Mittwoch, 30. Juli 2014

AirBnB, die angebliche Neuerfindung der Zimmervermittlung

Die "Sharing Economy" wird als der letzte Schrei aus der Welt der Hipster und Youngster dargestellt und AirBnB, als Ihr erfolgreicher Vertreter aus dem Bereich der Zimmervermittlung.

Eine Studie des Branchenverbands BITKOM beschäftigt sich ausführlich mit den Erfolgsaussichten und kommt dabei nur zu positiven Ergebnissen. Nach Argumenten, warum die Idee scheitern könnte, hat man nicht sehr lange gesucht. Ich möchte hier mal ein paar Hilfestellungen geben.

Vermittlungsplattformen gibt es einige, die Erfolgreichen seit Mitte der 90er Jahre, seit den Anfängen des Internet. Die Etablierten arbeiten so, wie eine Zeitung. Man kauft eine Anzeige für einen Festbetrag je Jahr, so etwa für 200-300 Euro, und das war's. 

Mit dem Boom von Web 2.0 und Facebook ab 2004, schwappte ein anderes Modell aus Amerika herüber und AirBnB war der Vorreiter. Ein provisionsbasiertes Modell, Man zahlt nichts für die Anzeige, man gibt nur Prozente des Mietpreises ab, falls jemand wirklich bucht. Deutsche Nachahmer folgten schnell: 9Flats und wimdu.


Doch AirBnB ist speziell, es vermarktet explizit nicht (nur) Ferienwohnungen, sondern auch Zimmer innerhalb einer Wohnung, sogar nur Schlafplätze oder gar Luftmatratzen. Daher kommt der Name ("Airbed and Breakfast=Luftmatratze mit Frühstück").

Dieses Modell wird unablässig propagiert, es wird behauptet es gäbe auf diesem Sektor Nachfrage und Angebot, aber ich möchte beide Seiten anzweifeln.

Venture Capital Firmen.

Das Vorgehen solcher "moderner Startups" ist folgende:

1. Finde einen Kapitalgeber, den Du von einer Idee überzeugst.
2. Finde Vermieter, die mitmachen
3. Finde Mieter die mitmachen.

AirBnB ist am Beginn von Phase 3.
Kapitalgeber, die in blumige Versprechungen investieren, sind leicht zu finden.
Vermieter findet man einfach so: Rufe alle Vermieter von Ferienwohnungen in allen Katalogen, die man in Deutschland auftreiben kann, an, und überzeuge sie, auch bei AirBnB "kostenlos" zu inserieren.

Das sah dann so aus.



Bitte einmal laut "hier" schreien, wer bei fremden Leuten auf der Luftmatratze übernachten möchte !

Ein anderer Jubel-Artikel von Daniel Rehn, bereits von 2012.

Dort wird etwas von "unglaublichem" Aufstieg berichtet. Tatsächlich ist der Aufstieg sehr geplant.
Wenn man bei Null beginnt, und einfach alle vorhandenen Verzeichnisse kopiert, hat man einen riesigen Zuwachs. Es ist eine reine Fleißarbeit, bzw. Kapitaleinsatz, ein Call-Center zu beschäftigen, daß jeden bekannten Vermieter um Erlaubnis der Aufnahme in das eigene Verzeichnis zu bittet.

Anders als bei anderen Produkten, muss man Vermieter nicht "abwerben". Der Vermieter muss sich nicht entscheiden "werbe ich hier oder dort". Wenn es nichts kostet, kann man an so vielen Stellen werben, wie man will, es gibt kein Werbebudget zu verteilen.

Anfangs wurde sogar ein "kostenloser Fotograf" geschickt.  Man hatte  Geld wie Heu, so ein Fotografentermin kostet mindestens 50 Euro je Vermieter. Kosten die AirBnB übernommen hat. Die Bilder bleiben jedoch Eigentum von AirBnB, der Vermieter kann damit nicht auf anderen Plattformen werben.

