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Samstag, 18. Januar 2014

Dresden Card 2014 - ein Update

Es gab wieder Reformen bei der Dresden Card, anscheinend scheint das Programm nicht so gut zu laufen, sonst würde man nicht so viel daran herumdoktern.

Mit den Preisen und Vorteilen hatte ich mich schon 2013 ausführlich auseinandergesetzt. Hier nun ein kleines Update für 2014. An den grundlegenden Aussagen hat sich nichts geändert.

Die Nachfrage nach mehrtägigen Fahrkarten ist unbestreitbar vorhanden, die Touristen wollen es bequem und sich nicht täglich neu den Kopf zerbrechen, was für eine Fahrkarte sie denn wofür brauchen. Leider bietet der Verkehrsverbund VVO so eine Fahrkarte nicht an. Es gibt nur Tageskarten und Wochenkarten und die Wochenkarten sind für Kunden kalkuliert, die sie auch täglich ausnutzen.

Bei der Dresden-Card ist zwar 2014 alles anders, aber leider nicht viel besser. Die 3 und 5 Tageskarten wurden gestrichen, dafür gibt es jetzt eine 4 Tages-Karte.

Ein Tourist erwartet, daß er mit einer 4-Tageskarte günstiger fährt, als mit 4 Eintageskarten; bei Abnahme größerer Mengen gibt es schließlich überall einen kleinen Rabatt. Leider lässt sich das mit der Dresden-Card nicht realisieren.

Der typische Tourist kommt als Paar, fährt also mit Familientageskarten am besten.
Die Familientageskarte Verbundraum, für alle Verkehrsmittel der größeren Region von der tschechischen Grenze über Pirna, Dresden, Meißen bis Riesa,  kostet 18,50€.

Für 4 Tage in der gesamten Region würde man also für die Fahrkarte als Paar 74,00€ bezahlen.
Ein realer 4-Tages-Dresden-Besuch sieht aber so aus, daß man 2 Tage eine Tageskarte für Dresden braucht für 2*8,50€ und  weitere 2 Tage für die Region für 2*18,50€ so dass man die Fahrleistung für 54,90€ bekommt,

Was bietet die Dresden-Card nun dagegen:
Eine 4-Tages-Familien-Karte ohne Museen für 74,90 € (geplant, Informationen liegen mir vor).
Eine 4-Tages-Familien-Karte mit Museen für unglaubliche 119,00 €.

Das ist ein Aufpreis von sagenhaften 64,10 € auf die reine Fahrkarte.
Es erfordert schon ziemliche Museumsenthusiasten, wenn man wirklich an 3 aufeinanderfolgenden Tagen die ca. 20€ je 2 Personen Eintrittsgeld sparen will. Der freie Eintritt gilt weiterhin ausschließlich für die verschiedenen Kunstsammlungen, nicht für das Historische Grüne Gewölbe, das Hygienemuseum , das Militärhistorische Museum oder die Technischen Sammlungen. Alles touristisch attratkive Angebote.

Anscheinend wurden die Preise so kalkuliert, das man am gleichen Tag sowohl ins Museum geht, als auch noch nach Meißen oder Bad Schandau fährt. Das ist sicherlich nicht realistisch.

Wegen der sonstigen Rabattpartnern, mit denen man hier und da mal einen Euro sparen kann, lohnt sich der Erwerb der Dreden-Card leider auch nicht. Da wird es schwer mehr als 10 Euro einzusparen, wenn man nicht wirklich zielgerichtet Rabattpartner für Rabattpartner abklappert.

Sich 4 Tageskarten beim Verkehrsverbund zu kaufen ist zwar scheinbar mühsamer, als nur eine Einzelkarte, dafür gibt es sie jedoch an jedem Deutsche-Bahn und Haltestellenautomaten, wahrscheinlich sogar bei jedem Busfahrer. Was auch nicht jeder Tourist weiß: Man kann die Fahrkarten im Voraus kaufen, sie gelten nicht nur am Verkaufstag sondern werden erst durch Abstempeln entwertet. Im Notfall kann man sie also bei vorzeitiger Abreise noch weiterverkaufen.



Die Dresden-Card ist mit der vierdimensionalen Einteilung in
  • Single / Familie
  • Dresden / Region
  • mit Kunstsammlung / ohne Kunstsammlung
  • 1 Tag / 2 Tage / 4 Tage
deutlich zu kompliziert, zumal nicht jede Eigenschaft mit jeder anderen frei kombiniert werden kann, sondern aus der Entscheidung für ein Merkmal sofort auch der Kauf anderer Merkmale folgt.
Zwei Tageskarten kosten deutlich weniger als eine 2-Tageskarte.
Zwei 2 Tageskarten sind wieder günstiger als eine 4 Tageskarte.
Dem Touristen wird eine Vielzahl an  Möglichkeiten geboten, falsche Entscheidungen zu treffen.
Die Dresden-Card will anscheinend dazu verleiten, Geld für Leistungen auszugeben, die Besucher gar nicht in Anspruch nehmen wollen.









Dienstag, 31. Dezember 2013

Theater zwischen Marktwirtschaft und Sozialpolitik
Müssen Theaterkarten billiger als Kino sein ?


Aus kommunalen Theatern hört man ständig, wie knapp doch die finanziellen Mittel seien. Vor 2 Jahren mussten die Landesbühnen Sachsen bereits Ihr Sinfonieorchester auflösen, bzw. mit der Elblandphilharmonie fusionieren. Das Geld reicht nicht aus,  doch anstatt die Eintrittspreise zu erhöhen hat man den Generalmusikdirektor entlassen, den Musikern das Gehalt gekürzt, das Angebot von 3 Vorstellungen je Konzert auf eine Vorstellung gekürzt und die Eintrittspreise gesenkt.

Die Landesbühnen Sachsen geben 25% Weihnachts-Rabatt, die Musikfestpiele Dresden bieten Karten incl. Stollen an, das Moritzburg-Musik-Festival besondere CD‘s, die Staatsoperette lädt gleich kostenlos zum Konzert ein und so buhlen alle um die Aufmerksamkeit der immer gleichen Personen. Die Stücke mögen noch so gut und die Preise noch so niedrig sein - wenn der einzelne Zuschauer jede Woche ins Theater gehen würde, würde es den Reiz des Besonderen verlieren und sich selbst zu etwas Gewöhnlichem, zu Alltag, degradieren.

