht man Apfelschorle mit Bio-Äpfeln, Diät-Apfelschorle, Apfelschorle
ohne Zuckerzusatz, Apfelschorle mit Zuckerersatzstoffen, Apfelschorle aus Konzentrat und Apfelschorle
aus Direktsaft? Wenn der Marktanteil eines Produktes so klein wird, das sich
die Logistik dafür nicht mehr lohnt, nimmt man es gewöhnlich vom Markt, zumal
die Unterschiede zwischen den Produkten nicht wirklich spürbar sind, und man
nur der Aufschrift vertrauen muss.
Es wäre schön, wenn Parteien das
auch so sehen würden, aber es gibt leider niemanden der da „Produkte vom Markt“
nimmt, das Produkt muss selbst entscheiden ob es gehen will.
Inhaltlich habe ich keine allzu
großen Probleme mit der FDP, Ihr Anteil an dummen Ideen ist nicht höher als bei
jeder anderen Partei. Doch wie sieht es mit der Wiedererkennbarkeit, der
Eigenständigkeit, dem Eigenen, dem Unverwechselbaren aus? Wenn Sie sowieso das
gleiche will, wie Ihr Koalitionspartner, was spricht dann für eine
eigenständige Partei?
Das relativ junge Personal der
FDP hat zwar kurzfristig etwas Hoffnung aufkeimen lassen, eine polititsche
Innovationswelle auf uns zurollen zu sehen. Doch leider kam nicht viel mehr als
inhaltlose Worthülsen wie "Deutschland braucht die Liberalen". "Das,
was wir angekündigt haben, haben wir umgesetzt.", "Wir unternehmen
Anstrengungen". Im diplomatischen Chorps wäre sicherlich ein guter Platz
für die Parteispitze, jeder Konfrontation wird aus dem Weg gegangen,
Revolutionäre sind leider nicht darunter.
Alles was die
Regierungskoalition als Erfolg verzeichnet, schreibt sich die FDP auf Ihre
Fahnen. Wobei ein Scheitern von Politik äußerst selten vorkommt, wenn man Das
Kabinett macht einen Vorschlag, Bundestag und Bundesrat winken es durch.
Fertig. Das ist so, wenn man zur „Mehrheit“ gehört.
Der Kontrast zu Erfolg ist nicht Misserfolg, sondern Nichtstun.
Ein Busfahrer der unfallfrei am
Ende seiner Buslinie ankommt hat keinen Grund "Erfolge" zu feiern. Liberalismus,
insbesondere Wirtschaftsliberalismus ist die Grundlage der freien
Marktwirtschaft und des Freihandels. Insofern kann man unsere Gesellschaft von
sich aus schon als liberal bezeichnen. Als Politikstil ist Liberalismus
möglichst wenig in die Wirtschaftskreisläufe einzugreifen. Den Dingen Ihren
Lauf lassen, Preise sich finden lassen.
Die "klassische"
Klientel der FDP ist alles andere als liberal, Deregulierung der Märkte,
Subventionsabbau, Bürokratieabbau, oder besser Reduktion von Gesetzen, Bruch
mit Vorschriften, die Ihren Sinn vollständig verloren haben, und sich mehr oder
weniger nur "eingebürgert" haben sind nicht die sogenannten
"liberalen Werte" für die die FDP angeblich steht:
- Ärzte: feste Gebührenordnung, Werbeverbot
- Anwälte: feste Gebührenordnung, Werbeverbot
- Buchhändler : feste Preise
- Steuerberater: kein Interesse an Steuervereinfachung
- reiche Landwirte: Leben von Subventionen
Heißt "liberal" nicht
freier Wettbewerb? Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis?
Statt die Buchpreise zu senken,
verschickt amazon jedes Buch versandkostenfrei. Die Gewinnspannen scheinen groß
genug um das auch bei einem 9,90€ Buch abzudecken. Wenn jemand gleich 3
Bücher auf einmal kauft, gibt es keinen Rabatt, die Paketkosten steigen auch
nicht. Amazon wird dazu gezwungen mehr Gewinne zu machen. Von der Politik.
Warum ist gerade die
Stammclientel nicht an freier Marktwirtschaft interessiert sondern am Erhalt
des Status-Quo? Oder gehört der oft kolportierte "besserverdiende"
FDP-Wähler gar nicht in den aufgezählten Gruppen zu finden. Vielleicht ist
dieses Image nur Zustand von vor 30-40
Jahren und wird heute nur noch von der Presse am Leben erhalten.
