Freitag, 31. Januar 2014

Gelungenes Stadtmarketing in Stralsund

Jenseits aller grauen Theorie ein Beispiel für gelungenes Stadtmarketing.

In einem Getränkemarkt in der Region Dresden erscheinen ein paar neue interessante Biersorten, Störtebeker-Schwarzbier und Kellerbier. Probieren wir mal ein paar Flaschen aus.

Es war nicht der typische Einheitsgeschmack, sicherlich polarisierend aber in seiner Andersartigkeit überzeugend. Beim nächsten Einkauf nehmen wir eine ganze Kiste. Inzwischen gibt es noch mehr Sorten im Getränkemarkt, Atlantik-Ale und Bernstein-Weizen, alles relativ hochpreisig mit 0,85 und 0,95€ je Flasche. Qualität muss einem etwas Wert sein und eins pro Tag kann man sich wohl leisten.

Der Kiste lag ein kleiner Flyer bei. Es gibt auch einen Online-Shop der Brauerei - Mal gucken was es noch so aus dieser Brauerei gibt.
 
Fassbrause, Alkohlfreies, Radler, Whiskey-Bier, Stark-Bier, Porter, Glühbier für die Kalte Jahreszeit, da stellen wir uns doch mal eine Kiste zum Durchkosten zusammen. 3,95€ Versand ist akzeptabel.

Im Paket war auch eine Stralsunder Zeitung. Die Brauerei empfiehlt eine Brauereibesichtigung, täglich 14 Uhr, und für die Übernachtung den Scheelehof, Stralsunds 4-Sterne-Superior Hotel in der Altstadt für einen Stadtbesuch. Backsteingothik, Gourmetrestaurant, gediegene hanseatische Atmosphäre. Ein Check bei HRS: Nun ja, ein wenig teuer ist es schon, aber es gibt ein angeschlossenes Apart-Hotel das im Winter bezahlbar ist

Noch ein bischen "Rahmenprogramm" um die Brauereibesichtigung (9,80€) gebastelt: Die Stralsunder Altstadt hat genug zu bieten, mittelalterliche Stadtarchitektur, Ozeaneum (16€), Meereskundemuseum(9€), Gorch Fock (4,50€) als etwas Naturerlebnis ein Ausflug nach Hiddensee (Bahn, Bus, Fähre ca. 40€) und zur Erholung ein Tag in der örtlichen Therme (26€).
Schon ist der 4-Tage-Kurzurlaub fertig. Natürlich fährt man nicht alleine, sondern nimmt noch jemanden mit, dann fallen alle Ausgaben doppelt an. So ist aus einer Flasche außergewöhnlichen überregional vertriebenen Bieres, lokaler Umsatz von ca. 500€ geworden.

Sogar die Stralsunder Tourist-Information stellt sich Störtebeker-Bier ins Schaufenster. Das Werbe-Potential hat man offenbar begriffen. Keine Buddelschiffe, Steuerräder oder sonstiger maritimer Kitsch - sondern Bier. Die initiale Idee stammt sicherlich von der Brauerei und hatte den Verkauf der eigenen Produkte zum Ziel, doch den Erfolg nahm die Stadt zum Anlass, ein neues Aushängeschild oder Wahrzeichen für sich selbst zu schaffen. Somit kein klassischer Fall von Public-Private-Partnership, aber ein erfolgreicher. Die Stadt wirbt mit dem Bier für die Stadt,  die Brauerei wirbt mit der Stadt für ihr Bier. Eine Verbindung die nicht auf "Jahrhundertelanger Tradition" beruht, sondern die erst etwa 2010 begann.


www.stoertebeker.com/

PS: Stralsund hat tägliche IC-Direktverbindungen aus Stuttgart, Köln, München, Hamburg, Hannover und Berlin.