Jeder Einzelhändler würde Preissenkungen lauthals herausposaunen, "Jetzt 20% auf alles", nur so haben reduzierte Preise auch die Wirkung neue Kunden zu bringen. Doch bei den Landesbühnen geschah das leise, still und fast heimlich. 

So sahen die Preise für ein Anrecht der Saison 2012/13 aus:



Und das ist daraus ein Jahr später geworden:

Anfangs glaubt man noch an Druckfehler, doch die Karten werden wirklich für diese Preise verkauft.

Es wird noch besser: Zu diesen 5 Konzerten a 7 € für 35 € bekommt man noch einen Gutschein für weitere 10 €, und etwas später noch eine Freikarte für eine Veranstaltung ohne genaue Wertangabe, ich setze mal einen Mindestwert von 5 € an.
Am Ende zahlt man für seine 5 Konzerte einen effektiven Preis von 20 €. Alleine 2,32€ werden für das Porto verwendet, die man braucht um so ein Abonnement zu managen. Wieviel bleibt denn dann noch für die Künstler übrig ?

Man kennt Sonderangebote zu reduzierten Preisen von Bahn und Fluggesellschaften. Doch dort wird die Menge der Billig-Tickets begrenzt. Im Theater nicht. Egal ob 300 Senioren kommen oder 100 Harz-IV Empfänger, das Recht auf Rabatt ist nicht kontingentiert. Zusätzlich wird noch für den Verkauf von Anrechten geworben, für noch mehr rabattierte Karten.

Für den normalen Vollzahler sehen die Preise so aus. 
Ein wenig günstigere Preise erwartet man in einem Anrecht, schließlich geht man unbesehen in jede Vorstellung, egal was geboten wird. Fünf zum Preis von Vier wäre ein gutes Angebot. Doch im Vergleich zur Abendkasse zahlt man in Preisstufe 2 nur 7€ im Anrecht anstatt 15€ an der Abendkasse. Das sind 55% Rabatt, die sich durch oben gezeigte Gutscheine weiter erhöhen. Wenn man mit einem Abonnement sein Theater fördern möchte, indem man es besonders häufig besucht, ruiniert man es, in dem man nur ca. ein Drittel dessen zahlt, was an der Abendkasse verlangt würde.

Den Vollpreis zahlen nur wenige, denn es gibt Rabatt für Studenten, Senioren und für Hartz-IV Empfänger. In Sinfoniekonzerten dürfte es nicht mehr als 10% Vollzahler geben, Zahlen bzgl. Auslastung und gewährten Ermäßigungen werden leider von keinem Theater veröffentlicht.
Während woanders Kurzentschlossene an der Abendkasse einen Last-Minute-Rabatt erhalten, kostet es an den Landesbühnen Sachsen noch 2€ Aufpreis. Haben die Gewerkschaften vielleicht einen tariflichen Aufschlag für Ticketverkäufer, die nach 18 Uhr arbeiten, vereinbart, oder wie kann man erklären, das Kurzentschlossene derartig "bestraft" werden ? Eine holländische Auktion der Restkarten wäre doch eine gute Idee, der Preis fällt ständig, bis alle Karten verkauft sind. Falls es mehr freie Plätze als Interessenten gibt, würden die Karten natürlich für 0€ verkauft, aber wenn sich das herumspricht wird das nicht allzu oft passieren und es kostet das Theater keinen Pfennig.

Über die Struktur des Publikums veröffentlicht das Theater keine Zahlen, obwohl es sicherlich leicht aus dem Kassensystem zu ermitteln wäre. Ich schätze darum mal die Besucherzahlen für Sinfoniekonzerte:
  • 140 Abonnenten.
  • 60 Senioren, Schwerbeschädigte, ALG-II Empfänger und Sozialpassinhaber im Freiverkauf
  • 10 Studenten, davon 10 von der Hochschule für Musik 
  • 8 Freikarten für Bürgermeister, Landräte, Mitglieder des Landtages usw., alle in Preisklasse 1
  • 6 Kinder unter 18.
  • 14 Erwachsene Vollzahler
= 238 Besucher, davon 6% Vollzahler.

Vielleicht traut sich mal ein Theater derartige Zahlen zu veröffentlichen.

Die pauschale Rabattierung über das Alter ist nicht angemessen. Die Zeiten in denen Rentnerhaushalte zu den Geringverdienern gehörten sind definitiv vorbei. Gerade im Osten, wo der Doppelverdienerhaushalt die Regel ist, haben Rentnerpaare häufig mehr Haushaltseinkommen, als ein vollzeitbeschäftigter alleinerziehender Geringverdiener. Warum sollte man einen Rentnerhaushalte mit 1500€ Einkommen anders behandeln als einen Alleinverdienerhaushalt mit 1500€ Einkommen? Einkommensschwache Haushalte zu fördern ist gerechtfertigt, Senioren pauschal als einkommensschwach zu kategorisieren, jedoch nicht. Mit irgendeinem Bedürftigkeitsnachweis kann man kulturelle Veranstaltungen genauso subventionieren wie den öffentlichen Nahverkehr. Aber deswegen kann man doch von Nichtbedürftigen angemessene Preise verlangen.

Man muss sich einmal vergegenwärtigen, das eine Kinokarte, in 3D und 12-Kanal-Ton ca. 12-14€ kostet. Live-Übertragungen von Konzerten, Opern und Balletten auf der großen Leinwand werden für ca. 16-20€ angeboten.

Darf eine Theaterkarte nicht teurer sein als eine Kinokarte? Wäre ein Preis, etwa doppelt so hoch wie im Kino, nicht angemessen ?  Im Theater sind 20-100 Menschen auf der Bühne, Im Kino nur ein Filmvorführer, der für 8 Kinosäle zuständig ist.

Preise zu reduzierten unterstellt immer, die Gäste würden ausbleiben, weil es Ihnen zu teuer ist. Leider ist das nicht immer der Fall. Vielleicht interessiert die Gäste das Angebot einfach nicht.

