Mittwoch, 28. August 2013

Private Krankenversicherung für alle

Wäre das nicht schön? Könnte man sich das leisten? Welche Vorteile, welche Nachteile gibt es?

Mit der Gesundheit verhält es sich etwas anders als mit einem Haus oder einem Auto. Man kann seinen Körper nicht einfach verkaufen oder gegen ein neues Modell austauschen, wenn etwas kaputt geht. Man ist auf fortwährende Reparaturen angewiesen. Man kann auch nicht auf den Körper verzichten, er begleitet einen bis zum Tod.  Wie gut funktionieren die marktwirtschaftlichen Regeln und Anreize bei der privaten Gesundheitsabsicherung?

Wer darf sich heute privat versichern?
  •          Angestellte mit mehr als ca. 4000€ Brutto zum halben Tarif
  •          Beamte zum halben Tarif
  •          Selbständige zum vollen Tarif

Neben des  scheinbare Vorteils Einkommensunabhängigkeit für die ersten beiden Gruppen -das Einkommen kann steigen, der Versicherungsbeitrag tut es nicht - wird der Nachteil für die Dritte Gruppe oft vernachlässigt. Auch selbständige Würstchenverkäufer,  Putzfrauen, Altenpfleger und andere Nicht-Akademische „kleine Selbständige“ ohne, oder mit wenigen Angestellten, mit einem Monatseinkommen von vielleicht 2000€, versichern sich bevorzugt privat, weil die private Krankenkasse gerade für Menschen unter 40, als die gesetzliche freiwillige Versicherung. Es ist nicht der Wunsch nach Luxusversorgung, der die Selbständigen in die privaten Krankenkassen treibt, es ist schlicht billiger, bis hin zur Möglichkeit eines großen Selbstbehaltes, wie man das von der Teilkasko-Versicherung kennt. Man versichert den Herzinfarkt, aber nicht den Schnupfen.

In der gesetzlichen Krankenkasse würde dieser Personenkreis immer so behandelt, als hätte er ein Einkommen in Höhe der Privatversicherungsgrenze von ca. 4000€. Der Beitragssatz beträgt 15,5%, das ergibt einen Versicherungsbeitrag von 620 Euro monatlich. Wer kann da widerstehen und eine private Krankenversicherung mit 200-300€ Monatsbeitrag ausschlagen?

Die Unterschiede zwischen privater und gesetzlicher Krankenkasse liegen in Einkommensabhängigkeit und Risikoneutralität. Alle Differenzen in  Leistungsangebot und Effizienz möchte ich einmal außen vor lassen. Dass ein Privatpatient leichter an Termine kommt, mag stimmen, das er zu seinem Zahnersatz oder Brillen nichts zuzahlen muss, ist heute schon mehr und mehr die Ausnahme, aber ein häufig  kolportiertes Gerücht. Zusatzleistungen für Zusatzprämien gibt es schon heute für jedermann.

Einkommensabhängigkeit scheint in jungen Jahren ein Nachteil zu sein, man könnte etwas einsparen, die Privaten können günstigere Tarife anbieten. Man läuft jedoch in die Gefahr sinkender Einkommen oder stark steigender Versicherungsprämien. Wenn der Krankenkassenbeitrag 120% des Einkommens beträgt, ist Einkommensabhängigkeit ein eindeutiger Vorteil, und die 15% für die gesetzliche Krankenkasse fast „Peanuts“. Rentner mit 1000€ Krankenkassenbeitrag und 800 € Einkommen sind gar nicht so selten. Meist geringverdienende Selbständige, die schlecht fürs Alter vorgesorgt haben. Die müssen dann Lösungen finden, meist auf Leistungen verzichten, Tarife wechseln, manche auch komplett kündigen. Das Recht auf Versicherung wurde vor ein paar Jahren eingeführt, niemand darf wegen Vorerkrankungen abgelehnt werden, aber eine Pflicht zur Bezahlbarkeit von Versicherungen gibt es nicht.  Diese Verpflichtung gehen nur die gesetzlichen Krankenkassen ein, indem Sie bereit sind nie mehr als ca. 15% des Einkommens des Versicherten zu verlangen.

Risikoneutralität bedeutet: Der Tarif steigt nicht mit dem Risiko. Man kann älter werden, ohne dass der Tarif steigt, man kann kränker werden und trotzdem noch die Krankenkasse wechseln ohne hohe Risikoaufschläge erwarten zu müssen. Die private Versicherungswirtschaft versucht immer Personen gleicher Risikoklassen zusammenzufassen, wer höhere Risiken hat muss mehr bezahlen. Teurere Häuser sind teurer zu versichern als preiswerte Häuser und wer näher am Wasser baut, muss mehr Prämie zahlen, als jemand auf dem trockenen flachen Land. Im Gesundheitswesen gibt es keine „teuren Häuser“, alle Menschen sind gleich viel Wert, der Versicherungsgegenstand ist immer der Gleiche. Unterschiede ergeben sich jedoch im Laufe der Jahre in den Risiken, da zwickt es hier und dann ist etwas mit dem Blutdruck oder den Zähnen, von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl der „Schäden“. In der KFZ-Versicherung würde man sagen „Man verliert Schadenfreiheitsklassen“ – es wird teurer und teurer. Die Folgen zeigen sich gerade bei Flutkatastrophen immer wieder. Es gibt nicht versicherbare Häuser oder extrem hohe Prämien für Häuser am Wasser. Mit einer risikoneutralen Prämie würden alle Hausbesitzer pflichtweise gegen Flut versichert, und schon ist es auf Grund der großen Masse an Versicherten, für alle wieder bezahlbar. Wir können auf Spendenmarathons und Benefiz-Konzerte verzichten. Beim Risiko Flut geht die Diskussion gerade in die entgegengesetzte Richtung, hin zur Vergemeinschaftung von Risiken. Wollen wir das bei der Gesundheit umkehren, und ältere und kränkere Leute mehr zahlen lassen, genauso wie wir heute Flussanrheiner mehr zahlen lassen?

