Freitag, 29. November 2013

Die Beitragsentwicklung der privaten Krankenversicherung - Ein Risiko für Altersarmut

Es ist wieder soweit. Alljährlich im November ein Brief von der Krankenkasse. Die "Beitragsanpassung". Wieviel wird es denn diesmal sein. "Nur 10% mehr", na das geht noch - es gab schon Schlimmeres. Man braucht eine robuste Gesundheit, damit man die Mitteilungen der privaten Krankenversicherung ohne Panikattacken übersteht.

Privatversicherte werden sehr schnell mit Stichworten wie Besserverdiener, Chefarztbehandlung und Einzelzimmer assoziiert. Doch vieles trifft auf neuere Verträge aus den letzten 10-15 Jahren gar nicht mehr zu.

Das Angestellte mit mehr als ca. 4300€ Monatsgehalt in die private Krankenkasse wechseln können ist sicherlich bekannt. Beamte dürfen sich unabhängig vom Einkommen privat versichern und erhalten, genau wie die Angestellten, 50% Ihrer Beiträge vom Arbeitgeber erstattet, als Zusatzleistung zum Bruttolohn.

Die dritte Gruppe sind die Selbständigen, die sich ebenfalls unabhängig von Ihrem Einkommen privat versichern dürfen. Darunter sind auch Geringverdiener. Viele kleine Markthändler, Trödler, auch ein paar Gewerke im Handwerk, wie z.Bsp. Bäcker gehören zu den Einkommensgruppen mit weniger als 2000€ im Monat. Um Neiddebatten gleich vorzubeugen, ein Selbständiger mit 2000€ im Monat (falls er arbeitet), enstprechen einem Angestellten mit 1500€ im Monat, für den der Arbeitgeber auch noch 300€ Versicherungsbeiträge übernimmt und 200€ für den Urlaub zurücklegt. Es ist nicht so einfach Einkommensangaben zwischen Selbständigen und Angestellten zu vergleichen. Ein Selbständiger ist mit gleichem zu versteuerndem Einkommen ärmer als ein Angestellter.

Für Selbständige bietet die gesetztliche Krankenkasse nur die "freiwillige Versicherung". Diese unterstellt einfach - ganz unabhängig vom wirklichen Einkommen - der Versicherte würde in Höhe der jeweiligen Beitragsmessungsgrenze verdienen, also aktuell ca. 4000€ monatlich. Der Versicherungsbeitrag beträgt 14,5%, das sind 580 €. Soviel muss ein Selbständiger zahlen um sich freiwillig gesetzlich zu versichern, auch dann, wenn er vielleicht nur 1500€ Einkommen hat.
Der einzige Grund, warum jemand auf dieses "Angebot" eingeht, ist die Familienversicherung. Als gesetzlich Versicherter sorgt man mit diesem Beitrag auch gleich für Frau und Kinder vor, in der privaten Versicherung müßte jede Person einzeln versichert werden.

Doch als junger Single lockt die private Krankenversicherung mit Beiträgen ab 180€, manchmal sogar noch weniger. Bei Werbung sollte man immer darauf achten, das einige nur mit halben Beiträgen werben, weil Angestellte und Beamte nur halbe Beiträge bezahlen. Außerdem werden 20 jährige sehr viel günstiger versichert als 40jährige. Deswegen muss man Aussagen wie in dieser Werbung äußerst differenziert hinterfragen:


Die private Krankenversicherung ist für Singles bis zu einem Alter von 50 Jahren fast immer preiswerter, als die freiwillige gesetzliche Versicherung mit den festen 580€. Man vergleicht Preise. Man vergleicht Leistungen und kommt zu dem Schluss, die private Krankenversicherung ist eine gute Sache. Mehr Leistungen bei geringeren Beiträgen.
Das Schwierige bei dieser Entscheidung ist jedoch, das man einerseits eine Verbindung auf Lebenszeit eingeht, man kommt leichter aus einer Ehe heraus, als aus dem Status des Privatversicherten; und man kann die Entwicklung der Beiträge in den nächsten 50 Jahren nur schwer prognostizieren.
Ob die PKV eine gute Entscheidung war, können vielleicht die 90-jährigen rückblickend bewerten, aber nicht die 30-jährigen vorausschauend. Es wird immer ein ungutes Gefühl bei dieser Entscheidung bleiben, sofern sich der 30-jährige über die Tragweite seiner Entscheidung überhaupt bewußt ist.