Wenn man schon jemanden in jede einzelne Wohnung schickt, ein Aufwand den kein anderer Vermittler bisher je betrieben hat, wäre es sinnvoll gewesen, die Wohnung nach gewissen Qualitätsmaßstäben zu bewerten. Diese Chance hat man sich leider entgehen lassen. Der Fotograf macht nur Fotos die die Wohnung glitzern lassen und den bestmöglichen Eindruck machen. Das ist natürlich im Sinne des Vermieters und des Vermittlers, aber nicht im Sinne des Mieters. Den würden vielleicht auch Fotos von Spinnweben und bröckelndem Putz interessieren, von Gerüchen, der Aussicht und dem Straßenlärm. Diesbezüglich verhält sich AirBnB aber wie jeder andere Vermieter - jede Unterkunft wird aufgenommen, ein Siegel "AirBnB"-geprüft gibt es nicht. Masse statt Klasse. Das Sternesystem des DTV wird auch nicht unterstützt, nach einer 3-Sterne-Wohnung kann man nicht suchen.


Statistiken und Nutzerzahlen

In dem Beitrag wird etwas von 5 Millionen Übernachtungen berichtet. Diese Werte sind ein gutes Beispiel für das Aufblähen von Statistik.

Wenn 500.000 Paare eine Unterkunft für je 5 Tage suchen,  dann sind das 500.000 * 2 Personen * 5 Nächte = 5 Millionen Übernachtungen. Von den 500.000 Buchungen sind Mehrfachbucher dabei. Wahrscheinlich gab es 300.000 aktive Nutzer. Aber 5 Millionen Übernachtungen klingen natürlich besser.

Mit großen Zahlen will man Eindruck schinden, bei Investoren, bei Vermietern und bei Mietern.

Die weltweiten Angaben von AirBnB werden gerne mit den deutschen Konkurrenten wie 9Flats oder wimdu verglichen.  AirBnb unterläßt es tunlichst, Zahlen für Deutschland zu veröffentlichen. Es ist durchaus möglich, dass sie auf dem deutschen Markt keine Rolle spielen, vielleicht sogar hinter der Konkurrenz zurückzustehen.
Hat jemand schon einmal Fernsehwerbung von AirBnB gesehen ?

Häufig wird ein hoher Bekanntheitsgrad mit einer hohen Akzeptanz gleichgesetzt. Ich habe 2 AirBnB Gäste pro Jahr und davon 100% aus dem Ausland. Die einzige Nachfrage die  befriedigt wird, ist also der Zugriff aus Moskau und Istanbul auf Ferienwohnungen in Deutschland, aus diesen Orten kamen meine beiden Gäste.

Die PR-Maschinerie von AirBnB läuft wunderbar:
"Unterkünfte in 19.000 Städte verteilt auf 192 Länder" ?
Hört sich viel an ? Klingt als wäre die ganze Welt abgedeckt ?
Alleine Deutschland hat 2000 Städte. Ob die da alle dabei sind ? Eine einzige Unterkunft in Chile, Burkina Faso oder Tuvalu reicht aus, dass man sagen kann "man ist in dem Land aktiv".

AirBnB ist in den USA wahrscheinlich wirklich erfolgreich und eine Entdeckung. Dort gab es bislang kaum ein etabliertes Bed&Breakfast System, weil man an jedem Highway-Exit für 35$ ein Motelzimmer bekommen kann. Es gab keinen unbefriedigten Bedarf in dieser Preislage.

Der Trick mit den Umfragen

In der BitCom-Studie wird behauptet, 25% der Bevölkerung könnten sich vorstellen, auf diese Art zu übernachten. In einer Umfragesituation würde ich dieser Zahl voll und ganz zustimmen. Jemand der spontan auf so eine Frage antworten müßte, sagt sehr leicht "ja". Vielleicht gehöre ich auch dazu. Aber wenn man dann konkret ein Zimmer sucht und die Angebote dazu betrachtet, läßt man es vielleicht doch eher sein.