Ich bin durchaus ein Freund von freier liberaler (privater) Marktwirtschaft, doch Marktwirtschaft beruht auf Anreizsystemen, Egoismus und Selbsterhaltungstrieb. Mit wachsendem Verstand sind die Menschen aber in der Lage auch die Vorteile von Altruismus, Solidarität und Humanität zu erkennen, für die die Marktwirtschaft keine direkten Umsetzungsmöglichkeiten hat. An diesen Stellen muss der Staat ein Regelwerk schaffen, das Solidarität belohnt. In Deutschland ist dieses System der sozialen, nicht der freien Marktwirtschaft, ein Ziel mit Verfassungsrang. (Art. 20 GG)

Von so einer Idee wie „freier Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung“ muss ich dringend abraten. Diese Entscheidung betrifft das ganze Leben und damit einen Horizont von 50-60 Jahren.  Der mündige denkende Bürger in allen Ehren, aber die Anzahl der Menschen die diesen Horizont und die Konsequenzen Ihrer Entscheidungen nicht überblicken ist zu hoch, da muss der Mensch vor sich selbst geschützt werden, vor der Gier nach Ersparnis im Alter von 25, mit der Gefahr der Unbezahlbarkeit im Alter von 70.


(Ein Beitrag zum Vorschlag von Gesundheitsminister Daniel Bahr vom 27.08.2013, die Privatversicherung für alle zu öffnen.)

Samstag, 10. August 2013

Kapitalismus ist Super – aber nichts ist perfekt - und Kommunismus ist schlimmer


Ich habe mal behauptet „Arbeiten lohnt sich – es schafft Einkommen“, und daraufhin die Frage erhalten wie ich Kapitaleinkommen einordne, Zitat:  „Kapitaleinkommen (Einkommen ohne Arbeit) und die Tatsache, dass letztere höher sind als die Einkommen aus Arbeit“. Eine Antwort in 3 Zeilen erscheint mir unmöglich.
Es sind immer Menschen die das Einkommen bekommen, für verschiedene Dinge die sie tun. Ob jemand ein Auto vermietet, oder ob er Geld vermietet, es ist das Gleiche. Er muss jemanden finden an den er es vermieten kann, Verträge schließen, die Rückgabe des Mietgegenstandes vereinbaren, ihn entgegennehmen, usw. Es ist unbestreitbar Zeitaufwand, Know-How-Einsatz usw. Mietzins, Kreditzins, es ist egal wie man es nennt.


Wenn jemand eine Kiste Äpfel für  5€ im Großhandel einkauft und Sie dann im Einzelhandel für 10€ wieder verkauft, dann ist das die gleiche Arbeit wie eine Aktie für 5€ zu kaufen, und für 10€ wieder zu verkaufen - das Kistenschleppen fällt vielleicht weg. Aber Man muss ein Produkt auswählen, 2 Märkte zwischen denen man es hin- und her transferiert, usw. Es ist beides Handel und es ist beides Spekulation. Handel ist immer Spekulation. Der Obsthändler spekuliert darauf, dass das was er für 5€ gekauft hat  für 10€ wieder verkaufen kann. Er hat dabei ziemlich wenig Risiko, das Preisgefüge ist stabil, er kann es am nächsten Tag wieder mit dem An- und Verkauf von Äpfeln versuchen. Wer mit Aktien handelt muss sich jeden Tag etwas Neues Aussuchen, was an einem Tag gut lief, läuft nicht unbedingt am nächsten Tag nochmal gut. Er muss obendrein noch Angst haben das die Aktien fallen. Er geht ein viel höheres Risiko ein. Risiko muss entlohnt werden. „Geld verdienen ohne Arbeit“ ist definitiv falsch.

Ich will das aber nicht so einseitig stehen lassen, ich verstehe schon womit man ein Problem haben könnte. Es sind die Größenordnungen.
Man hat mit der Verwaltung von 1000 € Vermögen genauso viel Arbeit, wie mit der Verwaltung von 1 Million €. Man kann für die gleiche Arbeit mit 10 € entlohnt werden, oder mit 10.000 €. Eine Wohnung zu besitzen und zu verwalten ist nicht viel weniger aufwändig, als 10 Wohnungen zu besitzen und zu verwalten. Der Hebel ist das Entscheidende dabei.

Karl Marx (ich kann auch ganz Links) hat in seinem Buch „Das Kapital“ (er hat sich ökonomisch mit dem Kapitalismus beschäftigt und nie etwas anderes im Sinn gehabt), ganz richtig erkannt, das der Besitz an den Produktionsmitteln der entscheidende Faktor ist.
Dazu gehört fast jede Art Besitz, aus dem man irgendwie Geld machen kann, ohne ihn zu verbrauchen. Die eigene Arbeitskraft, ist auch ein Besitz, man nennt es Humankapital, für „Kapitalisten“ ist es was Positives, etwas ein Kapital zu nennen, Moralisten verbitten sich Menschen mit Kapital zu vergleichen, schon dort fangen die Missverständnisse an.
Das große Problem mit dem Humankapital: Es ist nicht vermehrbar und nicht akkumulierbar, Jeder besitzt genau „1 Einheit“. Arme Bauernfamilien haben es mit vielen Kindern versucht zu vermehren, heute ist Kinderarbeit verboten, das geht nicht mehr. Die oben genannte Hebelwirkung kann man mit der Arbeitskraft nicht erreichen. Weitere Produktionsmittel:  Grundbesitz, Ackerland, Maschinen, Gebäude, Bodenschätze, und natürlich Geld. Es zählt nur das Geld zum Anlegen, nicht das Geld zum Ausgeben. Investition und Konsum sind verschiedene Dinge, auch wenn beide mit „Einkaufen“ zu tun haben.