Ich war mir dessen so halbwegs bewußt und habe mit 31 eine PKV abgeschlossen. Dreizehn Jahres später habe ich einige "Beitragsanpassungen" mitgemacht.

Persönliche Beitragsentwicklung

Als "Neukunde" habe ich im Jahr 2001 einen Vertrag für ca. 180 Euro mit 1022€ Selbstbehalt abgeschlossen. 10 Jahre später, 2012, wurde ein Beitrag von 550 Euro mit 1500€ Selbstbehalt angekündigt.
Daraufhin habe ich den Tarif innerhalb der Krankenkasse gewechselt, auf ein paar Leistungen wie den Chefarzt und das Einzelzimmer verzichtet, und meinen Beitrag um 200 Euro reduziert.

Wie man sieht, es ging ziemlich steil bergauf, nicht als Einzelfall sondern jährlich.


Im Mittel ca. 10% pro Jahr. Es gibt keine andere Versicherung die solche Entwicklungen hat. Darauf ist man als Versicherter nicht gefasst, aber 10% Steigerung pro Jahr, bedeuten eine Verdopplung alle 7 Jahre.

Wenn man diese Entwicklung auf die nächsten 20 Jahre extrapoliert, wird der Beitrag bald so aussehen:

Extrapolierte Beitragsentwicklung, auf Grundlage der Steigerungen der letzten 13 Jahre

Mit 65 werde ich wahrscheinlich einen Beitrag von 2300€ haben. Die Politik hat zwar das Problem erkannt und die Krankenkassen gezwungen Altersrückstellungen zu bilden, doch diese Rückstellungen sollen erst die Beiträge ab dem 65. Lebensjahr dämpfen und die jährliche Steigerung auf maximal 5% begrenzen. Wenn der Beitrag erstmal auf 2300€ angewachsen ist, hilft es aber wenig, zu wissen das es ab jetzt langsamer steigen wird. Bezahlen wird solche Beiträge kaum jemand können. Inflation und Einkommen werden sicherlich langsamer wachsen, als mit 10% jährlich.

Als 30jähriger läßt man sich von seinem Versicherungsvertreter alle möglichen optionalen Zusatzleistungen aufschwatzen und fühlt sich damit "rundum gut versorgt". Wegen der Beitragssteigerungen muss man diese Luxus-Komponenten wieder kündigen um den Tarif bezahlbar zu halten und hat 10-20 Jahre quasi nutzlos einen Zuschlag für ein Einzelzimmer bezahlt, obwohl ich bis heute noch nie eine Nacht im Krankenhaus verbracht habe.

Das Argument für den frühen Abschluss möglichst vieler Leistungen ist die Gesundheitsprüfung.
Man kann jederzeit seinen Tarif reduzieren, wenn man ihn jedoch verbessern möchte, kann die Krankenkasse eine Gesundheitsprüfung verlangen, das Aufstocken ablehnen oder mit einem individuellen Risikozuschlag versehen. Niemand versichert ein Haus das schon brennt.
Also versichert man, solange man noch gesund ist, soviel wie möglich, später könnte es einmal nicht mehr gehen. Bei geringen Einstiegstarifen kann man sich zwar die Zusatzversorgung leisten, braucht sie aber nicht, und wenn die Beiträge steigen, ist es das erste  was man wieder kündigt. Es wäre besser gewesen, sie gar nicht erst abzuschliessen.
Auf Optionen wie ein Einzelzimmer kann man getrost verzichten, wer es sich leisten kann, kann bei einer Krankenhauseinweisung immernoch entscheiden, ob er bereit ist, den Aufschlag privat - ohne Versicherung - zu bezahlen. Der Chefarzt ist auch nur der, der am meisten im Büro sitzt, Mitarbeiter einteilt und Urlaubsanträge unterschreibt, und nicht der, der zwangsläufig die beste tägliche medizinische Routine hat.