Spätestens wenn man das erste Mal seinen Vermieter als einem verschwitzten 150-Kilo Mann der im Unterhemd rauchend am Küchentisch sitzt und ein Zimmer vermietet, das von seinem Wohnzimmer abgeht, konfrontiert sieht, wird man seine Meinung darüber ändern. Während einer Umfrage ist man sich noch nicht über alle Konsequenzen im Klaren.

Umfrage-Profis versuchen solche Effekte mit Hilfe von Psychologen und Statistikern zu reduzieren. Die Fragen sehr detailliert, sehr indirekt, und auch nicht nur was man will, auch was man nicht will,  um zu einer belastbaren Aussage zu kommen. Aber wenn man will, dass ein bestimmtes Ergebnis bei einer Umfrage herauskommt  - vgl. Phase 1: Finde Kapitalgeber - dann könnte man schon mal  vergessen sich von Psychologen oder professionellen Meinungsforschern helfen zu lassen.

Zitat aus der Bitkom-Studie:
"Unter den 14- bis 29-Jährigen können sich sogar 42 Prozent vorstellen, auf diese Weise ein Zimmer oder eine Wohnung zu mieten"
Wer sonst ? 14-jährige sind es gewohnt keine Privasphäre zu haben, die sind es gewohnt sich das Bad mit dem Bruder zu teilen und sind darauf gefasst, dass Mutti jederzeit ins Zimmer kommen könnte. Das hält man in diesem Alter noch für normal. In so einer Umfragesituation denkt man nicht daran, dass das bedeutet, den Gästen den Müll nachzuräumen, Ihnen das Bad zu putzen oder Wäsche zu waschen. In dem Alter kennt man noch den Geldspeicher von Onkel Dagobert und kümmert sich nicht so sehr darum, woher das Geld kommt.

Vergleichbar zu sein, kann Mieter abschrecken

Vor 20 Jahren habe ich schon Bed in Breakfast in England genutzt. Man fuhr herum, hat ein Schild gesehen, geklopft und übernachtet. Wenn man seinen Urlaub im Voraus bucht, dann vergleicht man Angebote, man wird wählerischer. Das hilft eventuell, daß schlechte Angebote vom Markt verschwinden, aber es bedeutet auch, dass alle in Konkurrenz zueinander stehen, vergleichbar sind, bewertet werden, und das Geld verdienen vielleicht doch nicht ganz so einfach ist, wie es ist, eine Anzeige bei AirBnB einzustellen.

Der Zahlungsvorgang

Der Vermieter bekommt nicht einfach 50 Euro vom Gast in die Hand gedrückt, AirBnB bekommt eine Anzahlung, erhebt vom Gast noch eine Zusatzgebühr und treibt die endgültige Zahlung vor der Anreise ein. Der Vermieter bekommt eine Buchungsnummer und muss dann seine Kontoauszüge überprüfen, ob seine Miete unter dieser Buchungsnummer, abzüglich der 12% Provision, auf seinem Konto angekommen ist. AirBnB nennt das "Bequeme Zahlung". Ist irgendetwas bequemer als Barzahlung ?

Als Vermieter auf eine Anzahlung zu verzichten, oder eine Anzahlung anzubieten ist bei AirBnB nicht möglich.
Der gesamte Betrag wird sofort bei Buchung fällig und verbleibt bis zum Tag nach der Anreise bei AirBnB.
Wenn Sie bei HRS ein Hotelzimmer suchen und zwischen Hotels mit Sofortzahlung und Zahlung bei Anreise wählen können, welches würden Sie buchen ? Bei Ferienwohnungen sind auf jeder anderen Plattform auch Anzahlungen in Höhe von 20% des Reisepreises üblich. So etwas sieht AirBnB nicht vor.