Die Verteilung der Produktionsmittel, der Eigentumsverhältnisse, ist der Grund für die Not der Arbeiterklasse, wie Marx richtig feststellte. Das ist die Stelle die Ungerechtigkeiten erzeugt und an der man ansetzen muss, wenn man etwas verändern will. Große Vermögen sorgen dafür, das „leichtes Geld“ verdient wird, das wiederum in Vermögen verwandelt wird, und es exponentiell wachsen läßt. Wenn jemand exponentielles Wachstum nicht versteht: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen – und je größer der Haufen ist, desto schneller wächst er“. Oder auch „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ Matthäus 25,29. Ich bin Atheist, aber die Bibel enthält nicht nur Theologie, sondern war auch das erste Buch mit ganz viel Soziologie, Philosophie und sämtlichen Grundverhaltensweisen der Ökonomie. Es gab nur ein Buch und da hat man alles reingeschrieben, was man für wichtig hielt - auch wenn man später den Autor vergaß, und "glaubte" es war ein anderer.

Marx und Matthäus im gleichen Absatz mit der gleichen Aussage. Von einem atheistischen Kapitalisten – Was mache ich hier nur. Kapitalismuskritiker und Moralisten ansprechen hoffe ich.

Natürlich läßt sich Einkommen in Vermögen umwandeln, aber wenn man auf jemanden herabsieht der 10.000 € aus Zinseinnahmen hat, dann muss man zu den Ursachen der Einnahmen gehen, und das sind die 1 Million € Vermögen, die er wahrscheinlich besitzt. Statt mit Steuern Einkommen umverteilen zu wollen, muss man das Eigentum umverteilen, doch das läuft auf Enteignung hinaus, das ist ganz schwierig zu Lösen. Man versucht es ein wenig beim Eigentumsübergang, es gibt Grunderwerbsteuer, Grundsteuer, Vermögenssteuer „ruht" gerade, die Erbschaftssteuer hat die größte Masse, ist aber kritisch für Mittelständler. Wenn jemandem eine Aktiengesellschaft gehört, dann kann man leicht 30% des Wertes der Firma, 30% der Aktien veräußern, an irgendwen, tausende Leute. Aber wenn man einem eine Bäckerei gehört, wie soll man 30% als Steuer abführen ? Wer kauft einem 30% von einer Bäckerei ab. Da wird der Betrieb zu 100% verkauft, 30% Steuern abgeführt, mit den 70% irgendwas neues angefangen. Der neue Besitzer ist nicht eingearbeitet, kennt die Gewohnheiten der Kunden nicht, oder verkauft die Maschinen nach China und macht den Laden zu. Oder der Betrieb muss einen riesigen Kredit aufnehmen, der 30% seines eigenen Wertes entspricht, das bekommt man auch nur wenn man noch keinen Kredit hat. Es ist eine schwierige Sache diese Vermögensumverteilung zu regeln ohne negative Konsequenzen auszulösen.

Einkommensumverteilung per Einkommenssteuer wird in großem Stil praktiziert, dient aber nur als letztes Mittel für diejenigen die weder Vermögen haben (Arme), die keine Arbeitskraft haben (Behinderte, Kranke, Rentner, Kinder) oder die Ihre Arbeitskraft nicht in Einkommen umwandeln können (Arbeitslose, junge Mütter). Die Gelder haben verschiedene Namen, Harz-IV, Kindergeld, Erwerbsunfähigkeitsrente, Rente für Kindererziehungszeiten (Transferzahlungen, heißt es Allgemein), kommen aber alle mehr oder weniger direkt aus dem Steuertopf.

Gleiche Einkommen für Alle wären eine Katastrophe, da würde alles kollabieren. Niemand würde mehr eine Putzfrau einstellen, wenn er für 1 Stunde Staubsaugen das gleiche Geld bekommt, wie für 1 Stunde Herzoperation. Staubsaugen ist doch viel gefahrloser, warum soll man da das Risiko eingehen und jemanden am Herzen operieren – wenn man sowieso das gleiche verdient – such ich mir doch das bequemere aus. Warum soll ich denn 7 Jahre studieren ? Staubsaugen lerne ich in 10min. Ohne zu übertreiben – das wäre die Apokalypse.