Selbstbehalt

Jeder weiß, es gibt in der privaten Krankenkasse noch bezahlte Brillen und mehr Leistungen für Zahnersatz. Vergessen werden bei dieser Aussage immer die heute üblichen Selbstbehalte.
Wie das funktioniert kennt jeder von der KFZ-Versicherung, man schliesst eine Vollkasko mit 300€ Selbstbeteiligung ab und weiß damit von vornherein, das man Schäden für 250€ nicht beglichen bekommt, und das es sich wegen der Rückstufung und der Prämienerhöhung vielleicht erst ab 400€ lohnt, einen Schaden zur Regulierung einzureichen.

In der privaten Krankenversicherung sind solche Tarife mit Selbstbehalt heute die Regel und reduzieren die Beiträge deutlich. Hier mal der gleiche Tarif mit verschiedenen Selbstbeteiligungen:


Da greift man doch gerne zu, oder nicht ?

Doch das bedeutet: wenn man sonst gesund ist, bekommt man für seine Brille nichts, für den Augenarzt nichts, für die jährliche Kontrolle beim Zahnarzt nichts, und auch sonstige kleine Wundversorgungen, für die man mal schnell in die Notaufnahme muss, zahlt man aus eigener Tasche.

Die 10€ Praxisbeitrag, die gesetzlich Versicherte ehemals zahlen mussten, oder auch hier und da ein paar Euro Zuzahlung bei Medikamenten erscheinen lächerlich, wenn in der PKV Selbstbeteilungen zwischen 300 und 2000€ jährlich normal sind.

Wenn man in der KFZ-Versicherung einen Kasko-Schutz mit 300€ Selbstbehalt abschließt, kann man sich darauf verlassen, dass es bei diesem Selbstbehalt bleibt. In der PKV ist das anders. Der Selbstbehalt kann jählich angepasst werden, er wird mit den Beiträgen erhöht. Ich habe zum 01.01.2012 einen Vertrag mit 750€ Selbstbehalt abgeschlossen, schon ein Jahr später wurde er auf 900 Euro erhöht. Einfach mal so 20% mehr Eigenleistung, oder 150 Euro weniger Auszahlung von der Krankenkasse.

Für die chronisch Kranken, wie Patienten mit Diabetes, schweren Allergien, Epilepsie oder Depressionen, die eine regelmäßige Betreuungen und langfristige Therapie benötigen, den Selbstbehalt jährlich übersteigen (das heißt zahlen) und keine Wahl haben irgendetwas zu sparen, ist der jährliche Versicherungsbeitrag inclusive Selbstbehalt die relevante Größe. Das stellt den jährlich zu zahlenden Betrag dar. 

Mein Jahresbeitrag inclusive Selbstbehalt
Der eigentliche Anreiz weniger zum Arzt zu gehen oder weniger Leistungen zu beanspruchen läuft damit ins Leere - sobald der Selbstbehalt überschritten wird, nimmt man alles mit was es gibt.

Man könnte natürlich sagen "Dann nimm doch einen Tarif ohne Selbstbehalt". Doch um einen Selbstbehalt von 1000€ jährlich abzuwählen, erhöht sich der Tarif um ca. 1200-1500€ jährlich. Man zahlt also noch mehr als zuvor. Doch der Tarif wird steuerlich gefördert, eventuell spart man also ein paar Euro Steuern und stellt sich tatsächlich besser. Am besten man nimmt seinen Steuerberater mit zu seinem Versicherungsberater um das zu beurteilen.

Der Selbstbehalt führt zu so merkwürdigen Verhalten das man sich zum Beispiel in dem Jahr mit einer kleinen Zahn- Operation auch noch eine neue Brille "gönnt" oder sich mal beim Orthopäden durchchecken läßt. In einem Jahr "verkneift" man es sich zum Arzt zu gehen, im anderen Jahr geht man dann "zu allen Ärzten die es gibt". Das ist nicht gut für die Gesundheit aber die Krankenkassen setzen finanzielle Anreize, sich so zu verhalten. Was nutzt eine Vorsorgeuntersuchung im Leistungskatalog, wenn die so preiswert ist, das man sie selbst zahlen müßte, weil sie noch innerhalb des Selbstbehaltes liegt ?
Wer bei einem Restaurantbesuch mal eine Sekunde überlegt "kann ich mir das diesen Monat leisten", der wird auch beim Arztbesuch überlegen, "muss das sein", "läßt sich das verschieben", "frag ich erstmal jemand anderen, der so was ähnliches hatte", denn bei jedem Arztbesuch zahlt man 50€ privat - ohne Aussicht auf Erstattung, wenn diese kleinen Beträge den Selbstbehalt nicht überschreiten.

