Montag, 2. September 2013

Risikomanagement statt Gewinnmaximierung

Die kleine Revolution, die Risikomanagement in den letzten 20 Jahren ausgelöst hat, geht an der Öffentlichkeit und sogar an vielen Fachleuten, weitgehend vorbei. Der alte Grundsatz der Profitmaximierung in Unternehmen gilt nicht mehr.

Es ist heute nur noch eine Maximierung unter Nebenbedingungen, bzw. ein Optimierungsproblem. Bei der Gewinnmaximierung geht es immer um Gewinnplanung und Gewinnprognose und Prognosen sind immer unsicher, unsicherer als der Wetterbericht, denn die Datenbasis ist dünner und die Einflussfaktoren und Wechselwirkungen weniger genau bekannt.
Man kann zwar leicht die „höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung“ angeben, doch die "höchste Temperatur in den kommenden 10 Jahren" zu bestimmen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wirtschaftsforschung und Risikomanagement übernehmen die Rolle, die die Klimaforscher für das Wetter übernehmen. Es läuft auf Antworten der Art „Mit 10% Wahrscheinlichkeit wird es mindestens 28 Grad warm“ oder „Mit 50% Wahrscheinlichkeit wird es mindestens 27 Grad warm“ hinaus.
Mit dem Unternehmensgewinn verhält es sich ähnlich. So eine Zahl mit Wahrscheinlichkeiten lässt sich nicht maximieren. Die neue Herausforderungen lautet: „Wie finde ich den höchsten Gewinn bei kleinstmöglichem Risiko“, oder auch mit höchstmöglicher Genauigkeit und Treffsicherheit.



Die Ziele sind konfliktär, je kleiner das eine, desto größer das andere. Gibt es für dieses Problem ein Optimum oder ist das eine freie Entscheidung des Unternehmers? Wie viel Geld möchte ich investieren, wenn das Risiko des Totalverlustes bei 3% liegt? Gibt es Möglichkeiten sich gegen Risiken abzusichern, sich zu versichern, ist es überhaupt sinnvoll sich zu versichern?

Versicherungen sind ein Wesentliches Mittel geworden um Risiken zu vermeiden oder die Folgen erträglicher zu machen. Sie dienen jedoch auch manchmal dazu Risiken zu verschleiern und zu verstecken.
Wenn sich jemand in der Einschätzung des Risikos irrt, kann eine Versicherung oder jede andere Form der Absicherung nicht mehr funktionieren und wir landen unter Umständen in so etwas, wie der, auf dem falsch beurteilten Sub-Prime-Immobilien-Markt basierenden, Finanzkrise von 2008.
Ohne das Know-How Risiken einzuschätzen, sie zu bewerten, kann man keine geeigneten Gegenmaßnahmen vornehmen, die Prognosemodelle werden ungenauer und Gewinnprognosen, in die man kein Vertrauen haben kann, sind nicht maximierbar.

Ich habe für diesen Themenbereich eine öffentliche Community gegründet, falls jemand eigene Fragen, Themen und Meinungen in diesem Bereich hat, explizit auch Nicht-Wirtschaftswissenschaftler, wie Ingenieure, Mathematiker, Informatiker, Philosophen, Ethiker hoffe ich auf interdisziplinären Austausch.