Kostenfreie Stornierung ist ebenfalls unmöglich. AirBnB behält in jedem Fall seine Servicegebühr ein.
Das sind aus Sicht des Gastes deutliche Nachteile gegenüber den Zahlungsbedingungen von Hotels und Ferienwohnungen bei anderen Vermittlern. Wie will man auf diese Art Mieter finden ?

Von der AirBnB-WebSite: "Bei Buchungen, die zwischen dem 1. Mai 2014 und dem 31. Dezember 2014 getätigt werden, wird Airbnb die Mehrwertsteuer auf Grundlage des irischen Mehrwertsteuersatzes von 23% berechnen, unabhängig von Deinem Land des Wohnsitzes." 
Kann sich jemand den buchhalterischen Aufwand vorstellen, wie ein Vermieter bei einer deutschen Umsatzsteuererklärung angibt, Umsatzsteuer via Irland abgeführt zu haben ?
In Deutschland beträgt die Umsatzsteuer für Kurzzeitvermietung 7% und Kleinunternehmen, die weniger als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr machen, können sich komplett befreien lassen. AirBnB schafft wieder nur Nachteile für Mieter und Vermieter.

Die Kontaktsperre

AirBnb muss unterbinden, dass Gast und Vermieter miteinander Kontakt aufnehmen,  damit die Buchung nicht an Ihnen vorbei passiert. Denn natürlich vermietet jeder Vermieter günstiger, wenn er nicht 12% Provision zahlen muss.

Es gibt ein Nachrichtensystem zwischen Mieter und Vermieter, eine Art webbasierter Mail, bei der peinlich genau darauf geachtet wird, dass keine Telefonnummern und keine e-mail Adressen ausgetauscht werden. AirBnB nennt das Datenschutz, wenn sie alle e-mails lesen und diese Informationen herausfiltern.

Hart formuliert: Dem Gast wird ein Telefonat mit dem Vermieter verweigert, bevor er nicht fest gebucht und eine Anzahlung geleistet hat. Warum sollten Gäste diese Kontaktsperre attraktiv finden, wenn auf anderen Plattformen einfach Telefonnummern für schnell zu erledigende Rückfragen angegeben sind ?

Mit AirBnB können sich dadurch keine Stammgästebeziehungen entwickeln. Wer ein zweites Mal beim gleichen Vermieter übernachten will, kann direkt beim Vermieter anrufen und Gebühren und Provisionen von AirBnB einsparen. In diesem Fall hat AirBnB hat keine Vorteile durch zufriedene Gäste.

Wer sind die Mieter ?

Ferienwohnungen boomen, aber nicht Gästezimmer innerhalb einer anderen Wohnung. Das nutzen Back-Packer im Alter von 20-25. Ich schränke weiter ein: Nur Single-Back-Packer. Das dürften die 5% der Bevölkerung sein, die aktuell als Nutzer angegeben werden. Es gibt eine ganz besondere Eigenschaft dieser Zielgruppe: man muss sie nicht jung erobern und die werden dann mit ihren Konsumgewohnheiten alt.  Sie wachsen heraus, und als Paar oder spätestens mit Kind reisen die nicht mehr von Sofa zu Sofa. Wer das mit 20 macht,  wird es mit 30 nicht mehr unbedingt tun.

Für diese Gruppe  ist das kostenlose Couch-Surfing attraktiver. AirBnB redet immer davon das "jeder" ein Zimmer vermieten könnte. Aber niemand tut es. 95% aller Anzeigen beziehen sich auf komplette Wohnungen (Ich hab 20 angeklickt und es waren 20 Wohnungen, ich schreib nur 95% weil ich 100% daraus nicht ableiten will).

Als Urlauber möchte man es mindestens "genauso schön wie zu Hause", eher einen Tick besser haben. Dazu gehört genügend Privatsphäre.

Wer sind die Vermieter ?