Lust auf Theater kommt nicht über niedrige Preise sondern über Bildung, ein Interesse das irgendwann einmal geweckt wurde. Wer in den letzten 40 Jahren nie im Theater war, wird auch in den nächsten 40 Jahren höchstwahrscheinlich kein Interesse haben, ein Theater zu besuchen. Mit 10€ Kultur-Budget im Monat geht jemand vielleicht lieber ins Kino oder sieht sich 2 Filme im Pay-TV an. Das sind Alternativen die sich nicht wegdiskutieren lassen, und die für viele Zuschauer attraktiver sind, als ein Theaterbesuch.

In der Semperoper gibt es faire Preise, normal gekaufte Vollzahler-Ticket kosten ca. 44 €. Dabei stehen in die Semperoper ca. 1300 Plätze zur Verfügung stehen, während es in der Provinz meist nur Säle mit 400 Plätzen gibt. 


Die Berliner Symphoniker bieten seit ein paar Jahren die Live-Übertragung Ihrer Konzerte in der
Digital Concert Hall an. Ein Ticket für die Übertragung auf den heimischen PC oder Fernseher kostet 9,90€. Wenn man bedenkt, dass man auch zu zweit oder dritt vor dem Fernseher sitzen kann, nicht zu teuer. Video-On-Demand für einen aktuellen Blockbuster in HD kostet ca. 5,99€, für ein einmaliges Live-Event kann man schon ein paar Cent mehr verlangen. Für den ländlichen Raum gibt es also Lösungen, die Kultur zugänglich macht. 

Der Wunsch nach kommerziellem Erfolg scheint in Kulturbetrieben verpönt zu sein. Es ist weder zu beobachten das Kosten gespart werden, noch das Einnahmen erhöht werden sollen. "Kommerzialisierung" gilt als Frevel.

Einzig glücklich machende Kennzahl ist die Besucherzahl. Es wird alles für mehr Besucher getan und nur wenig für mehr Einnahmen. Die Dresdner Neuesten Nachrichten verkünden 6000 mehr Besucher in den Landesbühnen in der letzten Spielzeit. Leider erfährt man nicht, ob auch der Umsatz gestiegen ist. 25% Rabatt zu geben um 10% mehr Besucher zu bekommen wäre ein schlechtes Geschäft gewesen. Ganz sicher würden sich die Besucherzahlen noch weiter steigern lassen, wenn man den Gästen neben einer Freikarte auch noch 1€ pro Stunde gibt. 

Der Ansatz "Kulturbetrieb ist nicht kostendeckend durchführbar" scheint so weitgehend akzeptiert, das man aufgegeben hat, das Gegenteil zu versuchen.

Das man mit 300 Karten á 25 € mehr verdient als mit 400 Karten á 15 € ist  "Kulturschaffenden" anscheinend nicht beizubringen. 75% Auslastung sehen schlecht aus, sowohl im Saal, als auch in der Statistik, und so werden die Karten um jeden Preis unters Volk gebracht. Koste es was es wolle. Der Aufschrei kommt erst dann, wenn die Politik mit Subventionskürzungen droht.

Bis Heiligabend 2013 gab es 24% auf alle Tickets der FelsenbühneRathen. Die Aktion wurde jetzt sogar bis zum 24. Januar verlängert. Die besten Sitzplätze werden heute mit Rabatt abverkauft, und der Tourist, der vielleicht erst bei einem Ausflug nach Rathen das erste Mal davon hört, das es dort eine Bühne gibt, und sich kurzfristig eine Karte zum Vollpreis kaufen würde, bekommt entweder keine Karte mehr, oder muss sich mit den schlechtesten Plätzen zufrieden geben. Die spontanen Vollzahler sitzen also auf den billigsten Plätzen, die treuen Stammkunden sitzen mit Rabatt in der ersten Reihe.

Am 27. Juni 2014 ist die Premiere von „Fame“ auf der Felsenbühne. Eine gute Idee, ein Stück zu wählen, dass man bereits aus einem Film kennt und den Altersdurchschnitt des Publikums wahrscheinlich von 67 auf 45 senken könnte. Obwohl man den Erfolg des Stückes noch nicht abschätzen kann, beginnt man heute schon den Abverkauf mit Rabatten zu fördern. 

Eine Karte die heute mit 25% Rabatt verkauft hat, kann man morgen nicht mehr zum Vollpreis verkaufen.

Jeder Rabatt bedeutet Verzicht auf Einnahmen. In der Privatwirtschaft bedeuten Rabatte zumeist nur Verzicht auf Gewinn, der Händler gibt etwas von seiner Gewinnmarge an den Käufer ab. Doch wo keine Gewinne existieren kann man auch nichts davon abgeben.

Muss man denn dem Zuschauer je 5€ schenken, damit Sie Ihre Karte heute kaufen, anstatt eine Woche vor der Vorstellung? Was hat ein Theater davon, wenn Karten möglichst frühzeitig verkauft werden? Wenn "Die Ärzte" oder "Roland Kaiser" am Dresdner Elbufer ausverkauft sind, werden Zusatztermine angeboten, damit möglichst viel Zahlungsbereitschaft abgeschöpft werden kann. Doch davon ist an öffentlich rechtlichen Theatern nur selten etwas zu merken. Ein einmal aufgestellter Spielplan bleibt erhalten.
Es gibt keine Zusatzvorstellungen. Alle Theatermitarbeiter sind fest angestellt und sehen in zusätzlicher Arbeit wahrscheinlich nur zusätzlichen Aufwand und nicht zusätzliche Einnahmen. Wenn die Karten so billig sind, das man mit jeder Vorstellung von Vornherein nur Verluste macht, ist es sogar rational, möglichst wenige Vorstellungen anzubieten.
Irgendjemand muss aber so viel unternehmerischen Sachverstand haben den Erfolg einzelner Stücke zu promoten und gegebenenfalls auch Vorstellungen bei mangelndem Interesse abzusagen. Warum sollte man 2 Vorstellungen vor je 100 Gästen spielen, wenn man einen Saal für 400 Personen hat? Jede Charterfluggesellschaft legt bei geringer Nachfrage Flüge zusammen.

Einsparmöglichkeiten die das Kulturangebot nicht reduzieren gibt es viele. Aber solange die öffentlichen Subventionen auf eingefahrenen Gleisen weiter fließen um den Status-Quo zu erhalten denkt man über solche bislang als unkonventionell geltenden Ideen nicht nach.

