Freitag, 9. August 2013

Wieviele Sprachen braucht die Welt ?

Brauchen wir eine einheitliche Weltsprache ?  Es wäre schön.

Der Mensch verschwendet so viel Zeit Sprachen zu lernen, Dokumente zu übersetzen, übersetzen zu lassen, fährt nicht an Orte an denen er sich nicht verständigen kann.

Englisch hat sich als Lingua Franca durchgesetzt. Nachdem im 19. Jahrhundert eher Französisch dominierte, dominiert seit dem 20. Jahrhundert das Englische. Ursachen waren weniger die Kolonialisierung der Welt, sondern  einerseits die wirtschaftliche Dominanz, 4 der Top Industrienationen haben Englisch als Muttersprache, andererseits hat die Unterhaltungsindustrie aus Hollywood viel dazu beigetragen. 80% unserer Kinoproduktionen sind englischsprachige US-Produktionen, in kleineren Länder wird nicht so viel synchronisiert wie in Deutschland, also hört man sich die Filme im Original an. Dazu kommt Englisch als Wissenschaftssprache, weil die USA und England als "Mutterland des Kapitalismus" ganz eindeutig die wirtschaftswissenschaftliche Forschung dominierten, und in den letzten 50 Jahren zunehmend auch Medizin und  Naturwissenschaften. Mindestens 50% aller Nobelpreisträger sind englischsprachige Muttersprachler.

Englisch hat inzwischen den Vorteil, das es nicht mit einer Nation verbunden ist, es ist nicht pur Amerikanisch oder Britisch, auch Neuseeländer, Australier, Kanadier beanspruchen es als "Ihre" Sprache. Französisch ist dagegen noch immer eng mit Frankreich verbunden. Ehemalige Kolonien benutzen Französisch meist nur als zweite Amtssprache. Anstatt eine neue "neutrale" Sprache für die internationale Verständigung, wie Esperanto, zu erfinden, würde wahrscheinlich Englisch heute weithin auf Akzeptanz als Weltsprache stoßen.

Durch das Sprechen viele Sprachen, wird Sprachen erodiert und verschliffen. Wenn jeder nur 20.000 Worte einer Fremdsprache kennt und viele Migrationsprozesse in der Welt stattfinden, nimmt die Zahl der Muttersprachler immer mehr ab. In den USA ist das durch die hohe Anzahl von Einwanderern seit langem ein schleichender Prozess. Das Englisch Shakespeares ist für einen Großteil der Bevölkerung, auch wenn Sie Englisch als Muttersprache angeben, nicht mehr verständlich. Der umfangreiche differenzierte Wortschatz geht verloren, weil man in 95% aller Lebenssituationen ohne diesen Wortschatz auskommt.

In Deutschland beginnt dieser Prozess gerade erst, denn die erste größere Migrationswellen sind gerade erst 50 Jahre her. Die dritte Generation bezeichnen sich zwar als deutsche Muttersprachler, kommen aber oft nicht über Ghetto-Slang hinaus. "Ey, Du, Alter, Respekt Ey".

Wenn sich der Mensch auf nur eine Sprache konzentrieren würde, könnte er diese eine um so perfekter und differenzierter sprechen. 

Es wird wohl nicht durchzusetzen sein, schon wenn es um weniger emotionale Normen wie Masseinheiten oder Steckdosenformen geht, waren Einigungen bisher nicht möglich.

Sprache schafft Zusammengehörigkeitsgefühl. Das machen andere Attribute aber auch. Chinesen erkennen sich wahrscheinlich gegenseitig an der Physiognomie, auch Inder verwechselt man wohl höchstens mit Pakistani. Fussballfans bilden Gruppen durch einheitliche Kleidung, Hüte, Symbole, Tänze, es gibt viele verbindenene  Gemeinsamkeiten, neben der Sprache, die aber nicht die Kommunikation mit anderen Gruppen erschweren.