Alle die bisher schon separate Ferienwohnungen vermieten, erleiden bei AirBnB keinen Schaden.
Die Story "Vermiete deine ungenutzten Zimmer an Fremde" ist  frei erfunden. Das machen Vermieter, die die Einnahmen dringend nötig haben, aber wer will schon bei "armen Leuten" wohnen ? Ein unüberbrückbarer Widerspruch. Studenten fallen in diese Gruppe, aber die Lösen das meist als WG, die vermieten nicht für 2 Tage sondern für 1 Jahr. Lange Zeiträume machen weniger Arbeit und bringen stabilere Einnahmen.

Wer würde einen fremden Menschen einfach so alleine in seiner Wohnung lassen ? Manchmal kommen Verwandte zu Besuch, die bei einem übernachten. Mit denen ist man meistens zu Hause und geht auch gemeinsam aus dem Haus. Selten läßt man sie in der Wohnung alleine. Selbst Handwerkern überlässt man nur ungern die Schlüssel wenn man tagsüber arbeiten ist.

Ich könnte mich wohl dazu durchringen mal meine Bohrmaschine zu verleihen, vielleicht auch mal mein Auto, aber dann würde ich persönliche Dinge aus dem Auto herausnehmen. Bei einer Wohnung geht das nicht.

Was ist wenn in der Wohnung etwas fehlt ? Habe ich es verbummelt, oder wurde es geklaut ? Wo lasse ich als Vermieter mein Bargeld, den Fahrzeugbrief, meine Kreditkartendaten ? Muss ich mir einen Safe einrichten ? Während die Vermieter ein Profil von sich haben und sich vorstellen, weiß der Vermieter vom Mieter nichts - es ist ein reines Glücksspiel wer da vor der Tür steht.

Hat der Vermieter eine Katze und der Mieter ein Katzenallergie ? AirBnB löst derartige Probleme nicht. Solange es sich um eine separate Wohnung handelt, tritt das Problem nicht auf.

Die "Für Geld mach ich alles" Mentalität muss schon sehr ausgeprägt sein, um sein Sofa unterzuvermieten. Wahrscheinlich geht es 10mal gut, dann macht man eine schlechte Erfahrung mit betrunkenen, grölenden Mietern, die nachts um 3 nach Hause kommen und läßt es auf immer sein.

Spätestens wer 10mal sein zu vermietendes Zimmer geputzt hat, Wäsche Gewaschen, Betten bezogen, und einen halben Tag zu Hause gesessen haben, weil nicht so ganz klar war, wann der Gast denn nun kommt, könnte unter Umständen die Lust auf weitere Vermietungen verlieren.

Das Provisionsmodell spricht vor allem die Angsthasen unter den Vermietern an, diejenigen,  die sich ihren eigenen Erfolg nicht zutrauen. Wer glaubt seine Wohnung für 20 Wochen im Jahr á 250 Euro vermieten zu können, macht damit 5000 Euro Umsatz. Bei AirBnB kostet das 12% Provision, also 600 Euro.
Bei Fewo-Direkt.de bekommt man eine ganzjährige Anzeige für 300 Euro und bekommt sehr viel mehr Buchungsanfragen. Man könnte dort auch "Gold-Anzeigen" für 600 Euro buchen, bei denen das Inserat weiter oben platziert wird, und dadurch statt 20 vielleicht 24 Wochen vermieten. Das Provisionsmodell ist nur dann attraktiv, wenn man glaubt nicht mehr als 1000-2000 Euro pro Jahr zu verdienen. Für diese geringen Umsätze erscheint eine Anzeige zum Festpreis von 300 Euro teuer.

Über den Mietpreis wird seitens AirBnB  nie gesprochen. Wenn eine Plattform 12% Provision bekommt, liegt es nahe, die Zimmerpreise um 12% zu erhöhen. Das heißt das gleiche Zimmer ist bei AirBnB wahrscheinlich teurer, als auf anderen Plattformen. Wieder ein Grund, warum Gäste AirBnB nicht benutzen.