Neben der Felsenbühne ist die Sächsische Dampfschiffahrt eine Top-Attraktion in Rathen. Vielleicht wären 25% Rabatt auf eine Art Kombi-Ticket sinnvoll, doch die beiden Unternehmen reden nicht einmal miteinander. Die Fahrpläne sind nicht auf die Spielzeiten abgestimmt. Die letzte Ankunft in Rathen ist 14:45, das ist für die 15 Uhr Vorstellung zu spät, für die 20 Uhr Vorstellung zu früh. Die letzte Rückfahrt um 17:15 ist etwas knapp um nach dem Ende der 15 Uhr Vorstellung rechtzeitig am Anleger zu sein, 17:45 wäre deutlich günstiger und man würde immernoch bequem um 20:15 zum Abendessen in der Dresdener Innenstadt einlaufen.

Andere Spielstätten bieten ein Kombi-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr an. Ein Nachtticket für den gesamten Verkehrsverbund kostet im Einzelkauf 7€. Als Kombination mit einer Eintrittskarte und abzüglich Verkaufsprovision ist es für die Landesbühnen sicherlich für 5€ zu bekommen. Als Fahrkarte wäre der "Rabatt" viel besser angelegt, als als "Barauszahlung". Damit könnten Gäste aus Riesa, Hoyerswerda, Pirna, Meißen die Landesbühnen (kostenlos) erreichen. So ein Nachtticket, das ab 18 Uhr gilt, funktioniert natürlich nur, wenn die Veranstaltungen nicht schon um 19 Uhr beginnen.

Wegen der vielen Spielstätten in ganz Sachsen verfügen die Landesbühnen Sachsen über einen großen Fuhrpark. Bei Aufführungen im Stammhaus könnte man die Busse nutzen um Gäste nach Voranmeldung persönlich an der Haustür abzuholen. Gerade Senioren, denen man wahrscheinlich am wenigsten erklären muss, wer "Die Dreivon der Tankstelle“ oder „Frau Luna“ sind, erreichen das Theater wegen fehlendem öffentlichen Nahverkehr nach 18 Uhr nicht oder haben zumindest Probleme bei der Rückfahrt nach 22 Uhr. Bei 10 verkauften Tickets kann man doch den Kegelclub, Gesangsverein oder sonstige Seniorenvereinigungen aus Hinterposemuckel abholen und wieder nach Hause fahren. Teurer als 25% Rabatt zu gewähren wird das auch nicht, zumal der Busfahrer wahrscheinlich festangestellt ist, und der Bus sowieso nur so herumsteht wenn im Stammhaus gespielt wird.

Es gibt so viel bessere Möglichkeiten Gäste zu animieren ein Theater zu besuchen, als über billigere Eintrittskarten.

Nicht zuletzt spielt natürlich der Spielplan die wesentliche Rolle. Der ist im Allgemeinen sehr Abwechslungsreich für Jung und Alt, nur für moderne und unbekannte Stücke muss man mehr Werbung machen. Jeder Kinofilm hat einen 3min Trailer, im Theater wird davon nur sehr zögerlich Anwendung gemacht. Das "Fotografieren und Filmen ist verboten". Damit verbietet man doch auch mal ebend schnell ein Foto auf Facebook, Twitter oder Google+ zu posten. "Weiterempfehlen" und "Mund-Zu-Mund-Propaganda" geschieht heute nicht mehr durch  Erzählungen in der Kantine sondern mit Fotos auf sozialen Netzwerken. Ein Foto, in der Theaterpause versendet, während die Begeisterung für die Veranstaltung noch voll in einem steckt, ist mit nichts zu ersetzen und vor allem vollkommen kostenlos. Wegen übervorsorglich ausgelegter Interpretationen des Urheberrechtes verbietet man den Gästen Werbung zu machen.

Im Theater gilt immer noch: Gegessen wird was auf den Tisch kommt. Den Spielplan bestimmt die Intendanz und wenn das Theater leer bleibt, sind alle anderen Schuld, aber nicht das Programm.

Heißt soziale Gerechtigkeit, dass die gesamte Sozialgemeinschaft den Theaterbesuch finanziert. Gerade im Theater, das seine Zuschauer eher aus dem Bildungsbürgertum rekrutiert, gibt es besonders viele, "die es sich leisten können". Es liegt wohl außerhalb der Vorstellungskraft sich das Geld bei denen zu holen, die die Dienstleistung Theater in Anspruch nehmen: Den Zuschauern.
Warum soll ein Theater nicht vorrangig von denen finanziert werden, die das Theater besuchen und sogar bereit sind, für diese Dienstleistung zu bezahlen. Man traut sich einfach nicht, von den Gästen Geld zu verlangen. Von Marktforschungen die besagen, dass die Gäste ausbleiben würden, wenn die Karten 10€ teurer würden, ist nichts bekannt. Pro Vorstellung 20 Freikarten für Harz-IV Empfänger wäre wohl die bessere Lösung, als allen Zuschauern ein "billiges Vergnügen" zu bieten.

Liebe Theater, bitte nehmt anständige Preise, weder Andrea Berg, noch André Rieu, noch Rammstein gibt es für weniger als 25€ und diese Veranstaltungen sind voll - Gäste sind bereit für gute Leistungen zu bezahlen.

Dienstag, 2. Juli 2013

Rabattkarten ohne Rabatt: Jahreskarten bei der Sächsischen Dampfschifffahrt

Ich fahre gerne mit der Sächsischen Dampfschifffahrt (SDS), wohne nicht allzu weit von der Elbe entfernt und habe darum den Kauf einer Jahreskarte in Erwägung gezogen. Leider musste ich dabei feststellen das dort Tarife angeboten werden, die angeblich Vielfahrern einen Rabatt versprechen, aber  nicht gewähren.

Ob man bei der SDS von attraktiver Tarifgestaltung nichts versteht und sich dessen gar nicht bewusst ist, oder einfach nur die Fahrgäste zum Narren halten will, bleibt offen.

Für 100€ wird eine Flat-Rate angeboten, 1 Jahr fahren so viel man möchte. Jetzt hat man sich anscheinend bei der Bahn abgeguckt, das es dort eine Bahncard 25 und Bahncard 50 gibt, und verspricht ebenfalls 25% Rabatt für 25€ und 50% Rabatt für 50€.



