Wer Metro-Märkte nicht kennt, Metro ist zwar als Großhandel
deklariert, ist aber ein relativ normaler großer Supermarkt. Das Warenangebot
entspricht weitgehend dem von „Real“. Es gibt nur eine Einlasskontrolle, weil
der Markt ehemals das Ladenschlussgesetz umgehen musste und nur an Gewerbetreibende
verkaufen darf.
Jeder Kunde ist namentlich bekannt und hat eine Kundenkarte.
Eine Auswertung der Einkaufsgewohnheiten wäre leicht möglich, wird aber nicht
gemacht. Es gibt ganz normale, nicht personalisierte Werbeflyer per individueller
Postsendung zugestellt, also deutlich kostenintensiver als die Beilagen von
Aldi, Lidl und Kaufland in den kostenlosen Zeitungen, aber auch deutlich
gezielter, denn die Prospekte erreichen nur diejenigen, die auch wirklich
Kunden sind.
Datenschützer warnen oft davor, dass mit Kundenkarten
Profile erstellt werden, die das Einkaufsverhalten analysieren. Metro ist der
Beweis, dass die Händler kein Interesse daran haben. Vielleicht ist es zu
aufwändig, vielleicht bringt es zu wenig Nutzen. Ich erhalte jedenfalls genauso
Werbung für Damenhygieneartikel, Windeln oder Hundefutter, obwohl ich derartige
Artikel in den letzten 10 Jahren nicht einmal gekauft habe. So intelligent wie
Google will Metro nicht sein.
Neben den normalen wöchentlichen Aktionspreisen, gibt es
immer noch Sonderaktionen.
In einem Monat soll man seinen üblichen Monatseinkauf
möglichst auf 3 Einkäufe verteilen und für 3*50€ einkaufen, um einmalig einen 50€
Gutschein zu erhalten.
Es kostet ein wenig mehr Benzin und Zeit, aber 50€ mit einer
Stunde Zusatzaufwand verdienen, läßt man sich nicht entgehen. Statt alles zu
kaufen was man braucht, bemüht man sich seinen Warenkorb nur mit Artikeln für 50€
zu beladen. Das schafft man natürlich nie, wer kann schon so gut Kopfrechnen,
sicherheitshalber nimmt man etwas mehr und schon zahlt man 80€.
Aus den erwarteten 33% Rabatt (50€ Erstattung bei 150€
Einkauf) wird also selten etwas, ich bin bei meinen 3 Einkäufen bei etwas 250€
gelandet, dafür eine 50€ Gutschein zu bekommen, sind immernoch lohnenswerte
20%.
Statt die 250€ bei einem Einkauf auszugeben, mußte ich dafür 3mal hinfahren.
Im nächsten Monat, soll man möglichst gleich einen
3-Monatsvorrrat kaufen, für einen 500€-Einkauf gibt es einen 100€ Gutschein.
Also umlernen. Da braucht man eine Einkaufsliste und kann nicht mehr so spontan
kaufen was man denkt, was man so braucht, und wiederkommen wenn man etwas
vergessen hat. Metro will nicht das ich wiederkomme, sondern dass ich alles auf
einmal kaufe. OK.
5kg Kaffee, 12 Flaschen Wein, 10 Liter Milch, eine Spirituose,
2 Kästen Bier der Jahresvorrat an Blumendünger: Geranien, Palmen, Rosen; Waschmittel
und Geschirrspülmittel, Studentenfutter, 4 Stück Butter und ein großes
Stück Parmesan, ein paar Steaks die 4 Wochen halten, vielleicht noch ein paar
Schuhe oder neue Bettwäsche, mal wieder eine LED-Birne und noch ein
Liter gutes Olivenöl. Es erfordert eine ziemliche Planung, wenn man unbedingt am Stück für 500€ einkaufen soll.
Ich kaufe für keinen Cent mehr ein, als ich sonst einkaufe,
durch diese Aktionen werden nur die Einkaufsintervalle beeinflußt. Bestenfalls
werde ich davon abgehalten, in anderen Supermärkten einzukaufen.
Nebenbei kann man noch Prämien-Punkte sammeln, um ein paar
Töpfe und Pfannen billiger zu bekommen.
An einem Wochenende gibt es „Auf 3 Artikel je 20%“. Aber
mich nun auch noch auf den Tag festlegen zu lassen, wann ich einkaufen soll und
mich ausgerechnet am Wochenende durch volle Regalreihen schieben, das mache ich
nicht mit. Für Kaffeemaschinen, Staubsauger oder eine neue Bohrmaschine, lohnt
sich das manchmal, aber ich habe mir abgewöhnt Dinge zu kaufen, nur weil ich
20% Rabatt darauf bekomme. Man lernt dazu und gerade für die teureren Artikel
findet man im Internet immer Händler, die die Metro-Preise um 10% unterbieten.
Bei den kleineren Artikeln wie Wein oder Blumendünger wird das wegen des hohen
Gewichtes bei kleinen Margen schon schwieriger.
Das merkwürdige ist, all diese Werbeaktionen sind
miteinander kombinierbar, ich kann mit dem gleichen 80 € Einkauf, meinen 50€-Mindesteinkauf abrechnen, es kann darunter ein rabattierter 20% Artikel sein, und
Prämienpunkte bekommt man auch noch. Diese Häufung von parallelen Aktionen
findet man bei anderen Händlern eher nicht.
Das Preisgefüge kommt durcheinander, man weiß nicht mehr
wirklich was die Dinge kosten. Es stehen zwar 10€ am Regal, aber mit dem einen
Coupon zahlt man an der Kasse nur 8€, mit dem andern Coupon bekommt man nach 2
Monaten 2€ zurück. Wieviel hat man denn nun eigentlich für die Waren bezahlt?
Werden vielleicht während solcher Rabatt-Aktionen die Preise erhöht, bevor es
Rabatte gibt? Man setzt sich einem ziemlichen Stress aus und je mehr man
nachdenkt, desto unsicherer wird man, ob sich denn der Stress überhaupt lohnt,
oder ob man nur an der Nase herumgeführt wird. Man muss höllisch aufpassen,
nicht in jede gestellte Falle zu tappen.
Was kommt dabei
heraus?
Ohne Marketing-Sonder-Aktion gehe ich überhaupt nicht mehr zu Metro.
Praktiker - auch eine ehemalige Metro Tochter - hat das mit
seinen „20% auf alles“ genauso gemacht, und war nach 2 Jahren Pleite.
Ein entspanntes Einkaufen, vielleicht sogar Spaß beim
Stöbern, kommt nicht auf, wenn man ständig im Kopf oder gar per Taschenrechner
versucht, eine Mindestmenge zu erreichen, aber nicht zu sehr zu überschreiten.
Jede Preissenkung wird zum Ärgernis, wenn man ein Produkt vor 2 Wochen gekauft
hat und man nachträglich erfährt, daß es jetzt im gleichen Laden weniger kostet. Es wäre mir deutlich lieber, wenn ein Artikel dauerhaft 10€ kostet, anstatt "normalerweise" 12€ und in Sonderaktionen mal 9€.




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