Der große Vorteil des Kapitalismus, ich gehe auch so weit es den Grund für das Scheitern der DDR zu nennen, ist die Motivation. Warum sollte jemand besser arbeiten, wenn er dafür nicht besser bezahlt wird? Warum sollte jemand motiviert sein, etwas Tolles zu erfinden, wenn er nicht sicher sein kann dafür entlohnt zu werden?1000 Stunden für „umsonst“ arbeiten, zu Hause alleine im Kämmerchen, wie z.Bsp. Charles Goodyear – der mit den Reifen, oder Thomas Alva Edison – der mit Glühbirne und Telefon. Rein aus Selbstlosigkeit, aus Spaß am Erfinden ? Das gibt es, das nennt man dann Hobby, aber man muss doch von irgendwas Leben und die Erfindung in Geld umwandeln.
Man geht ein Risiko ein, Man investiert 1000Stunden Arbeitszeit, man hat die Chance damit 1Million  zu machen, das wäre ein guter Stundenlohn, aber gleichzeitig auch die „Chance“ gar nichts zu verdienen. Es ist ein Risiko, dieses Risiko muss entlohnt werden. Auf 9 Erfindungen die sich nicht vermarkten lassen, muss ein Knaller kommen, der alles wieder rausreißt.
Wenn man bevor man mit der Arbeit anfängt genau gesagt bekommt „arbeite mal 1000 Stunden, ich gebe Dir dafür 20.000€“, ganz ohne Risiko, hat man einen fairen Preis 20€/h, das ist OK.
Sobald jemand das Risiko eingeht, statt für 20€ evtl. nur für 10€/h zu arbeiten, muss man ihm auch die Chance geben 30€/h verdienen zu können. Und falls das Risiko beträgt 0€/h zu verdienen, muss die Chance bei € liegen. Es muss. Und da darf keiner kommen und sagen dass das ungerecht sei.
Zu Risiken, und wie man mit ihnen umgeht, hatte ich schon mal etwas Allgemeines geschrieben:Wie Versicherungen funktionieren

Es ist ein wenig wie in der Lotterie, es ist nur die Chance auf die Million die einen wöchentlich 10€ in Lose investieren läßt, sonst würde man es nicht tun. Viel Einkommen ist eine starke Motivation, es ist zwar vernunftsgesteuert aber beruht auf dem Selbsterhaltungstrieb, auf Biologie, auf unserer Evolution.  Vorräte anlegen, Jagen, Sammeln, Dinge horten. Neandertaler waren Kapitalisten.
In Notfällen ist der Mensch ein Egoist, er kann zum Kannibalen werden wenn es darauf ankommt, das ist deutlich stärker und liegt deutlich tiefer in uns drin als Sozialverhalten, Ethik, Moral, Solidarität und all diese hehren Ziele, und es ist vernünftig und effizient, diese innere starke Triebkraft, sei es auch mit Worten wie Gier, Habsucht, Selbstsucht belegt, auszunutzen und für etwas Gutes zu verwenden.


Es ist eine Utopie zu versuchen, man könne alle Menschen zur Selbstlosigkeit erziehen oder von Ihr überzeugen, und gleichzeitig zu Höchstleistungen motivieren, weil es doch "Zum Wohle der Menschheit" ist. Das ist Kommunismus. Eine wunderbare Idee, aber es wurde leider in einem 70jährigen Experiment festgestellt, das Medaillen zur Motivation nicht ausreichen, und man Ideologie weder mit Erziehung noch mit Gewalt in 100% aller Köpfe bekommt; denn die einzige gerechte Form der Selbstlosigkeit entsteht, wenn alle mitmachen, wenn jeder gibt und nimmt, sobald einer ausschert wird er zum Trittbrettfahrer, zum alleinigen Nutznießer. Darum war in der DDR Linientreue angesagt, und das Abweichen davon ein Verbrechen. Weil die Ursache von Ungleichheiten der Besitz an Produktionsmitteln war, wurden diese kurzerhand kollektiviert, heute sagt man „enteignet“.

Freitag, 9. August 2013

Wieviele Sprachen braucht die Welt ?

Brauchen wir eine einheitliche Weltsprache ?  Es wäre schön.

Der Mensch verschwendet so viel Zeit Sprachen zu lernen, Dokumente zu übersetzen, übersetzen zu lassen, fährt nicht an Orte an denen er sich nicht verständigen kann.

Englisch hat sich als Lingua Franca durchgesetzt. Nachdem im 19. Jahrhundert eher Französisch dominierte, dominiert seit dem 20. Jahrhundert das Englische. Ursachen waren weniger die Kolonialisierung der Welt, sondern  einerseits die wirtschaftliche Dominanz, 4 der Top Industrienationen haben Englisch als Muttersprache, andererseits hat die Unterhaltungsindustrie aus Hollywood viel dazu beigetragen. 80% unserer Kinoproduktionen sind englischsprachige US-Produktionen, in kleineren Länder wird nicht so viel synchronisiert wie in Deutschland, also hört man sich die Filme im Original an. Dazu kommt Englisch als Wissenschaftssprache, weil die USA und England als "Mutterland des Kapitalismus" ganz eindeutig die wirtschaftswissenschaftliche Forschung dominierten, und in den letzten 50 Jahren zunehmend auch Medizin und  Naturwissenschaften. Mindestens 50% aller Nobelpreisträger sind englischsprachige Muttersprachler.

Englisch hat inzwischen den Vorteil, das es nicht mit einer Nation verbunden ist, es ist nicht pur Amerikanisch oder Britisch, auch Neuseeländer, Australier, Kanadier beanspruchen es als "Ihre" Sprache. Französisch ist dagegen noch immer eng mit Frankreich verbunden. Ehemalige Kolonien benutzen Französisch meist nur als zweite Amtssprache. Anstatt eine neue "neutrale" Sprache für die internationale Verständigung, wie Esperanto, zu erfinden, würde wahrscheinlich Englisch heute weithin auf Akzeptanz als Weltsprache stoßen.

Durch das Sprechen viele Sprachen, wird Sprachen erodiert und verschliffen. Wenn jeder nur 20.000 Worte einer Fremdsprache kennt und viele Migrationsprozesse in der Welt stattfinden, nimmt die Zahl der Muttersprachler immer mehr ab. In den USA ist das durch die hohe Anzahl von Einwanderern seit langem ein schleichender Prozess. Das Englisch Shakespeares ist für einen Großteil der Bevölkerung, auch wenn Sie Englisch als Muttersprache angeben, nicht mehr verständlich. Der umfangreiche differenzierte Wortschatz geht verloren, weil man in 95% aller Lebenssituationen ohne diesen Wortschatz auskommt.