De FDP schreibt sich die freie
oder soziale Marktwirtschaft auf die Fahnen, so wenig Markteingriffe wie
möglich, wenig Beschränkungen, wenig Subventionen. Den oft zitierten
"Turbo-Kapitalismus" der USA will natürlich niemand haben. Aber ab und
zu einen Zwischenruf in diese Richtung wäre doch wünschenswert.
Steuergeldverschwendung
Muss jeder Bürger zur
Bundestagswahl per Post eine Wahlbenachrichtung bekommen oder würde es nicht
auch reichen, soweit bekannt, jedem eine
e-mail zu senden, und wer nicht binnen 14 Tagen den Empfang per Click auf einen
Link quittiert, kann immer noch eine Wahlbenachrichtigung auf Papier bekommen. Die
Anzahl der Postsendungen würde sich mindestens halbieren. Wenn man sein Geld
Online überweisen kann, wird man doch auch irgendwie seine Stimme Online ausüben
können.
Muss man für eine
Bundespräsidentenwahl 1200 Leuten nach
Berlin laden, für jeden ein Flug oder Bahnticket, plus Taxi und Hotel finanzieren?
Wenn jeder Wahlmann 900 € an Kosten verursacht sind wir schon bei 1
Million€ nur an Reisekosten für die Wahlmänner, nicht zu vergessen das Catering
während der 3-6 Stunden Wahl, Papiere, Saaldiener, Sicherheitsleute, was auch
immer da als notwendig betrachtet wird.
Unternimmt irgendeine politische
Kraft Anstrengungen so eine Steuergeldverschwendung zu vermeiden; ganz
abgesehen davon, dass der Sieger von vornherein feststand und die Wahl damit
nur ein "abnicken" war; Wenn die Bundestagwahl per Briefwahl – ohne jede
Authentifizierung des Absenders - funktioniert, warum sollte es dann bei der
Bundespräsidentenwahl anders sein?
Solche Vorschläge hört man
leider nur aus Richtung der Piraten. Deren Grundhaltung ist von vornherein
"Lasst die Leute mal machen", "Lasst uns unsere Freiheit",
"Beschneidet niemandem Möglichkeiten", vollkommen liberale Grundsätze.
Vielleicht sind die Piraten die neuen Liberalen; die freiheitsliebenden
Steuergeldsparer. Ein Parteiprogramm mit "bedingungslosem
Grundeinkommen" und "kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln"
rückt Sie allerdings in die Ecke der Sozialromantiker und spricht nicht für allzu
viel Wirtschaftskompetenz. Doch alle anderen Parteien haben nichts Besseres zu
tun, als mit Verboten und Regularien zu gängeln.
Wenn sich die FDP überhaupt für irgendetwas
einsetzt, dann wird immer gleich alles so weichgespült,
dass es auch "durchsetzbar" ist. Dabei kommt dann heraus, dass alle
Parteien sich als "Partei der
Mitte" sehen. Wer will denn Mitte, wer will denn durchschnittlich
sein? Niemand bezieht mehr eindeutige Positionen, in jeder Idee wird bereits
der Kompromiss eingebaut. Die Vorschläge aus verschiedenen Richtungen sind sehr
ähnlich, Sie unterscheiden sich fast nur noch in ihren Begründungen. Aus Angst
vor unabsehbaren Wirkungen traut man sich sowie nie an mehr als kleinste
Trippelschritte heran und jede kleine Änderung wird als große Reform ausgerufen
und als Erfolg gefeiert. Wohlgemerkt, Erfolg ist nicht definiert als "Das
neue Gesetz hat nach 10 Jahren eine positive Wirkung gezeigt"; sondern der
Erfolg wird definiert als "Wir
haben es geschafft ein Gesetz zu verabschieden". Die Prüfung des Erfolges
wird zumeist der Presse, einem Journalisten, Blogger oder der
"Öffentlichkeit" überlassen.
Freie Fahrt für Fernbusse hat man 2013 durchgesetzt,
dabei war auch kein typischer FDP-Mittelständler negativ betroffen, sondern nur
die Deutsche Bahn. Reicht für eine Kneipe mit 5 Tischen vielleicht 1 WC aus? Ein
abschließbarer Raum wie in jeder Wohnung ? Nein, es muss für Männer und Frauen
getrennt sein. Darf der Buchhändler mir Rabatt geben wenn ich 10 Bücher kaufe?
Nein, aber ein Geschenk. Wen soll man wählen
wenn man für mehr „Freiheiten“ und Deregulierung ist? Haben die
Liberalen Deregulierungserfolge
vorzuweisen oder wenigstens konkrete Ziele sie umzusetzen? Sicherlich steht
Bürokratieabbau im Parteiprogramm, doch je allgemeiner man die Formulierungen
hält, desto einfacher wird es später sein, irgendwas zu finden, das man als
Erfolg, als „erfülltes Versprechen“ vorweisen kann. Je konkreter man in den
Zielen wird, desto höher steigt die Gefahr zu scheitern.