Wo wird vermietet ?

In San Francisco, Tokio, Sydney oder London sind Wohnungen und Hotels sehr teuer. Dort gibt es eine große Gruppe von Einwohnern, die Ihre Wohnungen kaum noch bezahlen können und gleichzeitig eine große Gruppe von Touristen, denen die Hotels zu teuer sind. Dort treffen Angebot und Nachfrage zusammen und die Vermietung funktioniert gut. In Deutschland gibt es kaum eine Region, in der man nicht in 20km Umkreis ein Hotelzimmer für höchstens 80 Euro/Nacht mieten kann.

Wer ein Zimmer übrig hat, kann leicht 2000 Euro pro Jahr sparen, in dem er in eine Wohnung zieht die 20m² kleiner ist. Nur wenn diese kleinere Wohnung nicht verfügbar ist, wie in San Francisco oder London, dann kommt man auf die Idee unterzuvermieten. In Deutschland ist das ist in kaum einer Stadt der Fall.

Vor allem Senioren haben das Problem, nach dem Auszug der Kinder in einer zu großen Wohnung zu wohnen und gleichzeitig das Wohnumfeld nicht wechseln zu wollen.nicht wechseln zu wollen. Doch die Vermieter in den AirBnB Werbevideos sind keine rüstigen Rentner sondern immer hippe Yuppies.

Das sieht in dieser schlecht synchronisierten deutschen Fassung so aus:


Junge Leute machen hauptsächlich Städtereisen. Geworben wird mit Berlin, Paris und Barcelona. Vermieter in  der Eifel, in Berchtesgaden oder sonstigen Landidyllen brauchen sich nicht viel Hoffnung auf neue Gäste zu machen.


Die Vermittler-Branche


Die private Zimmervermittlung hat Chancen, aber das Angebot wird nicht steigen - woher sollen neue Wohnungen kommen ? In einigen Städten ist die Umwandlung von konventionellen Mietwohnungen in Ferienwohnungen schon verboten oder ein Verbot im Gespräch. Die Auslastung könnte eventuell etwas steigen, wenn bekannt wird,  das diese Angebote einem Hotel in fast nichts nachstehen. Rezeption und Zimmerservice fehlen, und das sind die beiden Dinge, die man bei einem durchschnittlichen Hotelaufenthalt für ca. 5min in Anspruch nimmt.

Die verschiedenen Vermittler von Ferienwohnungen werden weiter fortsetzen, sich gegenseitig Adressen zu kopieren und mit viel Aufwand sowohl um Vermieter, als auch um Mieter zu werben.

Wachstum bei einem Vermittler entsteht ausschließlich auf Kosten eines anderen Vermittlers. Aus dem Wachstum eines einzelnen Anbieters kann man nicht auf das Wachstum einer Branche schließen. Man kämpft heute schon nur noch um die Aufteilung des Marktes tut aber so, als würde man erst einen neuen Markt erschließen.

Wimdu versucht gerade in einer großen Kampagne den Gästen zu erklären, das Ferienwohnungen 50% billiger sind als Hotels. Das ist nichts Neues, das ist seit 50 Jahren so und die Randbedingungen, wie "Mindestaufenthalt" oder gar "bitte eigene Bettwäsche mitbringen" werden verschwiegen.

Ich würde keinem raten eine neue Zimmervermittlung zu gründen, wenn er nicht eine genial gute, genial neue Idee mitbringt. Verzeichnisdienste leben von Vollständigkeit.  Einen neuen Zimmervermittlungsdienst zu gründen, ist so als wollte man ein neues Telefonbuch gründen und müßte dafür jeden einzelnen Teilnehmer, der dort eingetragen werden soll, anwerben. Anders als beim Telefonbuch, sind Leser und Inserenten aber nicht die gleiche Person, der Werbungsaufwand entsteht doppelt.

