Freitag, 20. September 2013

Die Folgen von 75% Einkommenssteuersatz

Sowohl von den deutschen, als auch den französischen Linken hört man immer wieder die Forderung nach 75% oder 100% Steuersatz, ab einem gewissen Mindesteinkommen.

Als Momentaufnahme mag das sinnvoll erscheinen, jemand hat etwas, das man ihm wegnehmen kann. Es wird jedoch selten beachtet dass ein so besteuerter Mensch sein Verhalten ändert.

Der Vorsatz Gewinne zu machen, ist nicht naturgegeben oder unerschütterlich für einen Unternehmer. Gewinne macht man nur, wenn man sie auch behalten und für selbstbestimmte Zwecke verwenden darf. Das ist die Haupttriebkraft ist, um überhaupt wirtschaftlich tätig zu sein. Um „arbeiten zu gehen“. Je höher der Steuersatz, desto weniger „Lust“ hat man überhaupt etwas zu leisten, überhaupt Einkommen erzielen zu wollen.

Warum sollte sich jemand auf unternehmerisches Risiko einlassen, wenn er nicht mehr verdienen darf als ein besserer Angestellter? Als Angestellter hat man mehr Sicherheit, Sicherheit, dass das Einkommen nicht so stark fällt, auch Sicherheit, dass das Einkommen nicht so sehr steigt. Für einen Unternehmer ist die Welt in beide Richtungen offen, solange er das Risiko des Totalverlustes trägt, muss er auch die Möglichkeit beliebig hoher Gewinne haben.

Spass mit Betriebsausgaben
Wer Gewinne verhindern will, zieht möglichst viel Nutzen, wie z.Bsp. Prestige, aus seinen betrieblichen Ausgaben.
  • ein Maserati, statt nur einer S-Klasse
  • ein Mahagoni-Schreibtisch, statt Akazie
  • eine Besprechung wird auf den Bahamas abgehalten, anstatt im Bürohochhaus in Frankfurt
  • Den Picasso hängt man ins Büro, statt in die Privatwohnung
  • Aus dem Essen mit Freunden, wird eine geschäftliche Einladung eines potentiellen Kunden

Viele dieser Dinge werden heute schon praktiziert, je höher die Steuern steigen, desto höher wird der Anreiz für weitere Unternehmer, so zu denken.

Spenden und Stiftungen sind eine weitere Alternative, mit betriebsfremden Ausgaben die Steuern zu reduzieren. Da gründet man an der Coté d Azur ein Kinderheim für krebskranke Kinder und schon kann man 2-3mal pro Jahr eine Dienstreise an die Coté d Azur machen, wiederum steuerlich gefördert. Man läuft hier sicherlich Gefahr viele gute gemeinnützige Einrichtungen über einen Kamm zu scheren aber die Vielzahl von gemeinnützigen Vereinigungen läßt diesen Verdacht zu.

Warum haben gerade so viele erfolgreiche Ex-Sportler so viele dieser Stiftungen? Reine Selbstlosigkeit ist es wohl nicht, es liegt immer die Idee dahinter: bevor ich es dem Finanzamt gebe, stifte ich es eher für mir bekannte Zwecke und behalte die Kontrolle über mein Geld.

Im Einzelfall ist gegen derartige Initiativen nichts einzuwenden, doch in Ihrer Vielzahl bedeutet es, anstatt der Staat entscheidet was mit dem Steuergeld geschieht, entscheidet der einzelne Steuerzahler darüber was mit dem Geld geschieht, bevor es überhaupt zu Steuergeld geworden ist.  Anstatt das eine zentrale Stelle Gelder an alle Kinderheime gleichverteilt, werden einzelne Spendenempfänger bevorzugt.

Wenn ich entscheide 100 € zu spenden, gibt mir das Finanzamt heute 30 € „zurück“. Bei Personen mit hohem Einkommen sind es sogar 50 €. Mit einem Steuersatz von 75% verzichtet das Finanzamt auf 75 € Einnahmen, wenn es die Spende von 100 € akzeptiert.

Während ich bei 100€ mit 30% Steuern geneigt bin die 100 € zu versteuern 30 € zu zahlen und 70€ zur freien Verfügung zu haben, würde ich bei 75% Steuersatz eher überlegen, „Ich entscheide selbst wofür  die 75€ Steuern verwendet werden, ich lasse es einer Verwendung meiner Wahl zukommen, habe daraus vielleicht einen indirekten Nutzen, bekomme einen Blumenstrauß, eine Urkunde, Ansehen" oder etwas in dieser Art. Hohe Steuersätze sind gut für die Spendenbereitschaft, aber sie senken das Steueraufkommen.

Was wäre bei einem Steuersatz von 100%? Die Überlegung des Unternehmers lautet: Gebe ich 5000€ dem Finanzamt, oder kaufe ich mir für 5000€ etwas für die Firma, auf das man vielleicht bisher verzichtet hat. Natürlich wird sich JEDER für die Ausgaben für die Firma entscheiden. Der Gewinn geht gegen Null, das Steueraufkommen sinkt auf Null.

Der Steuersatz gibt an, mit wieviel Prozent sich das Finanzamt an Ausgaben beteiligt.
Eine 100€ Spende bei 75% Steuersatz,  läßt mich 75€ weniger Steuern zahlen.
Eine 5000€ Investition bei 100% Steuersatz, läßt mich 5000€ weniger Steuern zahlen.
Härter formuliert: Das Finanzamt zahlt mir die Investition.

Diese Idee ist nicht neu: Wie man lesen kann stammen die Grundzüge schon von 1728.

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Ich wende mich explizit nicht gegen Steuererhöhungen. In einem gewissen Rahmen, vielleicht bis maximal 55%, darf man darüber nachdenken. Aktuell haben wir unter 50%. So etwas wie der Solidaritätszuschlag wurde nur erfunden, um eine Steuererhöhung nicht Steuererhöhung zu nennen. Ein großes und eher schmerzfreies Potential wird jedoch schon darin liegen, die vorhandenen Steuern mit weniger Ausnahmen oder mehr Kontrolle einzutreiben und Steuergelder mit mehr Verstand einzusetzen.