Die jeweils unterste Linie zeigt den jeweils niedrigsten Preis für alle möglichen Summen bis 150€, die eine Person eventuell für Fahrkarten in 12 Monaten ausgeben könnte.
Für alle Beträge unter 100€ ist der Normalpreis am günstigsten. Für alle Preise über 100€ ist eine Jahreskarte 100 günstiger. Mit 25% Rabatt für 25€ oder 50% Rabatt für 50€ zahlt man immer drauf – egal wie viel man fährt.

Ab wann zahlt man 100€ Fahrpreis? 
6mal Königstein-Dresden (4 Stunden) oder 4mal Dresden-Königstein Dresden ( 9 Stunden !)
Die Jahreskarte lohnt sich erst sehr spät.
Zum Vergleich: Eine Jahreskarte für den Zoo Dresden lohnt sich schon ab 3 Besuchen (ca. 1 Stunde)

Jeder, der eine Jahreskarte kaufen möchte, müsste diese Analyse machen, um sich für die "richtige" Karte zu entscheiden. Mehr Karten anzubieten, heißt die Wahl zu erschweren. Manchmal wäre weniger mehr. Die Flatrate-Jahreskarte für 100 Euro würde vollkommen genügen.

Vielleicht wäre zusätzlich 25% oder 50% Rabatt auf Speisen und Getränke sinnvoll, um diesen beiden Jahreskarten noch einen sinnvollen Zweck zu verleihen. Bei der Flat-Rate-Jahreskarte 100 erwartet man eher nicht, dass es auch noch ein Flat-Rate All-You-Can-Eat für 1 Jahr dazu gibt. Ohne geänderte Konditionen sollten die Jahreskarte 25 und Jahreskarte 50 ersatzlos gestrichen werden, und zwar nicht erst im nächsten Jahr, sondern, aus Gründen des Verbraucherschutzes, sofort.

Nur die Jahreskarte 100 ermöglicht, das man nicht bei Fahrtantritt entscheiden muss wo man aussteigen will, sondern ganz spontan entscheiden kann; vielleicht auch mal aus einem Schiff aussteigen und 2 Stunden später mit dem nächsten weiterfahren. Tageskarten hat die SDS sonst nur für Familien mit mindestens 1 Kind vorgesehen. Bei Jahreskarten sind dagegen gar keine Kinder eingeplant.

Die "Stadt Wehlen" am Anleger in Kurort Rathen
Ich zahle gerne den Fahrpreis und trage damit zum Erhalt der Dampfschiffe bei. Aber wenn man die Einnahmen steigern will, dann sollte man vielleicht um Spenden bitten, und eine Spendenquittung ausstellen, und die Fahrgästen nicht hinters Licht führen und den Eindruck erwecken, man könne durch eine kleine Einmalzahlung dauerhaft etwas sparen.

Alternativen für Gern-, Viel- oder Langstreckenfahrer

Falls Sie immer zu zweit Fahren ist eine Jahreskarte Plus für 175€ für 2 Personen sogar noch günstiger. Das Schöne daran ist, das nur eine Person auf der Karte eingetragen wird und jedes Mal ein anderer Gast mitgenommen werden kann.

Es gibt auch ein paar Möglichkeiten ganz kostenlos 10% Rabatt zu bekommen. In vielen Coupon-Heften, Werbeaktionen, für Schüler und Studenten oder auf Rückseiten der  Karten für die Landesbühnen Sachsen/Felsenbühne Rathen gibt es kostenlos 10% Rabatt.

Wer an seinem Geburtstag fährt, fährt auch umsonst. In den Tarifbestimmungen steht etwas vieldeutig "Geburtstagskinder"; die Regelung gilt aber auch für Erwachsene, ich hab‘s getestet. Fast ein Fall von "geheimen Marketing", wir geben Rabatte, aber sagen es nicht deutlich.

Wer gerne Langstrecken fährt: Rückfahrten gibt es fast umsonst: Dresden-Bad Schandau: 22,20€; Die Rückfahrt gibt es für 2,80€. Man könnte auch sagen, es gibt Tageskarten für 25€, aber das bewirbt die SDS nicht unter diesem Titel denn Fahrtunterbrechungen sind nicht erlaubt.
2 Erwachsene Dresden-Bad Schandau: 44,40€. Nehmen Sie irgendein Kind mit und Sie zahlen nur 39,90€. Sozialtarife sind gut und schön, aber es lassen sich auch immer negative Interpretationen finden. Warum darf ein Doppelverdiener-Haushalt seine Kinder umsonst mitnehmen, aber eine allein erziehende Mutter muss für Ihr Kind ein Ticket kaufen?

Wenn die Rabattangebote zu vielfältig und zu undurchsichtig werden, dann stellt sich bei den Gästen leicht Frust ein, "Wer soll denn das verstehen", "das ist ja kompliziert", "Wie kann ich sicher sein nicht zu viel zu bezahlen". Diese Effekte kennen wir alle von der Deutschen Bahn. Tarifdschungel nennt man das dort.

Das Kombiticket Dampfschiffahrt + Verkehrsverbund lohnt sich auch eher selten.
Kombiticket 34,50€; Dampfschiff Dresden- Königstein + Tageskarte VVO-Verbundraum: 33€.
Für 2 Personen wird es noch deutlicher: Selbst mit dem teuersten Dampfschiffticket für 25€*2 Personen + 17,50 Verbundraumtageskarte zahlt man mit 67,50 weniger, als mit Kombitickets für 69€ für 2 Personen. Noch so ein vorgetäuschtes Rabattversprechen. Aber nehmen Sie ein Kind mit und Sie bekommen den ganzen Spass für 50€. 

Sobald man Hin-&Rückfahrt mit dem Dampfschiff bucht wird es wieder weniger Wert, weil man dort aussteigt wo man einsteigt und meist nur eine einfache Fahrkarte für eine VVO-Zone braucht. Für Gäste aus Kamenz oder Hoyerswerda (auch noch im VVO) wäre das Ticket sicher interessant, aber es wird leider nur an Dampferanlegestellen verkauft. Für die Anreise zur Anlegestelle ist es damit nicht zu gebrauchen.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Für wen lohnt sich die Dresden-Card ?

(Zu dem Artikel gibt es ein Update für 2014, die Aussagen hier gelten jedoch weiterhin.)

