Mittwoch, 4. Dezember 2013

Kann man lernen ein Nerd zu sein ?
Studienabbrüche unter Informatikern

Die Einschreibezahlen für Informatik-Studenten sind auf Record-Niveau, die Anzahl der Studienabbrüche aber auch und der Frauenanteil weiterhin gering. Ich vermute die Abiturienten lassen sich eher von guten Gehaltsaussichten locken,  als von echtem Interesse an der Sache. Informatik ist kein Studienfach für "normale Menschen".
Nicht Genialität oder Intelligenz, sondern Geduld, Ehrgeiz und auch ein wenig Leidenschaft sind eher notwendig. Es ist deutlich schwerer sich irgendwie "durchzuwurschteln" und man bekommt auch keine Aufgaben in kleinen Portionen, die sich nach einem fertigen Vorgehensmodell abarbeiten lassen. Wer so etwas sucht, sollte eher Fachinformatiker werden.

In den 90er Jahren war die Anzahl der Studienabbrecher unter den Informatiker groß, allerdings wurden damals andere Studien abgebrochen, um nach dem Abbruch Informatiker zu werden. Der Willen etwas Lernen zu wollen reicht aus, um sich ein paar Algorithmen aus Büchern zu erschliessen. Selbststudium ist kaum irgendwo so einfach, weil man eine preiswerte kleine Maschine hat, an der man sehr einfach testen kann, ob man es richtig verstanden hat und sich sofort korrigieren kann, falls nicht. Mediziner können nicht an Menschen herumschnippeln, Metallurgen nicht an Hochöfen und Philosophen können zwar nachdenken, aber das Gedachte nicht selbst überprüfen.

Was man selbst mitbringen muss, sind Motivation und Interesse etwas Lernen zu wollen.
Anders als in den Wirtschaftswissenschaften, die einfach Annahmen setzen und irgendwas ausrechnen, was in einer erfundenen Welt relevant ist, was man vielleicht als Leser eines Gutachtens nachvollziehen, aber nicht an der Realität prüfen kann, fliegt einem als Informatiker jeder Fehler gnadenlos um die Ohren.

Der Umgang mit Fehlern ist von der Mentalität her eine Arbeitsweise die nicht Allgemein üblich ist. Einfach mal was falsch zu machen ist ein Ansatz den man sich in der Informatik leisten kann, sonst aber kaum irgendwo.

Ich hab mir mal einen Test ausgedacht, wie man die Eignung zum Informatiker feststellen könnte:
Lass jemanden einen Pullover stricken mit einem mittelmäßig komplizierten Muster.
Irgendwann wird man mal eine falsche Masche, in falscher Farbe stricken und es eventuell
erst eine Zeit später bemerken. Wie werden sich die Probanden verhalten ?

  • es auf sich beruhen lassen und so tun als wäre nichts passiert, 
  • das Teil so wenden das es nicht so auffällt, vielleicht in den Achselbereich 
  • die paar Reihen Arbeit auftrennen bis zu der Stelle mit dem Fehler und es nochmal machen.

Informatiker werden nur die, die auftrennen.
Man muss einen Fehlversuch als persönlichen Fortschritt sehen, damit haben gerade Frauen Probleme, fangen vielleicht sogar an zu weinen, während etwas raubeinigere Handwerker einfach Ihre Wut herausschreien, wenn Ihnen mal etwas misslingt. Beides sind unangebrachte Reaktionen, es gelassen noch einmal versuchen, ist das was erwartet wird.

Der Hang zur Perfektion ist eher eine männliche Eigenschaft.
Männer putzen besser, aber nur wenn sie Lust dazu haben, nicht weile eine Woche rum ist.
Männer kochen besser, aber nur wenn Besuch kommt, der sie dafür lobt.

Frauen lassen schnell mal Fünfe gerade sein, es ist wichtig das Dinge erledigt werden. Jeden Tag etwas zu essen zu haben ist wichtiger, als das das Essen hübsch aussieht. Kontinuität, Pflichterfüllung, Pläne aufstellen und Kompromisse machen um Sie einzuhalten, sind positive Eigenschaften, die in vielen Branchen gefragt sind,  aber in der Software-Branche im Kern nicht Einstellungsvoraussetzung sind. Fast perfekt zählt nicht, wer will schon Software kaufen, die fast immer funktioniert. Für einmalige Anwendungen, für etwas das nur für heute relevant ist, kann man darüber hinwegsehen, für dauerhafte Anwendungen jedoch nicht.

Während die Bastelei an einem 5-Gänge Menü, oder an der Renovierung eines alten Schränkchens jedoch pure Zeitverschwendung und reines Hobby sind, lohnt sich die Perfektion in der Informatik, denn sie ist multiplizierbar. Man erstellt keine Sache, sondern einen Bauplan, nach dem später Tausende Kopien angefertigt werden mit denen Millionen Nutzer arbeiten.

Sich nicht mit einer 95%-Lösung zufrieden zu geben, sondern 99,99% zu verlangen, ist eine Eigenschaft die den Informatiker leicht als Geek oder Nerd in eine Aussenseiterrolle drängt.
Die Begeisterung für die Qualität muss höher sein als der Drang nach Durschnittlichkeit.

Mentalitätsfragen könnten eher Ursache für Frustration und Studienabbrüche sein, als schlechte Mathematikkentnisse, mangelndes Abstraktionsvermögen oder wie es oft heißt: fehlender Technik-Affinität. Das läßt sich leichter erlernen, als die die Neigung zu Exaktheit und Genauigkeit.