Samstag, 5. Juli 2014

Fame - Premiere auf der Felsenbühne Rathen

Kann man die Straßen der Bronx in einer Felsenlandschaft nachbauen ? Man kann.

Die Landesbühnen Sachsen, haben auf der Felsenbühne die Musical-Fassung des 1980er, mit einem Oscar für den Besten Song gekrönten Films „Fame“ auf die Bühne gebracht.

Das Theater, dass sich sonst eher in Landschaftskulissen, Sommernachtsräume oder den Wilden  Westen verwandelt, ist auch für den  Asphalt-Dschungel von New York geeignet.  Auf das Bespielen der Naturkulisse wurde erstmals verzichtet, man  entwarf eine klassische Theaterkulisse, die auch auf jede Indoor-Bühne passen würde, die in Ihren Ausmaßen jedoch mindestens der Semperoper entsprechen müssten.

Die ca. 15 Sprechrollen wurden ergänzt von einem Heer von „Statisten“. Der Chor der Landesbühnen hätte wahrscheinlich altersmäßig nicht ganz ins Stück gepasst, also hat man sich Studierende der Theaterakadamie Sachsen zur Verstärkung geholt und auch das Tanzcompagnie der Landesbühnen  hat sich nahtlos integriert. Die verschiedenen Ausbildungen wurden nur bei den Tanzeinlagen deutlich.  Die Ballettkompanie, die sonst eher das klassische Repertoire bedient, hatte sichtlich Spaß an kraftvoller Dynamik, bei der es weder auf übertriebenen künstlerischen Ausdruck á la Gred Palucca, noch auf perfekte Synchronität ankommt, nur auf die Ausstrahlung von Lebensfreude.


Der Humor reicht im Stil in etwa von Atze Schröder bis Wolfgang Stumph.  Seichte Gags, die auch dann funktionieren, wenn man den Rest des Stückes nicht gesehen hat; aber für einige Lacher sorgten.  Das Publikum war sicherlich 30 Jahre jünger, als sonst in der Felsenbühne üblich.  Für Kinder ab 14 ist das Stück gut geeignet, auf expliziten Street-Slang, Flüche, Drogen und sexuelle Anspielungen sollte man jedoch gefasst sein.  Gesprochen wird in Deutsch, gesungen in Englisch, aber fehlende Englisch-Kenntnisse sind kein Handicap für das Verständnis des Stücks.


Handlung ? Gibt es eigentlich keine. Und das ist vielleicht das Angenehme an dem Stück. Es wird der Alltag in einer Schule für Tanz, Schauspiel und Musik dargestellt. Keine künstlichen Spannungsbögen, keine romantische Liebesschnulze, die in einer Hochzeit endet; Es gibt gar keine Hauptrollen. Natürlich werden ein paar kleine Geschichten erzählt, die das Stück zusammenhalten. Sie wirken aber eher wie ein verwobener Episodenfilm. Junge Künstler mit Träumen, die sich mal realisieren und mal platzen. Sprachprobleme von Einwanderern, Drogen, Söhnchen aus reichem Haus, Schwule und Latinocasanovas – von allen Facetten der Großstadt ist etwas dabei.  Lehrer, die auch mal mehr vorhatten, als Lehrer zu werden und graue Eminenzen, die niemand mehr in Frage stellt und mit Ihrer Lebensweisheit hausieren gehen.

Die Musik bleibt sich selbst treu, ob man es nun Pop-Rock-Jazz oder Swing nennen will, soll jeder selbst entscheiden. Das Saxophon spielt eine wichtige Rolle. Die Musik ist ausgewogen zwischen Balladen, Rockhymnen und Pop-Songs. Ihr Anspruch besteht darin, gut zu unterhalten.

Angenehm ist, dass die ca. 10-Mann Band für den Zuschauer ständig sichtbar ist, sie spielt auf der seitlichen Hinterbühne und ist nicht in den Graben, oder gar einen Nebenraum verbannt, wie anderenorts üblich. Die neue Aktionskunstanlage der Felsenbühne ist gut abgestimmt und die Bäume vermeiden unangenehme Echos in dem engen Talkessel. Die Sänger tragen Micropods (aufgeklebte Mikrophone) damit sie auch in den letzten Reihen gut verstanden werden. Das hat leider wie immer den Nachteil, dass der Ton nicht dorther kommt wo gesprochen wird, sondern aus dem Lautsprecher. Wenn mehrere Akteure auf der Bühne stehen, muss man manchmal suchen, wer den Mund bewegt, um zu wissen wer spricht; aber das gibt sich wenn man sich daran gewöhnt hat, wer mit welchem Akzent oder welcher Stimmlage spricht.
Die Band spielt "öffentlich"

Ein im Ganzen gelungener Abend, fast 3 Stunden lang. Viel Premierenstimmung kam nicht auf, außer das am Ende ein paar Menschen auf der Bühne standen, die sonst nicht auf der Bühne stehen, wahrscheinlich Regisseur, Bühnenbildner und Schneider – vorgestellt wurden sie nicht; war die Premiere eine ganz normale Vorstellung. Viele Lichteffekte kommen wohl nur in der 20 Uhr Vorstellung zur Geltung, wenn es zumindest nach der Pause schon dunkel ist, aber sicherlich lohnen sich die 17 Uhr-Vorstellungen genauso.

Die S-Bahn nach Rathen verkehrt während dieser Spielzeit  nur stündlich, aber die letzte Bahn nach Dresden fährt erst um 0.25 Uhr, so dass man auch noch sicher nach Hause kommt, wenn die Vorstellung erst um 23:00 endet. Die meisten Gäste kommen jedoch mit dem Auto.

Fazit: Eine klare Empfehlung, eine junge, frische Inszenierung mit swingig-poppiger Musik.


Applaus, Applaus, Applaus (Zitat: Kermit)

Da muss man hinauf