Städtetouristen kaufen sich gerne Mehrtagestickets für Bus & Bahn um sich nicht mehrfach an fremden Automaten herumzuquälen, um komplizierte Tarifzonen zu kümmern, und nicht durch fremde Städte mit dem Auto navigieren zu müssen.

Leider bietet der VVO, der Verkehrsverbund Oberelbe rund um Dresden, eine solche Karte nicht an. Es gibt nichts zwischen einer Tageskarte und einer Wochenkarte.

In Dresden hat man den Trend anderer Städte übernommen und eine Dresden-Card erfunden bei der die Fahrkarte mit gewissen Rabatten bei touristischen Angeboten kombiniert werden.
Leider fallen die Rabatte sehr dürftig aus. Die staatlichen Museen sind kostenlos, sofern man mindestens eine 2 Tages Dresden-City-Card kauft. Für einen Mehrnutzen zahlt man natürlich auch gerne einen Mehrpreis, denkt man sich als Tourist.
2 Tages-Fahrkarten für Dresden kosten 11€, 1 Eintritt in ein Museum 10€, das sind 21€. Eine 2-Tages Dresden-Card für 1 Person kostet 26€. Ein Museumsbesuch reicht noch nicht aus, um den Mehrpreis zu rechtfertigen. Man muss  noch weitere Angebote nutzen. Das ist jedoch gar nicht so einfach.




Die meisten Touristen gehen in das Historische GrüneGewölbe, doch das ist von sämtlichen Rabatten ausgenommen. Das Hygienemuseum oder das Militärhistorische Museum oder das Verkehrsmuseum kommen gut bei den Besuchern an, insbesondere auch bei unter 16-jährigen  dort erhält man jedoch immer nur 10% Rabatt, also spart ca. 1€.
Außerdem muss man wissen, dass die meisten Kunstsammlungen mit nur 2 Tickets zu erreichen sind:
  • 10€ für Neues Grünen Gewölbe, Rüstkammer, Türkischer Kammer, Kupferstich-Kabinett, Hausmannsturm
  • 10€ für Gemäldegalerie Alte Meister, Mathematisch-Physikalischen Salon und Porzellansammlung
Im Flyer zur Dresden-Card wird das dargestellt als hätte man freien Eintritt zu 8 Einrichtungen.
Doch man spart nicht 8 mal Eintritt, sondern nur zweimal. Mehr als 20 € ist je Person nicht einsparbar, egal ob man 2 Tage oder 5-Tages-Karten kauft. Bei 5 Tagen kann man sich mehr Zeit lassen, aber wer sparsam ist und eine Tageskarte für je 4 Museen hat,  der würde sicher auch 4 Museen an einem Tag besuchen. Aber kennen Sie jemanden der im Urlaub ohne Schlechtwetterperiode in mehr als 3 Museen in einer Woche geht?

Was kann man sonst noch so sparen mit der Dresden-Card ?
2€ bei der Stadtrundfahrt,  10% von einem Mittagessen , 1 Euro hier, 1 Euro da,
Es ist ziemlich schwierig an 2 Tagen 6€ einzusparen, wenn sie nicht ständig mit der 100-seitigen Dresden-Card-Broschüre in der Hand, sich darauf beschränken in den 2 Tagen ausschließlich in "teilnehmenden Restaurants" zu speisen.

Das bedeutet aber unter Umständen, sie Essen evtl. Ihr Schnitzel in einem Restaurant für 12€ mit 10% Rabatt, (=10,80€) Obwohl es vielleicht im Restaurant nebenan von vornherein nur 9,90€ kostet, ganz ohne Rabatt und ohne Dresden-Card. Die Ersparnis kann man sich einbilden. 

Theaterkarten gibt es mit 10% Rabatt. Doch wie soll man die kaufen ? Sie müssen beim Kauf der Theaterkarte die Dresden-Card vorlegen, das heißt Kauftag=Besuchstag, der Rabatt gilt also nur an der Abendkasse für ein paar Restplätze, für ausverkaufte attraktive Veranstaltungen nutzt die Karte Niemandem. Eine Theaterkarte kauft man schon mal 3 Monate im Voraus, die Dresden-Card eher nicht. Falls doch müßte man erst eine Dresden-Card für Tag X kaufen, dann persönlich an der Theaterkasse ein Ticket für Tag X kaufen, mit dem Risiko das gar kein Platz mehr verfügbar ist. Es gibt kein Online-Buchungssystem das die "Vorlage" der Dresden-Card akzeptiert.

Viele Vorteile der Dresden-Card sind sehr saisonal und können gar nicht ganzjährig in Anspruch genommen werden, trotzdem ist die Karte das ganze Jahr lang gleich teuer. 

Im Vergleich mit anderen Regionen ist die Dresden-Card sehr teuer und bietet finanziell sehr geringe Vorteile. 

Stand 2013
3 Tage
3 Tage
3 Tage


1 Person
2 Erwachsene

4 Kinder
5 Erwachsene

Dresden + Region
49,90 €
71,90 €
193,70 €
Dresden-Regio-Card
München + Region
32,90 €
53,90 €
53,90 €
Hamburg + Region
49,90 €
79,90 €
79,90 €
Berlin+
Potsdam
24,90 €
49,80 €
124,50 €
Wien
19,90 €
39,90 €
99,50 €
  Notiz am Rande: in Wien kauft man eine Karte, in allen deutschen Städten eine Card.