In Deutschland beginnt dieser Prozess gerade erst, denn die erste größere Migrationswellen sind gerade erst 50 Jahre her. Die dritte Generation bezeichnen sich zwar als deutsche Muttersprachler, kommen aber oft nicht über Ghetto-Slang hinaus. "Ey, Du, Alter, Respekt Ey".

Wenn sich der Mensch auf nur eine Sprache konzentrieren würde, könnte er diese eine um so perfekter und differenzierter sprechen. 

Es wird wohl nicht durchzusetzen sein, schon wenn es um weniger emotionale Normen wie Masseinheiten oder Steckdosenformen geht, waren Einigungen bisher nicht möglich.

Sprache schafft Zusammengehörigkeitsgefühl. Das machen andere Attribute aber auch. Chinesen erkennen sich wahrscheinlich gegenseitig an der Physiognomie, auch Inder verwechselt man wohl höchstens mit Pakistani. Fussballfans bilden Gruppen durch einheitliche Kleidung, Hüte, Symbole, Tänze, es gibt viele verbindenene  Gemeinsamkeiten, neben der Sprache, die aber nicht die Kommunikation mit anderen Gruppen erschweren.

Der Vorgang der Vereinheitlichung der Weltsprachen könnte so funktionieren:Eine Sprache wird als obligatorische Zweitsprache eingeführt. Wenn die Menschen schon Ihre eigene Sprache nicht aufgeben wollen, und wenn die Menschen schon bereit sind eine Fremdsprache zu erlernen, dann sollen doch wenigstens alle die gleiche Fremdsprache lernen, so das danach auch wirklich jeder mit jedem reden kann.

Durch globalisierte Wirtschaft, Touristik, Migration, wird die Zweitsprache nach und nach zur Alltagssprache. Es ist normal, das 20% Ausländer in einer Stadt sind, und jedes Restaurant und jede Behörde einen Fremdsprachenservice anbieten muss. Nach ca. 50 Jahren (3 Generationen) wird die Zweitsprache zur Bi-Lingualen Muttersprache. Nach ca. 100 Jahren beginnt die Nationalsprache auszusterben, es ist zu aufwändig und nicht effizient beide Sprachen am Leben zu erhalten, so wie das in der Vergangenheit schon mit Volkstrachten geschah. Geringe Stückzahlen und  hohe Preise machen lokale Mode zum Luxus.

Sprachen sind Reichtum ? Ist Verschiedenheit Reichtum ? Jede Verschiedenheit hat Vor- und Nachteile. Die Frauen können sich auch nicht wirklich entscheiden, ob Sie betonen wollen, das sie verschieden sind (Ladys First), oder unterstreichen wollen, das sie nicht verschieden sind (Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit).
Ähnlich ist es mit der Sprache, Ihr primärer Zweck, die Kommunikation, kann sie nicht erfüllen, wenn sie nicht von allen Gesprochen wird. Die Kulturelle Verbindung ist eher sekundär, und könnte gerne als "Volksgut" gepflegt werden.

In diesem Zustand sind zur Zeit in Deutschland die Sorben. Es gibt zwar noch 30.000 Personen die sorbisch als Ihre Muttersprache angeben, jedoch gibt es unter diesen niemanden, der nicht auch Deutsch spricht. Eine Sprache zur Kulturerhaltung, Eine andere Sprache zur Verständigung. Das ist auch jedem anderen Volk zuzumuten.

Etwas "gewaltsame" Parallelität von Sprachen findet in Quebec statt, speziell in Montreal. Jeder hat das Recht auf seine Muttersprache, aber das Französische wird besonders gefördert, um es vom Aussterben abzuhalten, was es unter normalen Umständen wohl schnell tun würde. Die Stadt ist attraktiv für Einwanderer aus ganz Amerika und das Englische würde über kurz oder lang dominieren. Dennoch sind Universitäts- oder Beamtenlaufbahnen, oder auch nur ein Kellner-Job ohne perfekte Bi-Lingualität undenkbar. Andersherum wird Montreal als einzige französchsprachige Enklave auf dem amerikanischen Kontinent besonders anziehend für Einwanderer aus Marokko, Algerien und Westafrika, den ehemaligen französischen Kolonien und Protektoraten. Die gemeinsame Sprache zieht an und verbindet.

Deutschland pflegt seine Sprache über die Goethe Institute, Frankreich über die Institut Francais. England hat so etwas nicht nötigt, und so versucht jede Nation, unter dem Mantel der Kulturpflege, das Zusammenwachsen der Welt zu verhindern.

Statt neue Medikamente, Pflanzen, Software, Energiequellen, Philosophien zu erfinden, verschwenden die Menschen Ihre geistigen Ressourcen auf das Erlernen von Sprachen, nur damit sie in der Lage sind mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Seit Edward Snowdon und PRISM wissen wir wen die USA als "vertrauenswürdige Nationen" einstuft. Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland. Alles Länder mit Englischer Muttersprache. Wer eine andere Sprache spricht, wie Deutsche, Franzosen, Spanier, macht sich schon vornherein verdächtig, der hat wohl etwas zu verbergen. Eine einheitliche Sprache sorgt für gegenseitiges Vertrauen. 



Donnerstag, 8. August 2013

Wie Versicherungen funktionieren

Die Meinung zu Versicherungen ist häufig sehr negativ.  Die Prämien sind zu hoch, wenn ein Schaden eintritt wird nicht gezahlt, wer eine Versicherung braucht bekommt kein Geld, und falls er es doch bekommt, wird er danach gekündigt. Es gibt viele falsche Interpretationen des Verhaltens von Versicherungen. Wie sind Versicherungen ursprünglich entstanden?