Kommunalebene, Bundesebene, Europaebene
- nirgends Anstrengungen für Subventionsabbau.
Schlanker Staat, effiziente Informationsprozesse, all die Dinge die der
BWL-Student schon im Grundstudium lernt stehen auf keiner Agenda. Schlanker
Staat heißt sicherlich die Anzahl der Politiker-Jobs zu reduzieren, Behörden
abzuschaffen, Entscheidungswege zu verkürzen, und es ist wohl das Übel an
"alten" Parteien, das sich darin bereits so viele treue
Parteimitglieder ein Pöstchen verdient haben, das man immer auch den eigenen
Leuten weh tun muss.
Ministerien abschaffen?
Grundsätzlich vernünftig ! Aber das Entwicklungshilfeministerium? Ein FDP-Ministerium? Nein das geht nun
wirklich nicht.
Die Freiheit keine Krankenversicherung haben zu müssen
geht vielen zu weit. Über die Freiheit von Hire & Fire läßt sich schon eher
reden, das wird hierzulande über den
Umweg der Zeitarbeit inszeniert. Aber niemand traut sich, es als solches zu
bezeichnen. Zeitarbeit gilt als "Job-Maschine" weil doch so viele
Jobs dort geschaffen werden. In Wahrheit ist das jedoch nur eine Auslagerung
des Kündigungsschutzes in eine andere Firma. Man kann den Arbeiter den man
loswerden will nicht entlassen; man gibt ihn jetzt "zurück". Freie
Marktwirtschaft - Ganz ohne FDP und mit Segen der Gewerkschaften.
Wir brauchen sicherlich
Liberale, aber an der FDP ist nicht viel Liberales zu Erkennen.
Die FDP verteidigt sogar das Ehegattensplitting als ‚liberal‘. Das hörte sich bei Patrick Döring
in etwa so an „Jedes Paar hat die Freiheit zu entscheiden, wer das Geld nach
Haus bringt“. Man könnte es auch liberal nennen, zu sagen „Ein Paar hat die
freie Wahl ob es mit oder ohne Trauschein zusammenleben will“. Ehegattensplitting
subventionieren nur den Trauschein. Aber diese Form der Liberalität traut sich
die FDP nicht, wahrscheinlich wieder aus Angst vor der eigenen Klientel oder
dem Koalitionspartner.
Ähnlich kuriose Bemühungen unternimmt man bei der kalten Progression, dem Effekt der
Steuersatzerhöhung bei Lohnerhöhungen. Anscheinend möchte man jemanden der
schon immer 2600 € verdiente anders besteuern, als jemanden der bisher 2500 €
verdiente und jetzt eine Lohnerhöhung um 100€ bekommen hat. In sämtlichen
Parteiprogrammen und Medien wird das Problem zwar benannt, beschrieben,
analysiert und als ungerecht tituliert, doch anscheinend ist dem Leser ein
Lösungsvorschlag nicht zuzumuten, Ist eine Lösung überhaupt möglich ? Das ist
wohl reiner Populismus und hat mit Freiheit und Gleichheit nicht viel zu tun.
Etwas zu kritisieren, als Aufforderung über Lösungen nachzudenken mag
gerechtfertigt sein. Eine Kritik zum Programm zu erheben „Wir sind auch der
Meinung, dass es schlecht ist“ ist etwas dürftig.
Ich würde mir eine Know-How-Partei
wünschen, die sich traut unpopuläre Lösungen anzusprechen und durchzuführen,
und nicht vor Nicht-Durchsetzbarem zurückschreckt. Die Intelligenz, die sich in
der Schweiz mit der Volksabstimmung zu „Wollt Ihr mehr Urlaub“ – „Nein, wollen
wir nicht“ gezeigt hat, traue ich auch den Deutschen zu, wir haben schließlich
fast eine Abiturquote von 50%.
Die Chance zur internetaffinen Netzwerkintelligenzpartei zu werden, war zwar nach dem Rücktritt
von Guido Westerwelle kurz da, aber man hat aus der Krise leider keine Chance
gemacht. Stattdessen haben wir den
unsichtbarsten und unauffälligsten Außenminister, den Deutschland je gehabt
hat.
Gegen Steuererhöhungen
sein kann jeder. Um Steuern für sinnvolle
Zwecke zu erheben und intelligent, gezielt und mit geringem Verwaltungsaufwand
zu verteilen, gehören Mut und Ideen.