Die Tourenvorschläge
Der Flyer bietet verschiedene Touren an, die aber sehr lieblos zusammengestellt sind.2012 waren dort Touren enthalten die überhaupt nicht realisierbar sind. In etwa so. "Morgens in Dresden etwas besuchen, mit dem Schiff nach Meißen, Porzellanmanufaktur besichtigen". Allerdings fahren die Schiffe nur ca. 9:30 und 16:30, in Dresden macht vor 9:00 nichts auf, was man besuchen könnte, und die Porzellanmanufaktur macht 17:00 zu. Wahrscheinlich hat die Tour irgendeine Werbeagentur weit außerhalb Dresdens zusammengestellt. Man hat sich jetzt schon verbessert.
Jetzt gibt es andere „verrückte“ Angebote: Nach dem Frühstück fahren wir nach Königstein und mieten uns  ein Schlauchboot. Wir sind im Urlaub, vor 10 Uhr sind wir nicht in Königstein. Wenn man nicht hetzt und mal eine Mittagspause macht ist man frühestens 15 Uhr in Pirna. Nicht unbedingt trocken, vielleicht in Badesachen. Dann sagt der Tourguide „Wir schauen uns die Festung Königstein an“. Der Rückholservice des Kanuverleihs aus Königstein spart etwas Zeit, aber vor 16 Uhr ist man nicht oben, will sich was anschauen, muss sich beeilen damit man bis 17:30 fertig ist, um 18 Uhr die S-Bahn nach Rathen erwischt, mit der Fähre übersetzt, sich um 19 Uhr noch schnell eine Bratwurst reinziehen kann um um 20 Uhr auf der Felsenbühne zu sein, um dort zu hoffen noch eine Restkarte zu bekommen, weil es den Rabatt ja nur dann gibt, wenn man die Dresden-Card vorlegt. Nein, das Problem ist ehrlicherweise ein anderes: Außer Freitags und Samstags und auch nur von Juli bis August gibt es fast gar keine  Abendvorstellung weil  über 50% aller Vorstellungen für Kinder sind, und eher am Nachmittag stattfinden.
Also wer möchte nach 5 Stunden Paddeln ohne zu Duschen noch auf eine Festung und ins Theater ?  „Faszination Sächsische Schweiz“ nennt sich diese Tour. Das Problem ist nur das die Sächsische Schweiz keinen Eintritt kostet. Vor dem Besuch der Felsenbühne steigt ein normaler Besucher eventuell vollkommen kostenlos auf die Bastei.Die Tourenplaner müssen aber möglichst viele teure Attraktionen in den Plan einbauen um möglichst viel Rabatt suggerieren zu können. Wandern kostet nichts.
Wer Spass hat an wilden Schnitzeljagden im Zickzack durch Dresden und Vororte sollte sich mal die Tourenvorschläge der Dresden-Card anschauen. Nach dem Karl-May-Museum Radebeul empfehle ich zum Abendessen einen Radebeuler Winzer oder Sushi&Wein direkt neben dem Museum. Die Dresden-Card empfiehlt ein Essen am Dresdner Hauptbahnhof im Shopping District. Reizend.
Nach dem Schloss Pillnitz soll man wahlweise im Großen Garten Essen gehen (13 km), oder im Lingnerschloss, "nur" 10km entfernt, aber mit 2mal Umsteigen über Bühlau Fahrzeit 1 Stunde 5min; Als wenn es in Pillnitz oder Loschwitz nichts zu essen gäbe -  es gibt nur keine Dresden-Card Teilnehmer. Ich empfehle die Elbterrasse Wachwitz, die standen gerade (Juni 2013) im Wasser und jeder Umsatz hilft bei der Schadensbeseitigung (sobald sie wieder geöffnet ist).

Wo bleibt das Geld ?



Einen Anteil bekommt der Verkäufer, die Aufteilung in Fahrtkostenanteil und Anteil für die Kunstsammlungen muss er selbst machen, denn dem Fahrkostenanteil unterliegt keine Mehrwertsteuer, dem Museumsanteil 19%. Eine sehr aufwendige Bürokratie.
Jede Dresden-Card hat eine eigene Seriennummer, die Nummer muss der Verkäufer der Dresden-Marketing GmbH melden, und zwar nicht nur die verkauften, sondern auch die unverkauften. Dafür gibt es keine Software, oder eine Web-Site, man muss Zettel per Hand ausfüllen und per Brief verschicken. Mittelalterliche Methoden und ein unheimlicher personeller Aufwand auf beiden Seiten, wie ihn sich nur eine öffentlich-rechtliche Bürokratie ausdenken kann.


Die Stadtmarketing GmbH hat anscheinend bei der Aufteilung der Gelder schlecht verhandelt. Der Verkehrsverbund bekommt annähernd den vollen Preis Ihrer gewöhnlichen Einzelfahrkarten zugesprochen. 3 Tage Regio-Card = 3 Tageskarten für den Verbundraum zum Einzelpreis + Zusatzleistungen. Man könnte durchaus argumentieren: Die Gäste bekommen zwar eine 3-Tageskarte für den Verbundraum, aber Sie werden Sie nicht jeden Tag ausnutzen. Eine Mischkalkulation von etwa 2 Tageskarten für Dresden und 1 Tag für den Verbundraum wäre sicherlich gerechtfertigt.

Den "Zusatzbetrag" der nicht für Marketing, Provisionen und Verwaltung draufgeht, bekommen  formell die Staatlichen Kunstsammlungen, die freuen sich das 10 Gäste so eine Dresden-Card kaufen, aber dann davon nur 2 Gäste ein Museum besuchen. Eine Statistik wie viele Besucher mit einer Dresden-Card ins Museum gehen gibt es nicht. Der Besucher geht nicht zur Kasse sondern zeigt seine Karte direkt am Einlass vor und dafür gibt es keinerlei elektronische Erfassung.

Die teilnehmenden Restaurants und Freizeiteinrichtungen, die nur 10% Rabatt anbieten bekommen wahrscheinlich nichts von den Einnahmen sondern müssen sich mit der Freude über die Werbung in den Broschüren begnügen. 10% Rabatt für kostenloses Marketing ist ein  üblicher Betrag.

Wo kann man die Dresden-Card kaufen ?
Die Innenstadt wird zugepflastert mit Plakaten "Es gibt die Dresden-Card", "Kauf die Dresden-Card", Tonnen von Flyern und Broschüren werden gedruckt, das Marketing ist so enorm, aber es ist relativ schwierig an die Karte heranzukommen.
Wenn man schon in Dresden ist dann bleibt einem nur ein Weg zur Tourist-Info. 
Eine normale Fahrkarte für die Verkehrsbetriebe kauft man entweder am Automaten oder seit ein paar Jahren auch als Handyticket per Smartphone-App oder per SMS.
Beide Wege existieren für die Dresden-Card nicht.
Es gibt sie nicht einfach am Fahrkartenautomaten. Man muss erst mit dem Auto oder mit einer normalen Strassenbahn-Einzelfahrt zur Tourist-Info , um an die Karte zu kommen. Oder man bestellt sie Tage vorher im Internet und läßt es sich zuschicken. Nicht etwa per QR-Code wie bei Handyticket mit Smartphone-App. Nein, wirklich im Briefumschlag, mit Post und Porto. Selbst Semperopernkarten gibt es schon mit Print@Home.