Die Rechtsform
Mehrere Hauseigentümer verabreden sich, gemeinsam in einen Topf einzuzahlen, aus dem sich Brandopfer bei Bedarf bedienen dürfen.  Den Topf nennen wir Versicherung, die Hauseigentümer sind die Versicherungsgemeinschaft. Anfangs gab es nur Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, nicht viel mehr als eine Lottotipgemeinschaft oder ein Kegelklub. Wenn der Topf und die Teilnehmerzahl wächst, wird die Betreuung ein Vollzeit-Job, ein Wirtschaftsbetrieb, und aus dem Verein wir ein eigenständiges Unternehmen und die Vereinsmitglieder zu Kunden.  Ein Verein der in ein Unternehmen umgewandelt wird hat viele Mitglieder, dafür eignet sich eine Aktiengesellschaft am besten. Jedes Vereinsmitglied bekommt ein paar Aktien. Aktien sind frei handelbar, Die Versicherungsmitglieder/Aktionäre können die Aktien verkaufen, und schon „besitzt“ jemand die Versicherung, der nicht gleichzeitig versichert ist. So kam es im Laufe der Zeit dazu, das Besitz an der Versicherung und Besitz eines Versicherungsvertrages voneinander getrennt wurden. Wer heute bei der Allianz einen  Versicherungsvertrag abschließt könnte sich auch Allianz Aktien kaufen, muss es aber nicht. Doch je besser es den Kunden geht, desto schlechter geht es der Versicherung.  Wer als Kunde einen Milliardenschaden versichert, bekommt im Schadensfall zwar vielleicht Geld, sorgt aber dadurch dafür, daß der Aktienkurs oder die Dividende fällt. Wenn man  gleichzeitig auf beiden Seiten steht gehört man immer zu den Gewinnern, egal ob der Schaden eintritt, oder nicht.

Das Grundprinzip
100 Leute zahlen in eine Versicherung pro Jahr 1% Ihres Hauswertes ein. Einem brennt das Haus ab. Er kann  die gesamten 100*1% bekommen und sein Haus wieder aufbauen.  Versicherung ist zunächst einmal ein Zusammenschluss von Menschen mit Risiken.
Voraussetzung dafür ist: Alle Häuser sind gleich teuer und die Brandgefahr ist in allen Häusern gleich hoch! Außerdem nimmt man an, es gibt nur einen Brand pro Jahr, oder allgemeiner: nicht mehr als 100 Brände in 100 Jahren.
100 Standardhäuser, eins in Brand

  • Jedes Haus kostet 100.000 €.
  •  Jeder Hausbesitzer zahlt 1% seines Hauswertes pro Jahr als Versicherung = 100 Häuser * 1.000€ = 100.000 €.
  •  Einmal im Jahr brennt ein Haus ab, der Geschädigte kann 100.000€ erhalten.
  • Wem ein Tornado das  Haus zerstört, der bekommt nichts, man hat nur Brandschäden kalkuliert.

Teurere Häuser kosten mehr Prämie.
Wer sein Haus 4mal so groß oder 4mal so teuer baut, zahlt 4 mal mehr Prämie.
Doch im Falle eines Brandes steht trotzdem nur 1 mal der gesamte Topf zur Verfügung, nur 100%, das mehr als ein „kleines“ Haus pro Jahr abbrennt ist nicht geplant. Mehr als 100.000€ pro Jahr sind nicht da. Die Lösung ist eine mehrjährige Betrachtung.  Wenn jedes Haus einmal in 100 Jahren abbrent, und ein Haus an die Stelle von 4 „kleinen“ Häusern tritt, dann gibt es nur noch 97 Häuser.
97 Häuser, 1 Brand pro Haus in 100 Jahren, heißt 3 Jahre ohne Brand! Wer das 4fache einzahlt, kann also auch das 4 Fache herausbekommen.  Er bekommt die Einzahlungen von den Jahren ohne Brand, und des Jahres in dem sein Haus brennt, also 4 * 100.000€.
96 Standardhäuser, Ein 4mal so teures Haus

  •         96 Häuser kosten je 100.000 €. 1 Haus kostet 400.000 €
  •         Jeder Hausbesitzer zahlt 1% seines Hauswertes pro Jahr als Versicherung  96*1.000€+1*4.000€ = 100.000 €
  •         In 100 Jahren kann jedes Haus 1mal brennen. Die „Kleinen“ bekommen 100.000 € ausgezahlt, der „Große“ 400.000€. Es sollte 3 Jahre ganz ohne Brand geben.

Damit das funktioniert muss die Versicherung aber Ansparen, Geld anlegen, vielleicht sich auch Geld leihen. Sie ist sich sicher, sie geht davon aus, daß die 3 Jahre ohne Brand kommen werden. Aber das erst die 3 Jahre ohne Brand, und dann das Jahr mit Brand kommen, wäre „zu schön um wahr zu sein“.
Auf 100-Jahressicht kalkuliert geht die Rechnung für die Versicherung auf. Aber ein Geschädigter will nach einem Brand nicht 4 Jahre warten bis er eine Auszahlung bekommt. Im Ernstfall muss die Versicherung in Vorleistung gehen. Bei Vertragsabschluss muss Sie deshalb glaubhaft machen, dass sie das kann, dass sie genug Geld hat.
Daher kommt das „protzige“ in der Versicherungsbranche. zeigen was man hat, zeigen das man liquide ist, zeigen das man groß, stark und erfolgreich ist, ist Geschäftszweck und Aushängeschild.
Das Protzige stößt den Kunden manchmal ab, aber gleichzeitig erwartet er es unterschwellig.
Eine Bank braucht auch Vertrauen, doch die haben es einfacher, die müssen nur Versprechen das sie das eingezahlte Geld wieder herausrücken. Es ist für eine Bank nicht sonderlich wichtig viele Kunden zu haben. Sie kämen auch mit einem Kunden aus. Bei einer Versicherung ist das unmöglich. Banken können deswegen etwas dezenter arbeiten.
(Das war der große Konflikt beim Versuch der Verschmelzung von Allianz und Dresdner Bank.)