Der Vorgang der Vereinheitlichung der Weltsprachen könnte so funktionieren:Eine Sprache wird als obligatorische Zweitsprache eingeführt. Wenn die Menschen schon Ihre eigene Sprache nicht aufgeben wollen, und wenn die Menschen schon bereit sind eine Fremdsprache zu erlernen, dann sollen doch wenigstens alle die gleiche Fremdsprache lernen, so das danach auch wirklich jeder mit jedem reden kann.

Durch globalisierte Wirtschaft, Touristik, Migration, wird die Zweitsprache nach und nach zur Alltagssprache. Es ist normal, das 20% Ausländer in einer Stadt sind, und jedes Restaurant und jede Behörde einen Fremdsprachenservice anbieten muss. Nach ca. 50 Jahren (3 Generationen) wird die Zweitsprache zur Bi-Lingualen Muttersprache. Nach ca. 100 Jahren beginnt die Nationalsprache auszusterben, es ist zu aufwändig und nicht effizient beide Sprachen am Leben zu erhalten, so wie das in der Vergangenheit schon mit Volkstrachten geschah. Geringe Stückzahlen und  hohe Preise machen lokale Mode zum Luxus.

Sprachen sind Reichtum ? Ist Verschiedenheit Reichtum ? Jede Verschiedenheit hat Vor- und Nachteile. Die Frauen können sich auch nicht wirklich entscheiden, ob Sie betonen wollen, das sie verschieden sind (Ladys First), oder unterstreichen wollen, das sie nicht verschieden sind (Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit).
Ähnlich ist es mit der Sprache, Ihr primärer Zweck, die Kommunikation, kann sie nicht erfüllen, wenn sie nicht von allen Gesprochen wird. Die Kulturelle Verbindung ist eher sekundär, und könnte gerne als "Volksgut" gepflegt werden.

In diesem Zustand sind zur Zeit in Deutschland die Sorben. Es gibt zwar noch 30.000 Personen die sorbisch als Ihre Muttersprache angeben, jedoch gibt es unter diesen niemanden, der nicht auch Deutsch spricht. Eine Sprache zur Kulturerhaltung, Eine andere Sprache zur Verständigung. Das ist auch jedem anderen Volk zuzumuten.

Etwas "gewaltsame" Parallelität von Sprachen findet in Quebec statt, speziell in Montreal. Jeder hat das Recht auf seine Muttersprache, aber das Französische wird besonders gefördert, um es vom Aussterben abzuhalten, was es unter normalen Umständen wohl schnell tun würde. Die Stadt ist attraktiv für Einwanderer aus ganz Amerika und das Englische würde über kurz oder lang dominieren. Dennoch sind Universitäts- oder Beamtenlaufbahnen, oder auch nur ein Kellner-Job ohne perfekte Bi-Lingualität undenkbar. Andersherum wird Montreal als einzige französchsprachige Enklave auf dem amerikanischen Kontinent besonders anziehend für Einwanderer aus Marokko, Algerien und Westafrika, den ehemaligen französischen Kolonien und Protektoraten. Die gemeinsame Sprache zieht an und verbindet.

Deutschland pflegt seine Sprache über die Goethe Institute, Frankreich über die Institut Francais. England hat so etwas nicht nötigt, und so versucht jede Nation, unter dem Mantel der Kulturpflege, das Zusammenwachsen der Welt zu verhindern.

Statt neue Medikamente, Pflanzen, Software, Energiequellen, Philosophien zu erfinden, verschwenden die Menschen Ihre geistigen Ressourcen auf das Erlernen von Sprachen, nur damit sie in der Lage sind mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Seit Edward Snowdon und PRISM wissen wir wen die USA als "vertrauenswürdige Nationen" einstuft. Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland. Alles Länder mit Englischer Muttersprache. Wer eine andere Sprache spricht, wie Deutsche, Franzosen, Spanier, macht sich schon vornherein verdächtig, der hat wohl etwas zu verbergen. Eine einheitliche Sprache sorgt für gegenseitiges Vertrauen.