Die Beitragsrückerstattung, die manche Versicherungen bei Nichtinanspruchnahme von Leistungen anbieten, wirkt genauso wie der Selbstbehalt. Man verzichtet auf eine Auszahlung, sobald man Leistungen in Anspruch nimmt. Sie hat jedoch den Vorteil der steuerlichen Abzugsfähigkeit.
Ein vereinbarter Selbstbehalt ist "Privatvergnügen" und wird steuerlich nicht weiter gefördert, es sei denn es wird zu einer außergewöhnlichen Belastung. Bei Singles sind das 6% vom Einkommen. 300 Euro Selbstbehalt kann nur jemand mit weniger als 5000€ Jahreseinkommen als Belastung geltend machen, praktisch also niemand. Dagegen wird eine nicht in Anspruch genommene Rückerstattung in vollem Umfang als Versicherungsbeitrag anerkannt.

Leistungen

Die Einheitlichkeit von Leistungen bei der PKV war anscheinend in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich und bestimmen heute vielfach noch das Denken und Argumentieren in der öffentlichen Meinung. Diese Zeiten sind jedoch lange vorbei.

Man kann sich nicht einfach darauf verlassen, dass eine Leistung bezahlt wird.
Bei der Einweisung in ein Krankenhaus stellt sich die Frage ob 1-, 2- oder Mehrbettzimmer, was zahlt die Kasse, was ist man bereit selbst zuzuzahlen. Soll der Chefarzt vorbeikommen oder nicht. Besonders komplexe Zahnbehandlungen, Brücken, Implantate, darf das der Zahnarzt einfach so anfertigen, wenn er einen Privatversicherten vor sich hat ? Zahlt die Kasse jede Leistung ? Wieviel Selbstbehalt gibt es bei zahnärztlichen Leistungen, wieviel bei ambulanten, wieviel bei stationären Leistungen. Ein Versicherungsvertrag besteht aus einer Unmenge von Zahlen und detaillierten Regelungen, die der Arzt überhaupt nicht, und der Versicherte zumindest nicht aus dem Kopf wissen kann.

Jeder Telefonanbieter holt sich bei Abschluss eines Vertrages eine Schufa-Auskunft ein. Bei Ärzten gilt das PKV-Kärtchen bislang noch als genug Beweis für ein hohes Einkommen. Gerechtfertigt ist dieses Vertrauen jedoch nicht immer. Schliesslich kommt es immer häufiger vor, dass der Arzt dem Patienten eine 10.000€ Rechnung präsentiert, von der die Kasse vielleicht nur 6.000€ bezahlt, vielleicht auch gar nichts, und schon hat der Patient einen großen Berg an Schulden, auf die er gar nicht gefasst war.

Die Krankenkasse handelt sicherlich vertragsgemäß. Nur der Versicherte hat seine 30 Seiten Versicherungsbedingungen nicht im Kopf und kann beim Arzt nicht entscheiden, welche Art der Behandlung denn versichert ist und welche nicht. Für gesetzliche Krankenkassen können die Ärzte Auskunft geben, was bezahlt wird und was nicht, bei privaten Krankenkassen unterscheidet sich das von Tarif zu Tarif und die Arbeit der Erkundigung nach den individuellen Leistungen bleibt beim Patienten hängen.

Der zusätzliche Verwaltungsaufwand, dem Arzt die Rechnung zu bezahlen, bei der Krankenkasse die Rechnung einzureichen, auf Rückerstattung zu warten, und eventuelle Abzüge der Erstattung mit der Krankenkasse zu diskutieren, sollte nicht vernachlässigt werden. Dagegen haben gesetzlich Versicherte ein "leichtes Leben", die sich nach Verlassen der Praxis praktisch um nichts weiter kümmern müssen.

Auch die privaten Krankenkassen schreiben Ihren Versicherten Briefe, in denen um Sparsamkeit gebeten wird, das man in der Apotheke doch bitte nach Derivaten fragen sollte um die Beiträge stabil zu halten. Ich habe mich daran gehalten, aber wahrscheinlich als Einziger, denn die Beiträge sind trotzdem gestiegen.

Bei der Verwaltung sparen die Krankenkassen jedoch nicht. Internet und E-Mail sind weitgehend unbekannt. Sämtliche Vorgänge werden auf Papier und per Brief abgewickelt.