Höhere Gefahren kosten mehr Prämie.
Wer leicht brennbare Materialen verwendet, läuft eher Gefahr, dass sein Haus abbrennt.
Mit doppelt so hoher Brandgefahr, muss man auch doppelt so viel einzahlen, wenn man das gleiche herausbekommen will.
Ein Haus das doppelt so leicht brennt, kostet die gleiche Versicherungsprämie wie ein Haus das doppelt so teuer ist.  Die Versicherungssumme ( der Wert das Hauses) steigt mit der Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos. Der Besitzer eines Holzhauses muss also in etwa „2 Anteile“  kaufen, wenn er 2% Eintrittswahrscheinlichkeit hat.
        
96 Standard-Häuser, 2 Holzhäuser mit doppelter Brandgefahr

  • Alle Häuser kosten 100.000€
  • Die 96 Standard-Häuser zahlen je 1% pro Jahr ein, 96*1.000€ = 96.000€
  • Die 2 Holzhäuser zahlen 2% pro Jahr ein, 2*2.000€ = 4.000 €.
  • Ergibt wieder einen Versicherungstopf von 100.000€.
  • Im Falle eines Brandes bekommen alle nur 100.000€ heraus, aber es ist berücksichtigt, das ein Holzhaus öfter/leichter brennt, als ein Steinhaus, es darf 2mal in 100 Jahren brennen.

(Wir haben hier die Annahme alle Häuser seien gleich teuer, in der Praxis sind leicht brennbare Häuser meist billiger, so dass die Versicherungssumme sich verringert).

Die Kalkulation
Als Grundformel für die Berechnung einer Versicherungsprämie gilt:

Versicherungsprämie = Versicherungssumme * Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadens.

Aber dann kommen noch Kosten für die Verwaltung hinzu, für  denjenigen der diese Formel durchrechnet, das Büro, die Putzfrau, als größter Punkt natürlich die Fremdkapitalzinsen, falls sich die Versicherung Geld leihen muss, und der gesamte Vertrieb. Eine Versicherung lebt davon viele Kunden zu haben, und es im Interesse der Kunden das sich eine Versicherung stets um neue Kunden bemüht. Wenn von den oben genannten 100 Hausbesitzern 5 kündigen, geht die Rechnung nicht mehr auf. Besser man hat immer wieder neue Kunden, je mehr je besser. Stellen wir uns einen zweites „Panel“ von 100 Hauseigentümern vor. Dann ist es für die Versicherung eher zu verkraften, wenn es im ersten Panel vielleicht doch 110 Brände gibt, 10% mehr als kalkuliert. Vielleicht gibt es im zweiten Panel nur 80 Brände in 100 Jahren und alles ist wieder gut.

Wohin verschwindet das Risiko?
Als Risiko bezeichnet man die Angst vor dem Unbekannten.  „Es könnte sein das mein Haus abbrennt“. Über eine größere Gruppe von Häusern kann man sagen „es ist ziemlich sicher, das mal ein Haus abbrennt“ – wir wissen nur nicht welches.
Das Risiko des Brandes wird durch die Versicherung nicht minimiert, aus dem Risiko des Brandes wird die sichere Erkenntnis, dass es Brennen wird und mit Sicherheit gehen Menschen viel lieber um, als mit Unsicherheit.
Das Risiko wird „vergemeinschaftet“  oder „gestreut“. Das Risiko ist nicht weg, aber man zahlt ein klein wenig, auch wenn gar nichts passiert ist. Ein kleiner kalkulierbarer Schaden (das Zahlen der Prämie) ist leichter zu verkraften als ein großer Schaden.
Versicherung ist wie ein Sparvertrag, Man zahlt 100 Jahre ein, und bekommt das was man eingezahlt wurde zurück. Mehr macht Versicherung nicht. Der Unterschied besteht darin, dass man auch schon vor Ablauf der 100 Jahre eine Auszahlung bekommen kann, wenn es nötig wird, und im Gegenzug keinen Anspruch auf eine Auszahlung hat, wenn man es nicht nötig hat – wenn der Schaden nicht eintritt.

Wenn es ernst wird, gibt’s sowieso nichts.
Zu viel, zu leichtfertig auszahlen darf eine Versicherung nicht, denn dann würde die Prämie für alle Versicherten steigen. Mehr Auszahlung heißt immer auch mehr Einzahlung.  Deswegen argumentieren Versicherungen, die eine Schadensregulierung ablehnen immer „Im Interesse Ihrer Kunden“, und sie meinen damit nicht den konkreten einzelnen Kunden der vor Ihnen steht, sondern die Kunden in Ihrer Gesamtheit. Sie haben lieber 99,9% Kunden die sich über niedrige Prämien freuen, oder tun sich leichter neue Kunden mit niedrigen Prämien zu werben, und akzeptieren dafür das 0,1% der Kunden unzufrieden sind.
Das ist wie beim Türsteher einer Diskothek, damit die die drin sind sich wohl fühlen, muss an der Tür einer stehen der störende Elemente vom Eintritt abhält, oder falls Sie schon drin sind, wieder entfernt.