Die Plattformen, die den Hotels Konkurrenz machen, heißen, fewo-direkt.de, ferienwohnungen.de, traumferienwohnungen.de. Damit sind die Leute zufrieden, das wird genutzt.  Die haben ein anderes Vertriebsmodell als AirBnB. Die Gäste vermissen nichts, was sie von fewo-direkt zu AirBnB wechseln lassen würde. AirBnB kommt einfach 15 Jahre zu spät.

Geschäftskunden

Laut einem Artikel im Manager-Magazin will AirBnB jetzt auch an die Geschäftskunden ran und "Abrechnungen über die eigene Firma" anbieten.  Aber wollen das die Vermieter ? Ferienwohnungen sind für Paare gemacht. Für Alleinreisende gibt es kaum besondere Angebote. Die Zimmer kann man nicht verkleinern, Beleuchtung, Fernsehgebühren und Raumpflege kosten für eine Person, das Gleiche wie für ein Paar. Der Einzelzimmervorteil den man von Hotels kennt, entfällt schon einmal. Woher das Geld kommt, könnte dem Vermieter egal sein, aber je mehr "Services" AirBnB dem Gast anbietet, desto mehr Kosten stellt AirBnB wahrscheinlich auch dem Vermieter in Rechnung.

Warum sind Ferienwohnungen preiswerter ? Weil nicht jeden Tag geputzt wird und nicht ständig einer an der Rezeption steht. Was wäre, wenn ein Gast nur einen Tag bleibt ? Der Vermieter muss täglich putzen und 2 mal am am Tag Rezeptionsarbeit leisten. Ihm entstehen die gleichen Kosten, wie einem Hotel. Deswegen haben die meisten Vermieter einen Mindestaufenthalt von 2, 3, oder gar 4 Tagen. In touristischen Regionen in der Saison auch gerne mal nur wochenweise, um die Kosten Buchungsaufwand, Rezeption und Reinigung auf mehrere Tage zu verteilen. Für die typischen "Traveling Salesman" sind Ferienwohnungen ungeeignet und für einen Mo-Fr Aufenthalt haben viele Berater, Monteure oder Besucher von Seminaren und Konferenzen Ferienwohnungen schon lange entdeckt. Es sind nur die Vermittlungsportale, die diese Kundschaft bisher nicht wahrnehmen. Es stört die Geschäftsreisenden aber nicht, auf Portalen für Urlauber und Touristen eine Unterkunft zu buchen.

Sharing Economy

Das Potential der Zimmervermittlung ist da, aber das Modell der "Sharing-Economy" von von AirBnB ist für keine Seite attraktiv. Hier noch ein Orignaldokument von AirBNB.:  AirBnB Studie 2012

Sich Dinge zu leihen, statt sie zu kaufen, ist eine gute Idee.
Nur warum muss es bei dieser Idee eine Privatperson geben, die sich erstmal etwas privat kauft ?

Wäre es nicht besser, sich etwas von Profis zu leihen, die ein Gerät prüfen, bevor sie es verleihen,  reinigen und warten, wenn sie es zurückbekommen, die keine emotionale Bindung zu Ihren Gütern haben, sondern eine rein wirtschaftliche? Verleiher, die eine gewisse Routine haben, die gegen Schäden versichert sind, die auf Verschleiss eingestellt sind.

Kein privater Verleiher einer Bohrmaschine stellt sich darauf ein, dass die Bohrmaschine jemals kaputt geht. Das wird zu 100% in einer Katastrophe und mit viel Streit enden. Der Profi behält die Kaution ein und die Sache ist für ihn erledigt.

Ich kann nur davon abraten sich von seinen Freunden etwas zu leihen, wenn etwas kaputt geht ist eventuell die Freundschaft dahin - und das ist kein gespartes Geld der Welt wert.

Wer noch mehr Lesen will: hier noch ein Beitrag zum Thema von Digital Sirocco.