Im Idealfall kann der Tourist seine Karten in seiner Unterkunft kaufen.
Das Hotel bekommt eine Verkaufsprovision, und ist deshalb jedoch kein unabhängiger Berater mehr, sondern hat ein Eigeninteresse möglichst viele Dresden-Cards zu verkaufen.
Der ehrliche Rat für wen es sich lohnt - und für wen nicht - bleibt sicherlich oft aus.

Falls jemand eine Unterkunft in Meißen oder Bad-Schandau hat und von dort aus täglich nach Dresden pendelt, also jeden Tag wirklich alle Vorzüge der Regio-Card ausnutzen kann,  für den lohnt sich die Dresden-Card wahrscheinlich eher. Aber wird Sie in Meißen oder Band Schandau am Bahnhof verkauft ? Und warum sollte jemand dort übernachten, wenn er täglich nach Dresden fahren will ? Dresden hat eine riesige Kapazität an Hotelbetten und ein relativ niedriges Preisniveau, so daß niemand ins Umland gedrängt wird.

Was bekommt man mit der Dresden-Card nicht ?

Dresden hat viele interessante Angebote, die gar nichts kosten.
  • Besichtigung der Frauenkirche
  • Radeln auf dem Elbradweg, 
  • Spaziergang im Großen Garten oder an den Elbwiesen
  • Stadtrundgang ohne Führer. 
  • Shopping auf mehr als 200.000m² in der Innenstadt.
  • Striezelmarkt, Frühlingsmarkt, Herbstmarkt, Stadtfest
Was nichts kostet, kann nicht rabattiert werden.

Die Top-Attraktionen
  • Historisches Grünes Gewölbe für 12€ + 2€ Vorverkaufsgebühr
  • Aufstieg auf den Turm der Frauenkirche für 8€
  • Semperoper-Eintrittskarten
alles was sich quasi "von selbst" verkauft, wird gar nicht erst rabattiert.

Sich für eine rabattierte Dresden-Card Attraktion zu entscheiden, bedeutet immer 
  • eine kostenlose Attraktion nicht zu besichtigen, 
  • oder vielleicht eine viel bessere, aber nicht rabattierte Attraktion, auszulassen.
Man kann seine Urlaubszeit nur einmal verwenden.


Was für einen Aufpreis zu normalen Fahrkarten zahlt man ?
Was unternimmt ein 3 Tage Dresden-Tourist typischerweise ?
2 Tage Dresden anschauen, und 1 Tag ins Umland, Meißen, Moritzburg oder die Sächsische Schweiz.
Die 3 Tages Dresden-Card gilt automatisch für die gesamte Region, auch wenn man Dresden überhaupt nicht verlassen möchte, sie animiert also dazu das Umland zu erkunden. Geben wir der Dresden-Card mal einen Vorteil  und sagen, der Tourist, eher ein Ehepaar, möchte wirklich nur 1,5 Tag Dresden anschauen, geht einen Nachmittag ins nahe Umland, und noch einen Tag ins Fernere Umland. 
Was kostet das im Verkehrsverbund Oberelbe  ?
·         1 Tag nur Dresden Familientageskarte: 8€
·         1 Tag 2-Zonen (Radebeul oder Pirna) Familientageskarte: 13 €
·         1 Tag Verbundraum Tageskarte: 17,50 €.
Summe für Transport: 38,50€ (für 2 Personen für 3 Tage)
Die 3 Tage Dresden Regio Family Card:  71,90 €
Ein Aufpreis von 33,40€; nahezu der doppelte Preis.
Nehmen wir mal an, in den 3 Tagen wird 3 mal Essen gegangen, je 40 € = 120 €, 10% Rabatt werde fast überall ausgelobt, wenn man sich wirklich Mühe gibt und ausschliesslich bei "teilnehmenden" Restaurants speist. Also 12€ Rabatt.
Noch irgendeine weiter Attraktion, Stadtrundfahrt oder ähnlices 2 € je Person, = 4 € gespart.
Wir sind jetzt bei 16 € "Rabatt" bei 33,40 € "Mehrpreis".
Es ist fast unmöglich diesen Mehrpreis irgendwie wieder "herauszuholen", ohne ein Museum der Kunstsammlungen (außer dem historischen Grünen Gewölbe) zu besuchen. Da sparen Sie einmalig 20€ für 2 Personen.
Wir wären dann bei 36 € Rabatt zu 33,40€ Mehrpreis.
Wir haben 2,60€ "gespart" bei einem Ticketpreis von 71,90. Das sind 3,6% Ersparnis !!
Zusammengefasst:  Mit 3*Restaurant, 1 Weitere Attraktion + 1 Kunstsammlung und 1,5 Tage Aufenthalt außerhalb von Dresden mit öffentlichem Nahverkehr Sparen Sie 3,6%. Lassen Sie nur eines davon weg und sie machen „Verlust“. Einen echten Vorteil haben Sie erst wenn Sie noch mehr als das oben genannte bei den Dresden-Card-Partnern unternehmen. 

Fazit: Wer außer ins historische Grüne Gewölbe nicht noch in weitere Kunstsammlungen in Dresden geht für den ist die Dresden-Card zwangsläufig ein Minus-Geschäft und keine gute Investition.

Man sollte die Dresden-Card in Dresden-Museums-Card umbenennen, aber da man dann enttäuscht wird im Hygienemuseum, im Verkehrsmuseum oder im Militärhistorischem Museum, keinen freien Eintritt sondern nur 1-2€ Rabatt zu bekommen, ist selbst das noch geschönt: Dresdner-Kunstschätze-Card wäre mein Vorschlag für eine zutreffende Bezeichnung. Kunstschätze Liebhaber sollen Sie kaufen, andere Dresden-Besucher nicht.

Die Dresden-Card erfüllt Ihren Zweck. Sie dient dazu, dass die Touristen mehr Geld in Dresden lassen, als sie es ohne Dresden-Card tun würden. Man darf zweifeln, ob es zum Vorteil der Touristen ist oder gar die Attraktivität Dresdens erhöht.