Arzthonorare

Da in diversen TV-Serien die Zahnärzte immer im Ferrari am Golfplatz vorfahren, möchte ich mal zeigen, was so ein Arzt verdient, wer noch nie eine Rechnung gesehen hat, hat davon keine Vorstellung: Eine "Durchsicht" beim Zahnarzt, 15min, in denen 1 Arzt, 1 Assistentin und 1 Empfangskraft bezahlt werden müssen, dazu Praxismiete und Abschreibungen für die Behandlungseinrichtung finanzieren muss, kostet so etwa 40-60€.  Wenn dem Arzt selbst als Honorar davon 15€ bleiben, ist das viel, das ergibt ca. 60€/Stunde und liegt ein wenig über dem Preis eines Handwerkers, was mir für einen Akademiker angemessen erscheint.

Das Röntgen eines Zahnes kostet 6,50€, ein Ultraschall beim Radiologen 32€, ein EKG beim Hausarzt 26,50€. Das sind alles durchaus überschaubare Summen.

Man sollte diese Zahlen kennen bevor man eine PKV abschließt. Leider ist das selten der Fall.
Normalerweise wechseln gesetzlich Versicherter in die PKV, die nie zuvor eine Arztrechnung gesehen haben, und die Kosten, die auf sie zukommen, gar nicht einschätzen können. Damit können sie nicht beurteilen, wie wahrscheinlich es denn ist, einen Selbstbehalt von 750€ überhaupt jemals zu überschreiten.


Altersvorsorge

Es gibt Modelle heute mehr zu zahlen, um im Alter weniger zu zahlen. Das wird sogar steuerlich gefördert, doch einerseits muss man es sich ersteinmal leisten könnnen, mehr zu zahlen, und andererseits binden einen solche Rücklagen noch stärker an die Krankenkasse, da es keine andere Auszahlungsmöglichkeit gibt, als Beitragsreduktionen.
Selbst für sich Altersrückstellungen zu bilden, z.Bsp. einen Aktienfond zu kaufen, scheint sinnvoller, transparenter und wahrscheinlicher auch ertragreicher. Doch da damit die Zweckgebundenheit der Gesundheitsvorsorge verlorengeht, entfällt auch die steuerliche Förderung.
Es bleibt noch die Möglichkeit eine Basis-Rente abzuschliessen, eine sogenannte Rürup-Rente, bei der man in einen Aktien-Fond einzahlen kann. Damit verlagert man wenigstens die Besteuerung von heute in die Zukunft und kann so die hohen Beiträge zur PKV im Seniorenalter von den Auszahlungen aus dieser Rente wieder absetzen, so dass man wahrscheinlich genauso steuerfrei bleibt, aber höhere Flexibilität hat.

Wie man sieht, die Überlegungen eine private Krankenversicherung abzuschliessen sind äußerst komplex, man braucht nicht nur einen Versicherungsvertreter oder Berater für die Krankenversicherung, der hilft die vielen verschiedenen Vertragsoptionen zu verstehen, sondern auch noch einen Steuer- und Finanzberater der einen bezüglich der bestmögliche Ausnutzung der steuerlichen Förderungen berät.

Seine finanzielle Situation zu planen ist mit einer privaten Krankenversicherung unmöglich.


Fazit

Eine Versicherung soll den Versicherten von Risiken entlasten.
Aus heutiger Sicht ersetzt die Krankenkasse jedoch nur das Risiko die Ärzte nicht bezahlen zu können, durch das Risiko die Krankenkasse nicht bezahlen zu können.

Durch die Reform von 2010 wurde zwar dafür gesorgt, das durch die Einführung des Basistarifs, jeder einen Vertrag bekommen kann, die Krankenkasse darf niemanden mehr aus gesundheitlichen Gründen ablehnen. Doch sie hat nicht dafür gesorgt, das man sich den Tarif auch leisten kann. Die Einkommensabhängigkeit, man zahlt nie mehr als man auch wirklich Einkommen hat, ist ein deutlicher Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung. Für Selbständige sind jedoch einkommensabhängige Tarife weder in der PKV noch in der GKV vorhanden.

Wer noch nicht genug vom Lesen hat, findet hier vielleicht noch ein paar mehr Argumente.