Freitag, 30. Mai 2014

Metro-Rabattaktionen, eine Herausforderung

Wer Metro-Märkte nicht kennt, Metro ist zwar als Großhandel deklariert, ist aber ein relativ normaler großer Supermarkt. Das Warenangebot entspricht weitgehend dem von „Real“. Es gibt nur eine Einlasskontrolle, weil der Markt ehemals das Ladenschlussgesetz umgehen musste und nur an Gewerbetreibende verkaufen darf.

Jeder Kunde ist namentlich bekannt und hat eine Kundenkarte. Eine Auswertung der Einkaufsgewohnheiten wäre leicht möglich, wird aber nicht gemacht. Es gibt ganz normale, nicht personalisierte Werbeflyer per individueller Postsendung zugestellt, also deutlich kostenintensiver als die Beilagen von Aldi, Lidl und Kaufland in den kostenlosen Zeitungen, aber auch deutlich gezielter, denn die Prospekte erreichen nur diejenigen, die auch wirklich Kunden sind.

Datenschützer warnen oft davor, dass mit Kundenkarten Profile erstellt werden, die das Einkaufsverhalten analysieren. Metro ist der Beweis, dass die Händler kein Interesse daran haben. Vielleicht ist es zu aufwändig, vielleicht bringt es zu wenig Nutzen. Ich erhalte jedenfalls genauso Werbung für Damenhygieneartikel, Windeln oder Hundefutter, obwohl ich derartige Artikel in den letzten 10 Jahren nicht einmal gekauft habe. So intelligent wie Google will Metro nicht sein.

Neben den normalen wöchentlichen Aktionspreisen, gibt es immer noch Sonderaktionen.
In einem Monat soll man seinen üblichen Monatseinkauf möglichst auf 3 Einkäufe verteilen und für 3*50€ einkaufen, um einmalig einen 50€ Gutschein zu erhalten.

Es kostet ein wenig mehr Benzin und Zeit, aber 50€ mit einer Stunde Zusatzaufwand verdienen, läßt man sich nicht entgehen. Statt alles zu kaufen was man braucht, bemüht man sich seinen Warenkorb nur mit Artikeln für 50€ zu beladen. Das schafft man natürlich nie, wer kann schon so gut Kopfrechnen, sicherheitshalber nimmt man etwas mehr und schon zahlt man 80€.

Aus den erwarteten 33% Rabatt (50€ Erstattung bei 150€ Einkauf) wird also selten etwas, ich bin bei meinen 3 Einkäufen bei etwas 250€ gelandet, dafür eine 50€ Gutschein zu bekommen, sind immernoch lohnenswerte 20%.
Statt die 250€ bei einem Einkauf auszugeben, mußte ich dafür 3mal hinfahren.

Im nächsten Monat, soll man möglichst gleich einen 3-Monatsvorrrat kaufen, für einen 500€-Einkauf gibt es einen 100€ Gutschein. Also umlernen. Da braucht man eine Einkaufsliste und kann nicht mehr so spontan kaufen was man denkt, was man so braucht, und wiederkommen wenn man etwas vergessen hat. Metro will nicht das ich wiederkomme, sondern dass ich alles auf einmal kaufe. OK.


5kg Kaffee, 12 Flaschen Wein, 10 Liter Milch, eine Spirituose, 2 Kästen Bier der Jahresvorrat an Blumendünger: Geranien, Palmen, Rosen; Waschmittel und Geschirrspülmittel, Studentenfutter, 4 Stück Butter und ein großes Stück Parmesan, ein paar Steaks die 4 Wochen halten, vielleicht noch ein paar Schuhe oder neue Bettwäsche, mal wieder eine LED-Birne und noch ein Liter gutes Olivenöl. Es erfordert eine ziemliche Planung, wenn man unbedingt am Stück für 500€ einkaufen soll.

Ich kaufe für keinen Cent mehr ein, als ich sonst einkaufe, durch diese Aktionen werden nur die Einkaufsintervalle beeinflußt. Bestenfalls werde ich davon abgehalten, in anderen Supermärkten einzukaufen.

Nebenbei kann man noch Prämien-Punkte sammeln, um ein paar Töpfe und Pfannen billiger zu bekommen.

An einem Wochenende gibt es „Auf 3 Artikel je 20%“. Aber mich nun auch noch auf den Tag festlegen zu lassen, wann ich einkaufen soll und mich ausgerechnet am Wochenende durch volle Regalreihen schieben, das mache ich nicht mit. Für Kaffeemaschinen, Staubsauger oder eine neue Bohrmaschine, lohnt sich das manchmal, aber ich habe mir abgewöhnt Dinge zu kaufen, nur weil ich 20% Rabatt darauf bekomme. Man lernt dazu und gerade für die teureren Artikel findet man im Internet immer Händler, die die Metro-Preise um 10% unterbieten. Bei den kleineren Artikeln wie Wein oder Blumendünger wird das wegen des hohen Gewichtes bei kleinen Margen schon schwieriger.


Das merkwürdige ist, all diese Werbeaktionen sind miteinander kombinierbar, ich kann mit dem gleichen 80 € Einkauf, meinen 50€-Mindesteinkauf abrechnen, es kann darunter ein rabattierter 20% Artikel sein, und Prämienpunkte bekommt man auch noch. Diese Häufung von parallelen Aktionen findet man bei anderen Händlern eher nicht.

Das Preisgefüge kommt durcheinander, man weiß nicht mehr wirklich was die Dinge kosten. Es stehen zwar 10€ am Regal, aber mit dem einen Coupon zahlt man an der Kasse nur 8€, mit dem andern Coupon bekommt man nach 2 Monaten 2€ zurück. Wieviel hat man denn nun eigentlich für die Waren bezahlt? Werden vielleicht während solcher Rabatt-Aktionen die Preise erhöht, bevor es Rabatte gibt? Man setzt sich einem ziemlichen Stress aus und je mehr man nachdenkt, desto unsicherer wird man, ob sich denn der Stress überhaupt lohnt, oder ob man nur an der Nase herumgeführt wird. Man muss höllisch aufpassen, nicht in jede gestellte Falle zu tappen.

Was kommt dabei heraus? 
Ohne Marketing-Sonder-Aktion gehe ich überhaupt nicht mehr zu Metro.

Praktiker - auch eine ehemalige Metro Tochter - hat das mit seinen „20% auf alles“ genauso gemacht, und war nach 2 Jahren Pleite.


Ein entspanntes Einkaufen, vielleicht sogar Spaß beim Stöbern, kommt nicht auf, wenn man ständig im Kopf oder gar per Taschenrechner versucht, eine Mindestmenge zu erreichen, aber nicht zu sehr zu überschreiten. Jede Preissenkung wird zum Ärgernis, wenn man ein Produkt vor 2 Wochen gekauft hat und man nachträglich erfährt, daß es jetzt im gleichen Laden weniger kostet. Es wäre mir deutlich lieber, wenn ein Artikel dauerhaft 10€ kostet, anstatt "normalerweise" 12€ und in Sonderaktionen mal 9€.