Katastrophen
Was ist wenn wirklich ein ganzer Straßenzug abbrennt und alle den gleichen Versicherer hätten? Dafür gibt es Rückversicherer, Versicherungen für Versicherungen, das Risiko wird gemischt mit Versicherern in China und den USA, und solange es nicht überall gleichzeitig brennt, funktioniert das. So hat die Allianz, durch Übernahme der Staatlichen Versicherung der DDR Marktführer in den neuen Bundesländern, von den Flutschäden 2013 keinen allzu großen Schaden davon getragen. Sie war dagegen (rück-)versichert.

Spekulation und Gewinn
Die Schätzung der Wahrscheinlichkeit, wie leicht ein Haus abbrennt und wie hoch dann der Schaden sein wird ist essentiell für die korrekte Berechnung der Prämie. Wenn der Versicherer merkt, dass er sich geirrt hat, müssen die Prämien steigen, sie können auch mal sinken, und wenn die Versicherung ein Risiko für unkalkulierbar hält, sich nicht traut zu schätzen wie oft es schlimmstenfalls eintritt, dann wird auch mal ein Versicherungsvertrag abgelehnt oder gekündigt.
Es hängt viel von Annahmen ab, von Schätzungen, Prognosen, Spekulationen. Wie leicht brennt etwas, wie oft, wie ist das Klima, der Leichtsinn des Nutzers. Tausende solcher Annahmen müssen getroffen werden um eine Prämie zu berechnen. Mit vielen historischen Zahlen kann man das inzwischen ganz gut.
Wie hoch Schäden an einem VW Golf im Mittel sind, weiß die Versicherungswirtschaft, das ein Beamter angeblich weniger Unfälle hat, als ein Angestellter glaubt sie auch zu wissen. Aus diesen Einschätzungen von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe werden die Versicherungsprämien berechnet.

Die Hauptrolle spielt nicht wirklich das Risiko, das ist und bleibt unberechenbar, sondern die Einschätzung des Risikos. Die Versicherungsprämie ändert sich an dem Tag, an dem man Kenntnis von der Gefahr erlangt. Bei Brand ist es leicht, man weiß von vornherein wie brennbar ein Haus ist.
Wenn erst einmal Krebs diagnostiziert wurde, ist eine neue Risikolebensversicherung sehr viel teurer, als vor der Diagnose. Das Krebsrisiko steigt sprunghaft von 0,5% auf 100%. Es wird als unfair betrachtet, so jemanden zu gleichen Konditionen in die Versichertengemeinschaft aufzunehmen, wie jemanden ohne Krebsdiagnose. Bei Krankheiten betrachten wir das als unmenschlich oder unethisch, aber aus Sicht der Versicherung ist das Verhalten richtig. Man kann auch kein brennendes Haus versichern, deswegen gibt es oft „Wartezeiten“, man könnte es auch „Mindestvertragslaufzeit“ nennen.  Man muss mindestens einen Jahresbeitrag eingezahlt haben, bevor man etwas herausbekommen kann.  Schäden die bei Aufnahme der Versicherung schon eingetreten waren werden durch die Versicherung nicht reguliert. Klingt logisch, heißt aber das eine private Krankenversicherung für einen neu aufgenommenen Krebskranken in den Vertrag schreibt, "wir regulieren alle Behandlungen, außer der Therapie der Krebserkrankung und darauf zurückzuführender Folgeerkrankungen".

Es liegt nahe das man sich bei diesen vielen Schätzungen einen „Sicherheitspuffer“ einbaut. Man verwendet nicht die durchschnittliche Brandgefahr, sondern eine leicht höhere, damit man „auf der sicheren Seite“ ist, damit man nicht gleich bankrottgeht, falls man sich irrt.
Je pessimistischer die Schätzung, desto höher ist natürlich die Versicherungsprämie für den Versicherten.  Eine Grenze nach oben bildet sich auf dem Markt, einerseits durch die Zahlungsbereitschaft des Kunden, ab welchem Betrag sagt er „mir ist die Prämie zu hoch, ich verzichte auf eine Versicherung“, und andererseits durch den Wettbewerb, wenn die Konkurrenz die Versicherung günstiger anbietet, kauft niemand mehr die Versicherung mit der hohen Prämie.
Es ist im Interesse der Versicherten, das eine Versicherung sich bemüht nicht bankrott zu gehen, auch wenn es natürlich gleichzeitig darauf hinausläuft, hohe Gewinne zu machen. Gewinne entstehen, wenn man zu pessimistisch geschätzt hat, wenn der Topf den man angehäuft hat nicht für Schäden hat aufwenden müssen. Andere Gewinne können aber auch einfach entstehen, indem das Geld in dem Topf angelegt und verzinst wird, solange bis der Schaden eintritt und das Geld gebraucht wird. Dabei werden vorrangig sichere Anlagen verwendet, Anlagen die jederzeit auszahlbar sind, man weiß nie wann man das Geld braucht, es kann morgen sein, es kann in 3 Jahren sein. Man darf nicht das Risiko eingehen kein Geld zu haben, deswegen sind Versicherungen die Hauptinvestoren in Staatsanleihen, Fest- und Termingelder.

Lotterie ? Wetten dass !

Versicherungen haben viel mit Lotterien gemeinsam, es gibt genau genommen keinen Unterschied. Man zahlt ein wenig Geld ein, und bekommt viel Geld heraus. Versichern Sie doch einfach das Haus Ihres Nachbarn, wenn es abbrennt bekommen Sie viel Geld, Ihr einziger Schaden ist der Preis des Lotterieloses, Ihre „Versicherungsprämie“ . Es ist eine Lotterie. Viele zahlen etwas ein, einer bekommt alles, oder relativ viel davon, heraus.